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Horb a. N. Ruhewald: Konflikt um Grabschmuck geht weiter

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Der Konflikt um das Vorgehen der Stadt im Ruhewald nimmt kein Ende. (Symbolbild) Foto: Schülke

Horb - Wie ist die Stimmungslage im Ruhewald eigentlich? Alles ruhig? Ganz im Gegenteil. Weitere Angehörige reagieren betroffen und verbittert. Sie berichten vom "herzlosen Abräumdienst" der Stadt. Doch die Stadt Horb spricht weiter von einer "Einzelperson".

Eine Rose, ein paar Tannenzapfen, ein bisschen Moos. Auch an diesem Montag sind mit ein wenig Suche einige – vielleicht 10 bis 15 – kleine Gedenk-Orte im Ruhewald zu erkennen oder zu erahnen. Diese müssen noch ganz frisch sein. "Am Freitag war wieder das Abräumkommando da", sagt die Betroffene Dagmar Dürr.

Grabschmuck teilweise mit Füßen weggekickt?

Das "Abräumkommando" ist der städtische Bauhof. Und dieser soll, so erzählen Dürr und Sven Markus von Hacht unabhängig voneinander, vorgegangen sein. "Die haben regelrecht gewütet und haben den Grabschmuck teilweise sogar mit Füßen weggekickt", berichtet von Hacht. Dürr erzählt, dass sie das mit eigenen Augen nicht das erste Mal beobachtet hat. Die Abräumaktionen würden auch mit großer Willkür durchgeführt. "Während die einen Dekorationen entfernt bleiben, werden andere gar nicht beachtet."

In der vergangenen Woche kam es zu einem Treffen von BiM-Stadträtin Christina Nuss und den beiden Betroffenen. "Ehrlich gesagt habe ich die Debatte in der Vergangenheit so verfolgt wie wohl einige in der Bevölkerung: So wie es die Stadt stets kommuniziert, ging es um eine Einzelperson. Deswegen bin ich jetzt doch überrascht zu hören, dass es weitere Angehörige gibt, die betroffen sind." Dürr berichtete mit ruhigen Worten, wie verletzend und traumatisierend die Ereignisse vor Ort sind. "Wir wollen einfach in dezenter Form trauern können. Wir wollen keinen Krieg. Wir möchten einen Kompromiss mit der Stadt, der aber nicht so aussehen kann, dass die Stadt uns einfach etwas aufdrückt. Wir möchten eine friedliche Lösung." Stadträtin Nuss versprach, das Thema Ruhewald in der Gemeinderatssitzung an diesem Dienstag anzusprechen. "Es wäre hilfreich, wenn sich doch noch ein paar mehr Angehörige trauen und beispielsweise bei einer Unterschriftenaktion mitmachen."

Dagmar Dürr weiß, wie schwierig dieser Schritt an die Öffentlichkeit ist: "Einige haben resigniert, anderen fehlt einfach die Kraft, sich dagegenzustemmen." Dass sie nun selbst ihren Namen schreiben lassen will, begründet sie so: "Ich möchte einfach widerlegen, dass Herr von Hacht alleine ist. Er spricht für einige Menschen, die tieftraurig und verletzt vom Verhalten der Stadt sind. Das kann ich bezeugen. Ich kann ganz klar sagen: Es gibt einige, die dankbar sind, dass es einen Herrn von Hacht gibt, der die Wahrheit ausspricht. Wir sind ihm dankbar. Er steht für uns mit seiner Kampfkraft."

Dürr hofft, mit ihrem Schritt andere zu ermuntern, sich an die Öffentlichkeit zu wenden: "Ich wünsche mir, dass der ein oder andere Mut und Kraft findet, sich zu melden."

Sie selbst wisse von mehreren, denen es ähnlich gehe. "Eine Frau hat bitterlich geweint. Ihr wurde in einem Schreiben angedroht, dass sie bis zu 5000 Euro zahlen müsste, wenn sie die Grabstelle wieder dekorieren würde."

Stadt nimmt nur allgemein Stellung

Doch wie reagiert die Stadtverwaltung auf unsere erneute Anfrage? Unsere Redaktion stellte mehrere Fragen, unter anderem zum angedrohten Bußgeld, zu den Abräumaktionen, zu den Kosten dieser Einsätze und mehr. Doch die Pressestelle antworte mit einer allgemeinen Antwort. Erneut beruft sich die Stadt darauf, dass es sich um eine "Einzelperson" handele, also wohl Sven Markus von Hacht, "von der uns nachweislich bekannt ist, dass sie andere Leute im Ruhewald anstachelt. Dieses ist für die vielen anderen trauernden Angehörigen eine belastende Situation."

Die Mitarbeitenden im Ruhewald würden, so die Stadt weiter, "sehr sensibel" mit dem Thema umgehen, "deshalb messen wir den angeblichen ›Beobachtungen‹ keinen großen Wahrheitsgehalt bei. Im Gegenteil, bei der Stadt selbst gingen keine solcher Beschwerden ein."

Alles friedlich im Ruhewald, so die Stadt: "Im Ruhewald sei es in den letzten Wochen – bis auf Ihre heutige Anfrage – sehr ruhig zu. Da regelmäßig Bestattungen stattfinden, wird auch regelmäßig, wie es die Satzung vorsieht, Grabschmuck abgeräumt. Während der ersten zehn Tage nach einer Bestattung ist beispielsweise das Niederlegen von Blumen gestattet. Diese werden nach Ablauf der Frist wieder entfernt, in vielen Fällen machen es sogar die Angehörigen selbst, da sie sich bewusst für diese Art der Bestattung ohne die übliche Bestattungskultur auf einem Friedhof entschieden haben."

Schuld an der Unruhe sei aber nicht nur die "Einzelperson", so die Stadt. "Regelmäßig nach der Presseberichterstattung in der örtlichen Presse gibt es Anrufe bei der Stadt von Angehörigen die dies als Belästigung und Störung in Ihrer Trauer empfinden. In deren Interesse sollte daher dieser Einzelperson die Aufmerksamkeit in den Medien nicht auch noch gezielt eingeräumt werden – denn dadurch kann tatsächlich keine Ruhe für die Angehörigen einkehren."

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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