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Horb a. N. Standpunkte gegen Gewalt an Frauen

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Die Ausstellung der Frauenhilfe wurde am Montag in der Kreissparkasse Horb eröffnet: Dominik Rakoczy (von links), Silvia Braun, Ulrike Schweizer, Jan Meijer und Tobias Steinke Fotos: Morlok Foto: Schwarzwälder Bote

Im oberen Stock der Horber Kreissparkasse wurde gestern eine bemerkenswerte Ausstellung der Frauenhilfe Freudenstadt eröffnet.

Horb. Unterschiedliche Personen – vom Landrat bis zu Mitarbeitern der katholischen Kirche – haben auf einem Stück Papier ihre Meinung und ihren Standpunkt zum Thema Gewalt an Frauen kurz und knackig auf den Punkt gebracht. Diese Statements wurden so fotografiert, dass man nur die Schuhe, maximal die Beine, der entsprechenden Person und ihren Text sieht. "Ich stehe dazu – das soll diese Geste symbolisch verdeutlichen", machte Ulrike Schweizer, die zusammen mit Silvia Braun in die Ausstellung einführte, klar.

Die Frauenhilfe Freudenstadt möchte mit dieser Aktion im Vorfeld des internationalen Frauentages am 8. März das Bewusstsein für diese Problematik in Politik und Gesellschaft schärfen und auf ihre Arbeit in ihren Beratungsstellen vor Ort in Freudenstadt und Horb hinweisen.

Seit Bestehen des Vereins, der 2007 von engagierten Frauen, die sich aus allen möglichen Berufsfeldern zusammenfanden, gegründet wurde, konnte die Frauenhilfe Freudenstadt rund 1500 verzweifelte Frauen beraten und ihnen Schutz vor ihren prügelnden Männern und eine kostenlose Rechtsberatung anbieten. "Und trotzdem hören wir heute, nach elf Jahren Frauenhilfe, noch oft den Satz: ›Was, das macht ihr? Das haben wir gar nicht gewusst‹", wunderte sich Silvia Braun, die zehn Jahre lang im Vorstand aktiv mitwirkte. "Zuerst wurde der Verein ehrenamtlich geführt", ergänzte ihre Kollegin Ulrike Schweizer, die wie Braun im Team der Öffentlichkeitsarbeit mitarbeitet. Doch auch hier wurde relativ schnell klar, dass der ehrenamtliche Einsatz der Aktiven nicht mehr ausreicht.

Seit dem Jahr 2016 gibt es eine Art Außenstelle in der Horber Kaserne

2014 wurde eine 50 Prozent-Stelle genehmigt, die in diesem Jahr auf 60 Prozent aufgestockt wurde. Das Freudenstädter Büro wird dem Verein von der Kreissparkasse zur Verfügung gestellt. Seit dem Jahr 2016 gibt es eine Art Außenstelle in der Horber Kaserne, die von der Stadtverwaltung Horb unterstützt wird. In Freudenstadt ist die Beratungsstelle jeden Vormittag geöffnet, in Horb nur Mittwochvormittag. Trotzdem sehen die Verantwortlichen gerade diese Beratungsstelle in Horb als sehr wichtig an, da nicht alle Frauen – aus unterschiedlichsten Gründen – die Möglichkeit haben, nach Freudenstadt zu fahren.

2016 hatte man 15 Beratungsgespräche in Horb, 2017 waren es schon 24 und im ganzen Jahr waren es insgesamt 156 Beratungen im Kreis. Eine erschreckende Zahl, wenn man die Schicksale sieht, die hinter jedem einzelnen Fall stehen. Deshalb ist es immens wichtig, dass der Verein auf sein Angebot aufmerksam macht. Einer dieser Ansatzpunkte ist die neue Ausstellung, die später einmal in allen Rathäusern des Kreises gezeigt werden soll.

Mit dem Psychologen Jan Meijer steht dem Verein zudem ein Mann zur Seite, der sich dann einsetzt, wenn die betroffenen Frauen der Meinung sind, dass sie mit ihrem Mann doch noch eine Zukunft haben könnten. "Jan Meijer macht bei uns die Täterberatung", sagte Silvia Braun und fügte an, dass er "ein großer Schatz im Verein ist". Meijer selbst relativierte dahingehend, dass die Frau immer im Vordergrund alle Bemühungen stehe: "Priorität Nummer eins ist immer die Frauenhilfe."

Gewalt gegenüber Frauen ist leider auch im Landkreis Freudenstadt ein allgegenwärtiges Problem, wie die Beratungszahlen betroffener Frauen bei der Frauenhilfe zeigen. Im Durchschnitt meldet sich nahezu jeden zweiten Tag eine Rat und Hilfe suchende Frau in einer der beiden Geschäftsstellen. Dabei wird vermutlich aber nur die Spitze des Eisbergs sichtbar, denn viele Frauen haben eine hohe Hemmschwelle aus Angst und Scham, bevor sie ihr Schweigen brechen und sich Hilfe und Beratung holen.

Bis zum 8. März ist die Ausstellung zu den Geschäftszeiten geöffnet

Vielleicht hilft diese "Präsentation der Standpunkte", etwas vom Leidensdruck betroffener Frauen wegzunehmen. Vielleicht finden sie durch diese Aktion und das Wissen, dass sie nicht allein mit ihrem Problem sind, den Mut, sich an eine der beiden Beratungsstellen, bei denen professionell und vor allem anonym geholfen wird, zu wenden. Die Ausstellung ist die erste seit dem Umbau der Horber Geschäftsstelle, wie Geschäftsstellenleiter Dominik Rakoczy in seinen Grußworten anfügte. Bis zum 8. März ist sie während der normalen Geschäftszeiten zu sehen.

 

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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