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Auto- und Lkw-Fahrer nehmen Abkürzung durch Ort. Viele missachten Geschwindigkeitsbegrenzung.

Horb-Isenburg - 320 Einwohner, viel Wald und sonst nicht viel: Eigentlich lebt es sich idyllisch in Isenburg. Wäre da nicht der Verkehr. Seit die B 32 zwischen Horb und Nordstetten gesperrt ist, entdecken erstaunlich viele Auto- und Lastwagenfahrer Isenburg für sich.

Lastwagen haben in Isenburg eigentlich nichts verloren. Die Durchfahrt ist ihnen - Anlieger ausgenommen - verboten. Eigentlich. Denn während Jürgen Gumpinger die Situation an der Isenburger Ortsdurchfahrt am Dienstagvormittag schildert, das dauert gerade einmal 15 Minuten, fahren vier Lastwagen an ihm vorbei. Er schätzt, an manchen Tagen sind es insgesamt weit über 100. Mit "Kennzeichen von überall her".

Angefangen, da ist sich Gumpinger sicher, hat alles am 3. August. Seither ist die B  32 zwischen Nordstetten und Horb gesperrt. Und Isenburg ist plötzlich für viele Verkehrsteilnehmer der schnellste Weg, um von der Höhe ins Neckartal oder umgekehrt zu kommen. Dabei verläuft die offizielle Umleitungsstrecke über Mühlen und Ahldorf. Zumal die enge und marode Isenburger Ortsdurchfahrt als Umleitung nicht geeignet sei, wie Gumpinger findet.

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Dass er recht hat, bestätigt ein Zwischenfall im August 2017, bei dem tatsächlich ein Schwertransport in Isenburg stecken blieb. Auch damals war die B  32 gesperrt, auch damals nutzten Lastwagen nicht die offzielle Umleitungsstrecke, sondern den Schleichweg über Isenburg.

Dabei sind die Laster das eine Problem, ein viel größeres sind für den Unternehmer die vielen Autos. Franzosen, Engländer, Niederländer, aber auch Kennzeichen mit S, TÜ, VS, RW oder BL: "Alles Mögliche fährt hier." Er spricht von tausenden Fahrzeugen in wenigen Stunden.

Zustand der Ortsdurchfahrt ist jetzt schon schlecht

Warum sich überhaupt so viele Autofahrer nach Isenburg verirren, das ist Jürgen Gumpinger ein Rätsel. Er erzählt von einem Selbstversuch: Mit drei Fahrzeugen und den dort eingebauten Navis hat er sich von Horb aus Richtung Autobahn lotsen lassen. Ihm habe jedes Navi die offizielle Umleitungsstrecke vorgeschlagen. Weil das offensichtlich längst nicht bei allen so ist, werde der Zustand der ohnehin sanierungsbedürftigen Ortsdurchfahrt täglich schlechter. "Wenn das weiter so geht, ist die Straße nicht mehr befahrbar." Die Ortsdurchfahrt ist eine Kreisstraße, bisher hat eine Sanierung bei Landkreis noch nicht oberste Priorität.

Was für den Isenburger aber das allergrößte Problem ist: "Es hält sich hier niemand an die Geschwindigkeitsbegrenzung." Eine ältere Mitbürgerin, die auf dem Weg zu seiner Mutter gewesen sei, sei vorige Woche fast überfahren worden. "Das ist schlimm." Dabei gilt in den beiden Ortsteilen Tempo 30.

In dieser Sache ist Gumpinger auf einer Linie mit Stefan Blank. Auch der Isenburger Ortsvorsteher meint: "Wo wir ein Riesenproblem haben: Der normale Pkw-Verkehr hat enorm zugenommen" – und zwar seit Beginn der B  32-Sperrung.

Aus seiner Sicht kommt erschwerend hinzu, dass seit Mai auch noch die Kreisstraße 4762 zwischen Empfingen und Betra dicht ist. Die Holperpiste wird bis voraussichtlich Ende Mai 2021 saniert. Die Umleitung erfolgt über Fischingen. Isenburg sei zwar auch bei dieser Umleitungsplanung außen vor geblieben, berichtet Blank. Er ist trotzdem nicht überrascht, dass Ortskundige dennoch über seinen Stadtteil ausweichen.

Am meisten ärgert den Ortsvorsteher, auch da geht es ihm wie Gumpinger, wie viele Autofahrer das Tempolimit ignorieren. Was er als nicht ganz so dramatisch sieht, sind die Lastwagen. Im ist lediglich in den ersten Tagen der B  32-Sperrung aufgefallen, dass der Schwerlastverkehr zugenommen hat. Blank vermutet, das könnte auch Zufall gewesen sein: Wer erst einmal von Horb kommend auf der Brücke über die Bahngleise fährt, steht entweder vor der gesperrten B  32 Richtung Nordstetten und muss drehen, oder biegt eben rechts in die Isenburger Straße ab.

