"Rebel without a Cause" ist der Originaltitel des Filmklassikers mit James Dean. So kommt vielen Horbern Mayk Herzog inzwischen vor. Foto: Lück

Im Streit um angedrohte Zwangsdrohung greift Mayk Herzog jetzt OB Peter Rosenberger an. Bürger genervt.

Horb - Rebel without a Cause – wörtlich übersetzt heißt das "Rebell ohne Grund/Anlass" (bekannt ist der Film in Deutschland mit "Denn sie wissen nicht, was sie tun...). Im Streit um die angedrohte Zwangsräumung greift Herzog nun erneut Oberbürgermeister Peter Rosenberger an. Seit Jahren wisse die Stadt, dass er sowohl im Lotzer-Haus als auch in der Neckarstraße 78 Einzimmer-Appartements anbiete, die für die Stadt dringend notwendig seien. Die täglichen Anfragen, die über Immobilienscout eingingen, würden sich auf drei oder vier pro Tag belaufen. "Jetzt frage ich mich, Herr Rosenberger, wo waren Sie in den vergangenen fünf Jahren seit Bauantragstellung? Nie habe ich in dieser Zeit einen Mucks von Ihnen gehört. Keine Nachfrage, woran es denn noch hängt?", fragt Herzog in einem Brief.

Schlammschlacht

Es ist das neue Kapitel in der Schlammschlacht um das Lotzer-Haus. Das Rathaus hatte die Zwangsräumung der Bewohner verfügt – wegen fehlendem Brandschutz. Rosenberger: "Leib und Leben der Bewohner ist in Gefahr." Herzog dazu: "Diese neun Wohnungen im 1. und 2. Dachgeschoss, von denen Ihrem Baurechtsamt seit 6. März ein genehmigungsfähiger Bauantrag vorliegt, und für welche Sie Gefahr im Verzug sehen wollen, verfügt nicht nur über die üblichen zwei Rettungswege, Treppenhaus und Fenster, sondern nach der aktuellen Landesbauordnung auch noch über einen dritten Rettungsweg, der zum Flachdach im Mühlgässle führt und dort von der Feuerwehr komfortabel angeleitert werden kann." Der Vorwurf "Gefahr im Verzug" gehe somit in Verbindung mit der aktuell funktionierenden und nicht sabotierten Brandmeldeanlage, "komplett ins Leere".

Heftiger Tobak

Das ist heftiger Tobak. Vor allem, weil im Hintergrundgespräch des Schwarzwälder Boten letzte Woche mit Baurechtsamtschef Wolfgang Kronenbitter von Seiten des Rathauses deutlich wurde, dass es bei dem Streit um die Wohnungen im Lotzer-Haus vor allem um Formalien geht. Beispielsweise darum, dass Herzog offenbar die "Bauvorlageberechtigung" als eingetragener Architekt fehlt. Und dass amtlich anerkannte Nachweise immer noch nicht eingereicht wurden. 

Andere Bauherren, Architekten und Investoren sagen über Wolfgang Kronenbitter: "Mit dem ist gut zu arbeiten. Der macht klare Ansagen, und wenn du die erfüllst, klappt alles, wie verabredet."

Großzügiges Rathaus?

Das Rathaus - es hatte sich offenbar bisher – trotz allem Streits – großzügig gezeigt. Herzog hatte nach eigenen Angaben am 6. März 2012 einen Bauantrag für 12 Appartements im Lotzer-Haus eingereicht. Weil seiner Meinung nach nichts passierte, zog er diesen Bauantrag im Jahr 2015 zurück. Herzog hat diesen Rückzug angeblich widerrufen, doch beim Baurechtsamt, so Kronenbitter, gibt es darüber nichts schriftliches. 

Trotzdem wurde das Wohnverbot nach einer Besichtigung erst jetzt am 21. Februar ausgesprochen – weil die Brandmeldeanlage nicht funktionierte.

Herzog dazu: "Jetzt tun Sie so, als hätten Sie oder die Stadtverwaltung von den Apartments im Sebastian-Lotzer-Haus nichts gewusst. Seit mindestens sieben Jahren, fotografieren die jeweiligen Stadtsheriffs in regelmäßigen Abständen die Namensliste auf unserem Gemeinschaftsbriefkasten, das Einwohnermeldeamt führt die Anmeldungen unserer Bewohner. Auch wenn eventuell zwei bis drei fehlten, gibt es doch einen genauen Überblick über die Anzahl der Bewohner und somit der vorhanden Apartments. Des Weiteren beobachten Ihre Mitarbeiter im Baurechtsamt ausführlich die Mietangebote, welche über ImmoScout von Bürgern publiziert werden."

