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Horb a. N. So viel Herz steckt in der Vesperkirche

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Die Schüler der Berufsschule Horb übernahmen die Essensausgabe in der Vesperkirche. Foto: Lück

Horb - Elf Kuchen haben sie gebacken, darunter Johannisbeer, russischer Zupfkuchen und Pfirsich. Melissa (18) und Jana (17) begrüßen die Gäste der Vesperkirche am Eingang. Denn: Diesmal sind die Berufsschüler als Helfer dran und bringen so manche Überraschung mit.

Schon zum elften Mal sind die Berufsschüler als Helfer der Vesperkirche mit dabei. Ein Engagement, das bei den Profis der Vesperkirche bisher zwiespältig gesehen wurde, weil die Gastro-Professionalität fehlte. Doch diesmal haben die Schülerinnen und Schüler des zweiten Jahrgangs der Berufsfachschule Pflege und Gesundheit sowie Hauswirtschaft gezeigt, was eine Harke ist.

Siehe auch: Vesperkirche startet mit Besucherrekord

Geht schon los mit Melissa und Jana am Eingang. Warm und freundlich begrüßen sie die Gäste. Kein Wunder: Jana leitet ehrenamtlich die Jungschar in Vöhringen, Melissa ist sogar ehrenamtlich im Altenheim unterwegs. Die 18-Jährige aus Mühlheim bei Sulz sagt: "Durch meinen Bruder weiß ich, was Pflege bedeutet. Deshalb habe ich schon verschiedene Praktika gemacht und im Altenheim gefragt, ob ich dort ehrenamtlich helfen kann. Seitdem bin ich in den Ferien dort. Bediene die Senioren beim Frühstück und schwätz mit ihnen. Gehe in die Wohnbereiche, spiele, singe und bin bei der Gymnastik mit dabei."

Melissa traut sich sogar, um 13 Uhr den Impuls zu geben. Liest selbstbewusst den Text über einen Journalisten vor, der Menschen über ihre Sternstunden befragt. Andächtig lauschen die Gäste. Melissa lächelt: "Das mach ich im Altenheim auch mal."

Am Piano sitzt diesmal Martin Rehberg. Kurz vor 13 Uhr will er eigentlich schon gehen, doch eine Familie mit einer blinden Tochter verwickelt ihn in ein Gespräch über Musik. Rehberg und die Gäste schwärmen über Pink Floyd, die der Pianist als Schüler schon in Böblingen gesehen hat. Dann setzt er sich noch mal ans Piano und spielt – extra für die Familie.

Un d an diese Gäste erinnert sich auch Stephan Trunte. Er ist der neue Fahrer und sagt: "Die habe ich vom Bahnhof in Sulz abgeholt. Schauen sie dort drüben – die Dame in grün. Sie ist 89, kommt aus Bildechingen. Wir haben uns im Auto unterhalten. Toll, dass ihr Geist noch so fit ist." Trunte ist auch ganz neu an Bord der Vesperkirche. Er sagt: "Bis August habe ich als Postbeamter in Ergenzingen gearbeitet. Dann bin ich in den sogenannten engagierten Ruhestand gegangen. Dafür darf ich 1000 ehrenamtliche Stunden leisten."

Für den Haiterbacher kein Problem: "Ich betreue bei uns die Stadtsenioren bei Ausflügen, habe auch drei Damen aus Mühlen mit dabei. Dazu engagiere ich mich im Tischtennis-Verein, beim Alpenverein und bei der Deutschen Humanitären Hilfe aus Nagold. Da bringen wir Kleiderund Lebensmittelspenden zu Bedürftigen in Osteuropa."

Zur Horber Vesperkirche ist er durch Barbara Engel gekommen, die ihn angesprochen hat. Trunte: "Ich habe früher am Schalter in Horb gearbeitet. So kann ich ein bisschen von dem zurückgeben, was ich damals bekommen habe."

Die Arbeit bei der Vesperkirche macht ihm Spaß –­ nicht nur, weil der vom Autohaus Kronenbitter gesponserte Caddy sich so toll fahren lässt und eine Sitzheizung hat. Trunte: "Es ist eine ganz tolle Stimmung hier bei der Vesperkirche. Toll finde ich, dass in den Spendendosen viele 10er- und 20er-Scheine dabei sind. Das zeigt, dass die Gäste, die nicht bedürftig sind, sich nicht nur bedienen."

Drei der vielen Ehrenamtlichen, die das "Miteinader essen – miteinander reden" im Steinhaus zu einem einmaligen Miteinander machen. Dekanatsreferent Achim Wicker: "Die Helfer sind das Herz der Vesperkirche. Und ich finde es toll, wie viele sich von dieser Atmosphäre anstecken lassen. Ich hatte am Sonntag zwei Frauen, die hatten sich nur für diesen Tag eingetragen. Weil sie sich unsicher waren, ob das was für sie ist. Danach waren sie ganz begeistert und wollten gleich weitermachen. Allerdings waren alle Helferposten für die diesjährige Vesperkirche schon vergeben."

Immer wieder außergewöhnliche, tolle, neue Helfer mit Herz. Und auch die Berufsschüler waren diesmal total auf Zack. Wicker: "Fantastisch, wie das diesmal mit den Schülern geklappt hat." Almuth Hoffmann: "Die waren so fix: Kaum war der Teller leer, stand schon jemand da und hat ihn mitgenommen!"

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