Auch die Stadtverwaltung weiß um die Zunahme des Verkehrs in Isenburg. Dies sei zu erwarten gewesen angesichts der B  32-Vollsperrung. "Wobei das Verkehrsaufkommen immer noch hinter dem von stark befahrenen Ortsdurchfahrten in manchen Ortsteilen liegt", erklärt die Pressesprecherin der Stadt, Inge Weber. So lange es keine verkehrsrechtlichen Beschränlungen gebe, dürften sich Ortskundige Wege abseits der Umleitungsstrecke suchen, erklärt sie außerdem.

Und nun kommt der neue mobile Blitzer-Anhänger ins Spiel. Den hatte die Stadt nämlich vom 7. bis 21. August im Einsatz, in der ersten Woche in Isenburg in der Tälestraße und in der zweiten Woche in Nordstetten, an der L 396-Kreuzung Buchhöfe.

Blitzer-Anhänger erfasst nicht nur Temposünder, sondern auch Lastwagen

Die Blitzeraktion habe nicht nur dazu gedient, Geschwindigkeitsverstöße zu ermitteln, teilt Weber mit. "Der städtische Blitzer hat auch durchfahrende Lkw erfasst." Derzeit werden die Daten ausgewertet. Anschließend könne etwa mit der Polizei entschieden werden, "ob eine gezielte Aktion zur Ahndung des Lkw-Durchfahrtsverbots - ähnlich wie in der Altheimer Straße auch schon erfolgt - durchgeführt wird." Denn, ob ein Lastwagen gegen das Durchfahrtsverbot verstößt, könne nur die Polizei kontrollieren, die die Fahrzeuge auch anhalten darf.

"Bezüglich des zulässigen Verkehrs in Isenburg ist die entscheidende Frage, ob der Mehrverkehr für eine begrenzte Zeit objektiv zumutbar ist, denn leider sind Straßensperrungen und Umleitungen manchmal unumgänglich. Dann werden einzelne Ortschaften oder Straßenzüge zeitweise stärker belastet - andere Ortschaften trifft es dafür bei anderen Maßnahmen", erklärt die Stadtsprecherin weiter.

Jürgen Gumpinger macht sich Sorgen, dass sich die Situation nach den Sommerferien verschlimmern wird. Doch wenn die Schule wieder losgeht, sind in Isenburg wieder mehr Kinder auf der Straße. Ginge es nach ihm, sollte an den Ortseinfahrten Schranken installiert werden – wie an der alten Nordstetter Steige. Und nur die Isenburger können sie öffnen.

Die Baustellen- und Umleitungslage bringt nicht nur die Einheimische in Bedrängnis. Das zeigt ein Brief von einem Urlauber, der auch unserer Redaktion zuging. Eigentlicher Adressat sind das Polizeirevier und die Stadtverwaltung - die den Mann in seinem Auto in Isenburg geblitzt hat. Darüber hinaus hatte er noch eine - wenn auch freundliche - Begegnung mit der Polizei.

Ludwig S. aus Berg in der Pfalz schildert darin sein Erlebnis am 9. August in Horb. Wie schon seit 1983 fast jedes Jahr sei er mit dem Auto unterwegs in den Urlaub nach Bad Kohlgrub in den Ammergauer Alpen. Seine Route führe ihn immer über Baden-Baden, Freudenstadt, Horb, Dornstetten - offenbar meint er Nordstetten -, dann Haigerloch und weiter Richtung Bayern. Dieses Mal war in Horb aber offenbar alles anders.

Verwirrende Umleitungen

Schon 2019 sei er durch Isenburg gefahren. "Ohne Radar-Blitzlicht, 50 km Geschwindigkeit waren zulässig." 2020 verwechselte er offenbar die Straße. "Ich habe mich für die verbreiterte, neu geteerte Straße mit der Ampelanlage entschieden." Weil ihm ein Bus entgegen kam, habe er diese Entscheidung für richtig gehalten, schreibt S. weiter.

Der Ortskundige weiß: Offenbar hat der Urlauber die alte Nordstetter Steige erwischt. Ludwig S. bemerkte das mit Hilfe der Polizei: "Ich habe die Anweisung der Polizisten befolgt und bin zurück gefahren. Nach der Ampel, links in die ›alte‹ Straße nach Isenburg eingefahren‹, schildert er. Dass dort nun nicht mehr wie 2019 noch Tempo 50 gilt, sondern nur noch 30 Stundenkilometer erlaubt sind, habe er nicht wahrgenommen. "Den Radar-Blitz habe ich bei der Geschwindigkeit von 37 Kilometern erst wahrgenommen."

Mit dem ersten falschen Abbiegen hatte er eine Ordnungswidrigkeit begangen. "Die Folge war, es kam eine Geschwindigkeits-Ordnungswidrigkeit hinzu."

Der Stadt rät er deshalb, für Fremde einen Hinweis anzubringen, dass es von unten im Neckartal nicht mehr so einfach nach oben geht. Er schlägt vor, an der alten Nordstetter Steige ein Schild "sichtbar zu montieren: ›Keine Zufahrt nach Dornstetten‹." Wobei der Urlauber eigentlich Nordstetten meint. Es ist aber auch verwirrend mit all diesen Umleitungen.