Genervte Bürger

Viele sind inzwischen schon genervt von Mayk Herzogs Aktionen und der öffentlichen Schlammschlacht. Erst wurde Sperrmüll zu Kunst erklärt, das Schaufenster des ehemaligen Belle-Arti rausgerissen und seit neuestem weiße Farbe vom obersten Fenstersims die Fassade runtergeschüttet. Laut Herzog das Kunstwerk "Tearful Windows". 

Und offenbar kann es Mayk Herzog nicht lassen. Anstatt geräuschlos die Bedingungen der Stadt zu erfüllen, die laut Rathaus nur formal sind, stichelt er weiter. Und provoziert heftig – sogar im neuesten Brief mit dem Vorwurf von Nazi-Methoden. Weil es gerade Mode ist? Siehe Türkei?

Am 9. März hatte Herzog auch dem Schwarzwälder Boten gemeldet, dass die Brandmeldeanlage wieder funktioniert. Die Eintragung bei der Architektenkammer läuft. Und er will die fehlenden Genehmigungen einholen.

Früher war alles besser

Das Rätsel Mayk Herzog. Ein Rebell ohne Grund? Vor knapp zehn Jahren lieferte sich Herzog eine schlagzeilenträchtige Auseinandersetzung mit der Stadt. Einmal wurde die Baustelle des Lotzer-Hauses 2006 stillgelegt, weil das Dach grün eingedeckt wurde. Aus Protest hatte Mayk Herzog damals die Fassade über Nacht schwarz angestrichen. Heutzutage stört das grüne Dach niemand mehr – im Gegenteil.

Insofern konnte man damals das Handeln des Rebellen zumindest teilweise nachvollziehen.

Im Zusammenhang mit dem angeordneten Wohnverbot und der Zwangsräumung der Mieter durch die Stadt droht der Immobilieneigentümerin Birgit Herzog (eine Anruferin meint: "Warum sagt sie eigentlich nie etwas zum Fall?") ein Zwangsgeld in Höhe von 8000 Euro.

Auch die Kaltmieten sind durch die Zwangsräumung in Gefahr. Das Lotzer-Haus mit seiner rausgerissenen Schaufensterscheibe, den Rigips-Wänden und der neuesten Fassaden-Kunst an Horbs meist befahrener Straße sieht für die meisten aus wie ein "Schandfleck".

"Wie ein kleiner Junge"

Siska Teichert-van der Ploeg hat das Treiben von Mayk Herzog von Anfang an beobachtet: "Ich war dabei, wie er die Pläne für das Sebastian-Lotzer-Haus vorgestellt hat. Er kommt mir inzwischen vor wie ein kleiner Junge, der sich im Laden auf den Boden wirft, weil er nicht seinen Willen bekommt. Er versucht, seine Absichten mit allen unlauteren Mitteln immer am Rande der Legalität entlang durchzusetzen. Für mich ist Mayk Herzog bis heute nicht erwachsen geworden."

Kein Sprachrohr

Viele werfen Mayk Herzog vor, einfach die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu genießen. Der Pressesprecher des Rathauses mahnt die Presse, nicht das "Sprachrohr von Herzog" zu sein (siehe auch Kommentar". Mayk Herzog selber sagt dazu: "Ich lese das alles ohnehin nicht." Dafür aber viele andere Menschen.

Kommentar: Viel Schlamm

Von Florian Ganswind

»Muss man über diese Schlammschlacht berichten?«, fragt eine frustrierte Anruferin, die unsere Veröffentlichungen über das Sebastian-Lotzer-Haus nicht mehr ertragen kann. Die Antwort lautet für uns: leider ja. Denn das Lotzer-Haus ist nun mal mitten in der Stadt – früher ein schöner Hingucker, heute ein »Schandfleck«. Auch wenn man es am liebsten nicht mehr sehen möchte, man kommt nicht dran vorbei. Mit geschlossenen Augen Auto fahren oder vorbeigehen ist zu gefährlich. Auch das »Wohnverbot«, das die Stadt ausgesprochen hat, ist eine wichtige Nachricht und betrifft Menschen, die zum Spielball des Konflikts werden. Vor den Karren spannen lassen wir uns allerdings von niemanden. Beim geschmacklosen herzogschen Vorwurf von Nazi-Methoden beispielsweise gehen wir lieber nicht in die Tiefe. Das ist für Herrn Herzog sicher auch besser so.

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