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Horb a. N. Selbst ein Postbote verirrt sich in der Krippe

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Von Angela Baum Rottenburg. Krippen schmücken nicht nur heimische Wohnzimmer, sondern auch Kirchen. In Rottenburg haben Krippen eine große Tradition und locken Besucher in die Zehntscheuer. Älteste Belege für eine Krippe in Rottenburg stammen aus dem Jahr 1653. Zwischen 1653 und 1773 war den Jesuiten die Seelsorge der Wallfahrtskirche Weggental anvertraut. Hier zählte auch das Aufstellen einer Krippe zu den Aufgaben der Patres. Das heute bekannte "Weggentaler Kripple" stammt aus dem Jahr 1835/40 und wurde von Leopold Lazaro für die Waldhorn-Wirtin Kreszentia Fischer geschaffen, die sie 1850 dem Kloster stiftete.

Das Weggentaler Kripple ist jedes Jahr ab Weihnachten zu besichtigen. "Kinder der Barockzeit" sind auch die ebenso bekannten weiteren Rottenburger Krippen, die jährlich zur Weihnachtszeit vom Sülchgauer Altertumsverein in der Zehntscheuer gezeigt werden. Dort warten im Sülchgau-Museum über 20 Krippen auf die Besucher.

Wer sich dort umsieht, macht heuer eine Reise durch die Jahrhunderte. Neben historischen Krippen mit ihren opulenten Krippenbergen kann man rund zwei Dutzend Hauskrippen aus Rottenburg und den Ortschaften bewundern. Für viele Familien aus Rottenburg und Umgebung waren und sind diese Kleinode Anregung, selbst eine Krippe zu erwerben oder zu bauen. So gibt die diesjährige Schau Einblick in die privaten Hauskrippen der Rottenburger Familien. Dabei reicht das Spektrum von Egli-Krippen bis hin zu Krippen, die auf das Jesuskind reduziert sind oder gar einem Krippenberg und einer Krippenlandschaft, wie etwa bei der Krippe aus dem Hause Burberg.

Die drei kostbarsten Krippen der Ausstellung, das Kalkweiler Kripple, die Altstadtkrippe und "Dodereskripple" aus der Theoderichskapelle werden das ganze Jahr über vom "Krippenteam" unter Irma Burberg gepflegt. Sind etwa die Wachsköpfchen oder Hände der Figuren der Kalkweil- oder Altstadtkrippe beschädigt, werden sie von den Frauen restauriert. Die Gewänder der beiden Krippen sind wertvolle Klosterarbeiten, bei denen Brokat und Goldfäden verwoben wurden. Ganz anders das "Dodereskripple" aus der Theoderichs­kapelle. Hier wurden Stoffgewänder mit einem Leimgemisch verfestigt und bemalt.

Diese Krippe ist eine Schenkung des Stadtschultheißen Franz Orgeldinger, der von 1848 bis 1851 im Amt war. Das "Dodereskripple" besteht aus hundert zwölf bis 15 Zentimeter großen Figuren mit Wachsköpfen.

Das Verfahren der leimgetränkten Stoffe ist bei einer so großen Krippe nicht so kostspielig wie die Klosterarbeiten. Dargestellt werden Szenen wie die Verkündigung der Engel an die Hirten, die Anbetung des Christkindes durch die Hirten, die Anbetung der Könige, die Darstellung im Tempel, das Abendmahl und die Hochzeit zu Kanaa. Auffallend an allen Darstellungen ist die Lebhaftigkeit, die leicht und beschwingt wirkende Gestik der Figuren.

Die kostbarste aller drei Barockkrippen ist die Kalkweiler Krippe, ein Meisterwerk der Krippenkunst in Schwaben. Sie stammt als eine der ältesten Krippen in Süddeutschland aus der Georgskapelle in Kalkweil, einem abgegangenen Dorf in der Nähe Rottenburgs. 1849 wurde die Krippe von Bürgern in der Georgskapelle Kalkweil aufgestellt. Stifter war der Brunnenmüller der "Bronnmühle", Moriz Holzherr-Gwinner, der unterhalb von Kalkweil wohnte.

Angefertigt wurden die Figuren vom "alten Stadel" alias "Herrgöttle", einem Rottenburger Handwerker. Die rund 200 Figuren sind dem Spätbarock zuzuordnen, einige tragen gar Jahreszahlen von 1790 bis 1820.

Typisch für eine schwäbische Barockkrippe ist der dreistufige Aufbau. Dargestellt sind in der Kalkweiler Krippe Stationen der Weihnachtsgeschichte bis zur Flucht nach Ägypten, der Darstellung Jesu im Tempel, die Hochzeit zu Kanaa und Jesu Taufe im Jordan. Hirten und Könige ziehen mit Elefanten, Kamelen und Giraffen zur Krippe. In Goldkistchen befinden sich winzige Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe der Könige, und hügelansitzt der Prophet Jesaja beim blühenden Rosenstrauch. Eine der ältesten Figuren dieser Krippe ist der Postbote, dargestellt in der Tracht eines Thurn- und Taxischen Postboten des 18. Jahrhunderts. Er trägt einen grün-samtenen Anzug mit schwarzem Spitzhut, und seine Briefe befördert er in einer winzigen Umhängetasche.

Aus dem 18. Jahrhundert stammt die Altstadtkrippe, die älteste der Rottenburger Krippen. Die Kleider der Figuren wurden als Klosterarbeiten gefertigt, "oft aus Resten von Paramenten", weiß Irma Burberg. Eine Besonderheit der Altstadtkrippe ist die Mohrenkönigin, die sich zu den eiligen Drei Königen hinzugesellt. Das Vorhandensein der Königin von Saba weist darauf hin, dass die Krippe im 18. Jahrhundert entstand.

Weitere Informationen: geöffnet ist bis zum 20. Januar von Dienstag bis Sonntag 14 bis 17 Uhr, Silvester ist geschlossen

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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