Ein stolzer Ritter auf dem Turnierplatz: Der Ritterspieleverein zieht eine positive Bilanz, will aber gerade beim Thema Sicherheit Verbesserungen. Unter anderem kamen die Turnierbesucher der Absperrung manchmal zu nahe. Foto: Hopp

Verein sieht sich auf gutem Weg und plant schon das nächste Mittelalter-Spektakel. Selbstkritische Töne.

Horb - Die Ritterspiele sind beendet, doch die Vorbereitung für das nächste Mittelalter-Spektakel haben schon begonnen. Der Ritterspieleverein ist tatendurstig. Und der neue Vorstand zeigt ein gesundes Selbstbewusstsein.

 

"Wir sind etwas übermüdet", sagt Matthias Ertel mehrmals und ein Blick in seine Augen verrät: Er hat recht. Das Team des Ritterspielevereins hat arbeitsintensive Tage hinter sich. In den vergangenen Monaten seien es knapp 2000 Arbeitsstunden aller engagierten Vereinsmitglieder gewesen. "Es war eine große Mannschaftsleistung." Ein halbes Jahr sei eine kurze Vorbereitungszeit gewesen, berichtet Siegfried Luft. Deswegen haben sich die Vorstände, neben Luft und Ertel Frank Friedrichson und Werner Grotzke. Der Startschuss ist gefallen.

"Gestern habe ich die erste E-Mail für das kommende Jahr verschickt", so Ertel schmunzelnd. Die beiden Vorstandsmitglieder ziehen Bilanz und wagen bereits einen Ausblick:

Positive Bilanz

Die Bilanz fällt positiv aus. Neben den geschätzten 40 000 Besuchern habe man als Verein auch geschafft, mehr Horber Inhalte zu setzen. So sei das Turniergeschehen wieder mehr auf den "Horber Vertrag" abgestimmt gewesen. In diese Richtung wolle man nun weiterarbeiten. Unter den Besuchern habe es einen "extrem hohen Zufriedenheitsanteil" gegeben.

Sperrung gewünscht

Dennoch geben beide zu, dass nicht alles 100 Prozent geklappt habe. Beschwerden habe es gegeben, dass diesmal nicht die Neckarstraße am Samstag und Sonntag gesperrt wurde. "Das hatte verkehrstechnische Gründe", so Luft. Zwar habe man angefragt, doch die Stadt habe die Sperrung nicht genehmigt. Auch habe es ein "Toiletten-Problem" gegeben.

Bessere Marktgestaltung

Die Horber Ritter wollen auch noch an der Ausgestaltung des Mittelaltermarktes arbeiten. Hier haben sie Schwachstellen festgestellt. Es sollten noch mehr typische Mittelalterstände, zum Beispiel aus dem Bereich Handwerk, dazukommen.

Kritikpunkt Sicherheit

Verbesserungspotenzial gibt es auch beim Thema Sicherheit. Mit der Security sei der Verein komplett unzufrieden gewesen (wir berichteten). "Denen fehlte einfach das Fingerspitzengefühl und die Erfahrung." Hier habe man bereits mit dem Veranstalter MPS gesprochen. Auch die Sicherheit bei den Turnieren steht auf dem Prüfstand. Mit so einem großen Andrang habe man nach der Erfahrung des vergangenen Jahres nicht gerechnet. Deswegen hatte man auf eine Gegentribüne verzichtet. Ist der große Andrang ein Plädoyer für wieder getrennte Tickets? Das derzeitige Einheitsticket sei Wunsch des Veranstalters. Es spreche sicher vieles dafür, es so zu belassen, so Ertel. Aber man werde die Auswertung einer Besucherbefragung abwarten und dann die Planung für 2013 diskutieren.

Gefährlicher Vorfall

Apropos Sicherheit: Zu einem Vorfall mit noch einigermaßen glimpflichen Ende kam es auf dem oberen Marktplatz am Samstagabend. Ein tschechischer Ritter hatte bei einer Demonstration seiner Stärke sein Schwert auf ein Geländer geschlagen. Dieses flog ihm aus der Hand, drehte sich zum Glück in der Luft und traf mit dem Griff einen vierjährigen Jungen im Gesicht und verletzte ihn. Das Schwert traf dann auch noch einen Sechsjährigen, der ebenfalls verletzt wurde. Der Ritterspieleverein würde gerne Kontakt aufnehmen, hatte aber bei der Suche noch keinen Erfolg (Kontakt: Matthias Ertel, Telefon 07451/13 72).

Selbstbewusste Ritter

Der Vorstand des Ritterspielevereins zeigt sich selbstbewusst – und erklärt: "Wir haben die Fachhoheit." Der Verein sei die Basis für die Entscheidungen. Die Zusam- menarbeit mit dem Veranstalter MPS laufe sehr eng. "Wir haben großen Gestaltungseinfluss."

Lob an Bevölkerung

Die Ritter sind sich aber bewusst, dass es ohne die Horber Bevölkerung nicht funktioniert. "Wir sind den Bürgern für ihr Verständnis sehr dankbar, auch wenn nicht alle Fans des Mittelalters sind", stellt Ertel fest.

Ziele für 2013

Der Vereinsvorstand hat sich für das kommende Jahr einiges vorgenommen. Ertel: "Die Heimattage stehen vor der Tür und es wird das Thema Mittelalter in Baden-Württemberg geben." Die Ritterspiele seien eine Leuchtturmveranstaltung der Heimattage. So stellen sich Ertel und Luft Projekte mit Schulen und eine intensivere Zusammenarbeit mit anderen Vereinen in Horb vor. Unter anderem könnte es eine Ausstellung im Luziferturm am Ihlinger Tor geben. Ein großer Wunsch von Ertel ist auch eine Art Rundweg, um die Besucher noch besser durch die "Ritterstadt" zu leiten und auch den oberen Marktplatz wieder mehr aufzuwerten. Denn dieser hat für viele Beobachter durch die Neugestaltung des Flößerwasens an Bedeutung verloren.