Im Horber Stadtgebiet haben Behinderte oftmals Probleme. Foto: Hopp

Bürgermeister will Forderungen umsetzen. Parkhaus Kaiser wird verändert. Begleitdienst soll kommen.

Horb - Bürgermeister Jan Zeitler ist jetzt zum Hoffnungsträger aller Bürger geworden, die auf eine barriefreie Stadt angewiesen sind. Das wurde beim gestrigen Treffen der Arbeitsgruppe "Barrierefreie Stadt" deutlich.

Zeitler will sich jetzt einen Rollstuhl ausleihen, um die kritischen Stellen in der Stadt abzufahren. Das hatte allerdings Oberbürgermeister Peter Rosenbergerger vor einiger Zeit auch schon gemacht. Geschehen ist seitdem aber nicht viel.

Zeitler erklärt: "Im Rahmen der Stadtentwicklungen sind einige Umbauten geplant. Dabei werden wir auch eine barrierefreie Rundwege-Beziehung für Rollstuhlfahrer mit entwickeln und umsetzen." Siska Teichert-van der Ploeg hatte im Barrierefrei-Test des Schwarzwälder Boten aufgedeckt, dass die Bordsteinkanten und die Pflasterungen davor für Rollstuhlfahrer kaum zu überwinden sind (siehe Video auf der Facebook-Seite des Schwarzwälder Bote Horb). Auch Stadtarchitekt Thomas Hellener hörte genau zu, als Teichert-Van der Ploeg von den Schwierigkeiten berichtet.

Zeitler will jetzt auch den vom ADAC beim Barrierefrei-Test des Schwarzwälder Boten als "absolut nicht behindertengerecht" bezeichneten Behindertenparkplatz im Kaiser beseitigen lassen: "Die Stadtwerke haben den Auftrag bekommen, das Parkhaus zu optimieren und zu prüfen, ob der fragliche Parkplatz gegenüber eingerichtet werden kann." Der jetzige Parkplatz fällt auf 1,60 Meter Höhe ab. Lackflecken an der Decke beweisen, dass Behinderte hier mit ihren hohen Fahrzeugen schon stecken geblieben sind.

Dabei sollen auch die runden Bordsteine, die das Verlassen des Parkhauses mit dem Rollstuhl nur auf der Fahrspur zulassen, beseitigt werden. Zeitler: "Das wird ebenso überprüft und geändert." Dann will Zeitler auch prüfen lassen, ob im obersten Stock des Kaisers noch ein Behindertenparkplatz eingerichtet wird, damit Rollstuhlfahrer nicht auf den nur 80 Zentimeter breiten Aufzug angewiesen sind. Horbs Behindertenbeauftragter Hermann Knechtle: "Das ist nicht behindertengerecht."

Fahrdienst für Rollstuhlfahrer?

Bürgermeister Zeitler sagte auch zu, dass der oder die neuen Behindertenparkplätze mit den anwesenden Rollstuhlfahrern Siska Teichert-Van der Ploeg und Caren Totzauer vor der Einrichtung in einem Ortstermin und einem hohen Auto getestet werden.

Dazu sollen die neuen Parkscheinautomaten, die nächstes oder übernächstes Jahr gekauft werden sollen, auch rollstuhlgerecht sein.

Mit einem Satz beendete Zeitler die Debatte um die neue Behindertoilette auf dem Flößerwasen: "Klar, dass ein Parkplatz direkt davor errichtet wird."

Behindertenbeauftragter Knechtle brachte das Thema "barrierefreie Busse" auf den Tisch. Der Landkreis habe ihm zugesagt, dass es bis Mai 2013 in allen Bussen eine Ansage aus dem Fahrkartenstempler gibt, welche Haltestelle kommt (gut für Blinde). Caren Totzauer: "Rollstuhlfahrer kommen aber nicht in den Bus. Es wäre viel besser, wie in Frankfurt einen Fahrdienst für Rollstuhlfahrer einzurichten. Die kriegen dort eine Karte mit 10 oder 15 Freifahrten und können dann ordern. Oder man versucht gleich, gemeinsam mit dem Caritas einen Begleitservice anzubieten."

Für Zeitler ein "hervorragender Vernetzungsgedanke". Er forderte Knechtle auf, mit der Caritas zu sprechen und bei der nächsten Sitzung zu berichten.

Auch die Idee von Teichert-van der Ploeg, ein Ruftaxi für die Fahrt von der Unterstadt in die Oberstadt einzurichten, findet Gehör. Stadtplaner Peter Klein: "Das wäre prinzipiell möglich. Wir fragen mal die Konditionen bei den Betreibern des Nachtexpresses ab." Die Rollstuhlfahrerin: "Dafür wären nicht nur Behinderte, sondern auch viele Senioren dankbar." Dann kam noch die Forderung von Caren Totzauer nach barrierefreien Wohnungen. Zeitler: "Ich werde den Chef der Wohnbau Horb anschreiben und nachfragen, ob es dafür schon Planungen gibt."

Die Anwesenheit von Bürgermeister Zeitler. Sie sorgt dafür, dass die Fronten der Vorwürfe zwischen den Rollstuhlfahrerinnen und dem ehrenamtlichen Behindertenbeauftraten Hermann Knechtle nicht verhärteten, sondern in einem konstruktiven Miteinander endeten. Teichert-van der Ploeg und Totzauer hatten Knechtle vorgeworfen, nichts für die Verbesserung der Lage zu tun (wir berichteten).

Am Ende fragt Knechtle Caren Totzauer, ob er von ihr Informationen bekommen könne. Sie willigt freudig ein.