Die Stadt hat das frühere Reno-Gebäude gekauft. Foto: Archiv: Lück

Offensive Stadtentwicklung: Verwaltung erwirbt nach Café Kipp und "Flair" weitere Immobilie.

Horb - Gehört dem Rathaus bald die ganze Stadt? Jetzt hat die Stadtverwaltung schon das nächste Gebäude gekauft: Die Neckarstraße 20. Hier war zuletzt der Reno-Schuhhandel drin.

Der Stadt gehören die Schulen, Turnhallen, Kitas, das Rathaus. Nach und nach scheint die Stadt Horb zum Großgrundbesitzer zu werden: Jetzt hat das Rathaus das Gebäude des ehemaligen Schuhhandels Reno in der Neckarstraße 20 gekauft – für 100.000 Euro. Stadtsprecher Christian Volk: "Eine Beratung im Gemeinderat war nicht notwendig, da der Kaufpreis innerhalb der Zuständigkeit der Verwaltung lag."

Das Rathaus überlegt, das Gebäude nach hinten zu erweitern, um eine Verkaufsfläche von bis zu 400 Quadratmeter dann an den Markt bringen zu können.

Das Gebäude des ehemaligen "Schuh Reno" hatte zuletzt Hans-Jürgen Birk gehört, dem Investor der Activ-Arkaden. Er hatte das Gebäude im Jahr 2015 gekauft. Vergangenes Jahr ging Birk auf die Stadt zu und signalisierte, dass er das Gebäude los werden will. Die Stadt hatte ohnehin ein Vorkaufsrecht.

Fruchtkasten ebenfalls im Visier

Doch das soll noch nicht der letzte Kauf von Immobilien durch das Rathaus gewesen sein. Klar ist schon jetzt: Sobald das Polizeirevier den Neubau in der Hornauer Straße bekommt, will die Stadt den Fruchtkasten kaufen. Erste Ideen sind: ein Multifunktionssaal im Dachgeschoss, der auch für Konzerte geeignet sein soll. Auch die Stadtbücherei könnte in den Fruchtkasten ziehen.

Auch Boden Teufel in der Gutermannstraße oder das Areal der Gärtnerei Knödler an der Stuttgarter Straße sind schon auf dem Suchradar des Rathauses. Man sei interessiert, wolle aber niemanden vertreiben. Stadtsprecher Volk: "Es wurden beide Flächen angesprochen, da beide für die Stadtentwicklung wichtig sind und für die zukünftige Entwicklung Potentiale bieten."

Und auch in der Wilhelmstraße will das Rathaus weiter kaufen. Im Visier: das Gebäude der Stadtapotheke. Es soll abgerissen werden, um vor dem Fruchtkasten freien Blick auf den Mühlkanal und die im städtebaulichen Wettbewerb so bestaunte Stufenterrasse vor dem Fruchtkasten umzusetzen. Dort, wo jetzt der Beach des "Dolce Vita" ist, stand bis zum Jahr 2012 das sogenannte Küster-Haus. Dies hatte die Stadt auch gekauft und dann abreißen lassen.

Der lukrativste Kauf für die Stadt war wohl bisher die Kaserne. Sie wurde für 1,95 Millionen Euro im Jahr 2013 gekauft. Das Rathaus nahm damals einen Sonderkredit in Höhe von 1,5 Millionen Euro auf. Der wurde schon 2016 wieder getilgt, weil damals schon zwei Millionen Euro Verkaufseinnahmen reingekommen waren. Und dabei haben die Neubauten, die auf den Freiflächen wie dem ehemaligen Kasernen-Sportplatz und dem Exerzierplatz, noch gar nicht begonnen. Hier sind unter anderem altengerechtes Wohnen, trendiges Wohnen und günstiges Wohnen angedacht.

Das Rathaus hatte Ende 2018 gut 6200 Quadratmeter in der Weststadt gekauft –­ das ehemalige Leuco-Werk. Hier werden die Gebäude wohl abgerissen. Es soll Wohnen und vielleicht ein Ärztehaus entstehen.

Anfang des Jahres hatte das Rathaus dann beim Café Kipp am Marktplatz zugeschlagen. Pläne hier: Bezahlbarer Wohnraum und neue Gastro, nachdem Helmut Kipp seinen Betrieb mit 65 Jahren aufgegeben hatte.

Und in der Schatulle des Rathauses ist noch Geld. Stadtsprecher Volk: "Seit dem Haushaltsplan 2019 stehen 300.000 Euro für Innenentwicklungsmaßnahmen zur Verfügung. Diese werden sowohl für bebaute als auch für unbebaute Grundstücke genutzt. So wurde beispielsweise auch der Erwerb des ›Flair‹ in Talheim hieraus finanziert. Einzelne größere Immobilienerwerbe wurden jeweils im Gemeinderat beraten und finanziert (beispielsweise der Erwerb des "Leuco"-Areales). Die Mittel des Haushaltsplanes 2019 stehen noch in voller Höhe zur Verfügung."

Man kann gespannt sein, welches Haus die Stadt als nächstes kauft. Und wollen natürlich wissen: Plant das Rathaus, die ganze Stadt aufzukaufen? Stadtsprecher Volk: "Selbstverständlich – wir fangen mit dem Schwarzwälder Boten an! Das ist eine nicht ganz ernst gemeinte Antwort auf eine vermutlich nicht ernst gemeinte Frage!"

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