Angst vor der Vogelgrippe hat Christoph Straub nicht. Er fürchtet sich eher vor der Langeweile, die sich unter seinen Hühnern breitmachen könnte, und versucht nun seine Tiere bis Ende Januar mit Heu und Apfelschnitzen zu beschäftigen. Foto: Hopp

720 Tiere auf Straubhof müssen in zwei Hühnermobilen bleiben. "Meine armen Viecher."

Horb - Jetzt ist das eingetreten, mit dem Manuela Straub noch wenige Tage zuvor überhaupt nicht gerechnet hatte – und auch nicht rechnen wollte: Die Stallpflicht für Hühner gilt landesweit.

Straubs 720 Freilandhühner müssen nun bis Ende Januar in den zwei Hühnermobilen bleiben. "Die Tiere leiden zwar nicht", sagt sie, "aber es ist ungewohnt für sie. Meine armen Viecher."

Vorerst Bodenhaltung

Ihr Mann Christoph Straub ergänzt: "Dass der Stall für die Bodenhaltung geeignet ist, war uns schon beim Kauf wichtig. Das haben viele andere Ställe nicht." Diese Voraussicht wird den Tieren in den kommenden Monaten zugute kommen. Wenigstens auf die Bodenhaltung müssen sie nicht verzichten.

Freilandeier vom Straubhof – und von Hühnern in Baden-Württemberg generell – wird es aber vorerst nicht mehr geben. "Die Stallpflicht gilt hier offiziell ab Sonntag", weiß Bauer Straub. Das habe Edmund Hensler, Leiter des Veterinäramts beim Landratsamt Freudenstadt, mitgeteilt. Auch Bayern zog gestern nach. "Es bleibt uns also nichts anderes übrig." Wer seine Hühner weiterhin im Freien hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Auf den Schachteln, Etiketten und Emblemen wird dennoch weiterhin Freilandhaltung stehen. Andere haben die Straubs gar nicht vorrätig.

Kunden fragen nach

Nun machen sich die Straubs dran, ihr Geflügel zu beschäftigen. Heu, Apfelschnitze, Hackschnitzel: Alles, was sich picken lässt, ist gut gegen die Langeweile. "Bisher gab es drei, vier verpickte Eier", so Christoph Straub. Das sei auch ein Anzeichen für Langeweile. Wenn es bei dieser Ausfall-Rate bleibt, sei Familie Straub zufrieden. Aber auch die Angst vor Kanibalismus unter den Tieren ist präsent. "Wenn das einmal angefangen hat, dann hören sie nicht mehr auf", weiß Bauer Straub. "Wir müssen rigoros sein."

Für eine Hysterie sei aber noch lange kein Anlass gegeben, betont Manuela Straub. "Solange der Erreger nicht mutiert, ist er für Menschen ungefährlich." Und so lange Eier und Hühnerfleisch vor dem Verzehr gekocht oder gebraten werden, könne auch so nichts übertragen werden.

Bei der Kundschaft wird auf Verständnis gehofft. "Natürlich haben wir die Hühner auch zum Geld verdienen." Die Eier verkaufen sie im Hofladen sowie in ihrem Eier-Automat, der ebenfalls auf dem Hof der Straubs steht. Manuela Straub: "Die Kunden fragen bereits nach, ob unsere Hühner denn schon drinnen sind. Aber es hat noch niemand gefragt, ob unsere Hühner etwas haben."

Zwei Rassen Legehennen gibt es auf dem Straubhof: weiße Dekalb und braune Bovans. Rund 340 Eier legen die Tiere der Straubs pro Tag. Sie können nur hoffen, dass es nicht zu Einbrüchen kommt, denn gerade zur Weihnachtszeit seien Eier generell sehr gefragt. Und sie hoffen eben auch darauf, dass die Stallpflicht ab Februar tatsächlich wieder aufgehoben wird und sich die Vogelgrippe nicht weiter ausbreitet. "Wir sind zwar pflichtversichert", sagt Christoph Straub, aber die Versicherung würde bei einer Erkrankung der Tiere nur den Wert der Hühner, nicht aber den Ausfall tragen.

Auch beim Kleintierzuchtverein in Horb hat man sofort auf die Stallpflicht reagiert. Am späten Donnerstagnachmittag fuhr Silke Wüstholz direkt von der Arbeit zum Kleintierzüchterheim und brachte das Geflügel in die Bestallung. "In dieser Jahreszeit wäre das sowieso bald der Fall gewesen", so Wüstholz. Allerdings hätte man die Tiere in den kommenden Wochen bei schönem Wetter rausgelassen.

Daraus wird jetzt nichts, aber das findet die Vereinsvorsitzende richtig so. "Wir haben damit gerechnet und das ist auch eine gute Maßnahme." Man werde sich auch akribisch dran halten – im eigenen Interesse: "Wir haben so wertvolle Tiere, es wäre ein Drama, wenn wir alle keulen müssten", so Wüstholz. Der Verein hat seltene Vögel, die man so noch nicht mal in der Wilhelma findet.

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