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Horb a. N. Rückkehr nach jahrelangem "Exil"

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Der heilige Dominikus aus dem Fundus der barocken Stiftskirche, welcher nach der neuen Kunstauffassung des Historismus den Arbeiten der Horber Bildhauer im 19. Jahrhundert weichen musste. Trotz langer Freibewitterung an einer Hauswand ist die Figur dank einer geglückten Konservierung in einem guten Zustand, auch wenn wesentliche Teile der Farbfassung fehlen. Foto: Geßler Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Franz Geßler

Horb. Eine geschnitzte Holzfigur ist wieder in der Nähe ihrer angestammten Heimat, der Horber Stiftskirche, angekommen. Das knapp über einen Meter große Schnitzwerk stellt den Gründer des Predigerordens der Dominikaner dar.

Erkennbar ist der Heilige zunächst an seinem Ordensgewand, dessen Farbspuren noch in Resten von Weiß-Schwarz erkennbar sind. Untrüglich ist dazu noch ein schwacher, aber deutlich genug wahrzunehmender Stern auf der Stirn zu sehen. Somit ist die Figur auch ohne ihr sonst auffälligeres Attribut, dem schwarz-weiß gefleckten Hündchen mit der Fackel im Maul, eindeutig zu identifizieren.

Also bleiben nur noch die Fragen nach der Entstehungszeit, dem Standort und vor allem dem Bildhauer offen. Alle diese Fragen sind, was in solch einem Fall eher selten ist, eindeutig zu klären und auch zu belegen. Ausschlaggebend dazu ist eine Veröffentlichung in der Tagespresse über das unbekannte Deckenfresko in der Horber Stiftskirche. Dort wurden die Kunstschaffenden, die nach dem Stadtbrand 1725 an der Ausgestaltung der Kirche tätig waren, so gut es möglich war, erfasst. Dabei fiel der Name eines Bildschnitzers auf, welcher nun die Identifizierung des Kunstwerkes erst ermöglichte.

Der Zufall oder das Glück wollten es, dass unsere Figur des Dominikus signiert ist! In der ausgehöhlten Rückenpartie des Schnitzwerks steht mit Bleistift in Versalien und Antiquaschrift der Name des Künstlers „A : HOCHSIN(-)“, wobei der letzte Buchstabe (-) mit einem Holzspan abgebrochen ist und ein „G“ sein muss. Die darunter befindliche Zeile nennt den Beruf "PILDHAVER" und misst dieselbe Schriftgröße, nämlich 13 Millimeter.

Wer war nun dieser Bildhauer mit dem ausgeschriebenen Namen Andreas Hochsing und wie können wir ihn für Horb beanspruchen? Nun – er gehört zu einer von drei aus Schwaz in Tirol ausgewanderten Familien, die in Freiburg im Breisgau sesshaft wurden. Dort betrieben sie erfolgreich Künstlerwerkstätten, und die Zeitgenossen staunten über sie "[…] wie die Tiroler überhaupt in der Fremde zusammenhalten!" Damit gemeint waren nicht nur deren freundschaftliche Bande, sondern auch das handwerkliche Miteinander. Ihre Arbeiten finden sich in der Nordschweiz, im Elsass und besonders im Breisgau, selbstredend auch im Freiburger Münster oder der Waldkircher Stiftskirche. Und das für uns Besondere: auch in der Horber Stiftskirche.

Für Arbeiten an unserer Stiftskirche ist der Bildhauer Andreas Hochsing am 9. Juli 1736 im Freiburger Ratsprotokollbuch eingetragen. Dort heißt es, dass er bei dem geistlichen Herrn Schinzinger in Horb "sitzet und arbeitet". Das bedeutet, dass er hier in seiner Profession in jener Zeit tätig war.

Der ebenfalls aus Freiburg stammende Horber Chorherr Josef Schinzinger hatte demnach seinen Landsmann Andreas Hochsing für die Bildhauerarbeiten der Stiftskirche verdingt. Doch bald darauf hören wir eine traurige Nachricht. Für den 15. August 1736 wird vermeldet, dass der Bildhauer Andreas Hochsing in Horb (vorzeitig) verstorben sei (… und vermutlich deshalb sein Werk nicht vollenden konnte?).

Doch mit der Signatur an der Dominikusfigur ist der Künstler nicht nur in Horb nachgewiesen – auch für die bildhauerische Qualität seiner Arbeiten in der barocken Stiftskirche haben wir jetzt ein ansprechendes Beispiel. Eine feine, beinahe asketisch anmutende Formensprache in der Behandlung des Gewandes, kein überbordender Faltenwurf wie sonst im Barock üblich, dafür eine umso stärkere Ausdruckskraft in den Gesichtszügen. Mit der Schnitzfigur des Dominikus haben wir in Horb sicher eines der letzten Werke des Künstlers – und das ist signiert!

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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