Vom Horber Marktplatz soll das Ritterturnier vorerst wieder Abschied nehmen. Foto: Hopp

Neue Konstellation eine Chance für die Stadt. 40 .000 Euro im Haushalt als Risikopuffer.

Horb - Ist das ein Neustart für die Ritterspiele oder das Ende? Nach der Übernahme der Veranstaltung durch das Rathaus diskutiert die Stadt.

Fakt ist: Auf Bitten des bisherigen Veranstalters MPS hat der Gemeinderat jetzt einstimmig beschlossen, dass das Rathaus die Verantwortung übernimmt. Dafür werden 40 000 Euro in den Haushalt als Risikopuffer eingestellt. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt entschieden, 30 000 Euro in die Ritterspiele zu schießen, um unter anderem das Ritterturnier auf dem Marktplatz zu verlegen. Das war jedoch finanziell eher ein Flop (wir berichteten).

Wie hoch ist das finanzielle Risiko für die Stadt? Fakt ist: Die Zahl der verkauften Tickets, so hatte Jürgen Wünsche, Geschäftsführer von MPS, in den vergangenen beiden Jahren betont, lag immer so um die 15 000 – keine Veränderung. CDU-Fraktionschef Michael Keßler hatte gesagt, dass es "feine, kleine Ritterspiele auf Flößerwasen und Turnierwiese" geben wird. Nach den Ritterspielen 2018 werde "evaluiert". Das heißt: Es wird geprüft, wie gut alles gelaufen ist, wie die wirklichen Kosten und die Einnahmen sind. Und auch, ob MPS weiterhin für die Ritterspiele tätig sein wird.

Viele Experimente, vielleicht zu viele?

Ein Stadtsprecher bestätigt: "Der Zuschuss der Stadt für die Ritterspiele 2018 in Höhe von 40 000 Euro wurde im Haushalt 2018 bereitgestellt, somit inkludiert in den Beschluss des Gemeinderats zur Haushaltssatzung. (Anmerkung hierzu: Der Haushalt selber wurde mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung verabschiedet). 2017 sind von der Stadt knapp 30 000 Euro (Barzuschuss und Sachleistungen) für die Ritterspiele gewährt worden." Zu weiteren konzeptionellen Fragen wolle man später Stellung nehmen.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik an MPS gegeben. Nicht nur, weil beispielsweise Müttern mit Kindern die Wasserflaschen am Eingang weggenommen wurden (wir berichteten). Auch die Verlagerung des Bundes Oberschwäbischer Landsknechte auf den Festplatz und die Darstellung des Horber Vertrags dort auf einer Bühne vor den Müllcontainern statt vor der historischen Kulisse des Rathauses wurde kritisiert. Im Jahr 2017 wurde das Ritterturnier auf den Marktplatz verlegt. Das Problem: weniger Platz für die Reiter, weniger Action, unzufriedene Zuschauer.

Ein Insider: "MPS hat jede Menge Experimente mit den Ritterspielen gemacht – vielleicht zu viel." Immer wieder hatte das zu Spannungen auch im damaligen Ritterspielverein geführt. Der Streit darüber, ob man wieder selbst als Veranstalter auftritt oder weiterhin mit MPS zusammenarbeitet, hatte den Ritterspielverein im Jahr 2013 gespalten (wir berichteten).

Bleibt MPS weiter Partner der Ritterspiele? Wenn Martin Scherer als neuer Ritterspiel-Chef einen guten Job macht, könnte sich das Rathaus auch überlegen, ob es in Zukunft weiter mit dem jahrenlangen Partner zusammenarbeiten wird. In diesem Jahr jedenfalls ist MPS Auftragnehmer, bekommt einen fixen Betrag für die Durchführung.

Ritterspielverein war bei Veranstaltungsablauf zu stark gefordert

Findet der Ritterspielverein wieder zusammen? Benjamin Breisinger, ehemaliger Vorstand des Ritterspielvereins: "Ich sehe in der neuen Konstellation durchaus eine Chance für die Stadt. Denn das Rathaus hat eine andere Interessenslage als MPS. Das böte durchaus die Möglichkeit, auch mehr historische Aspekte einzubringen. Möglicherweise wäre es auch möglich, dass sich Akteure aus dem Ritterspiel-Verein unter diesen neuen Gegebenheiten wieder zusammenfinden."

Fakt ist: Der Ritterspielverein war durch den Vertrag mit MPS extrem in den Veranstaltungsablauf der Ritterspiele mit eingebunden. Dies habe auch mit zur Auflösung geführt, heißt es aus Vereinskreisen. Breisinger hatte im Januar 2017 zur Auflösung des Rittervereins gesagt, dass allein die zehn Organisationsräte des Vereins 500 bis 600 Stunden jährlich damit beschäftigt seien, die Spiele vorzubereiten. Dazu noch die 60 bis 70 Stunden bei der Veranstaltung. Breisinger selbst war nach der Auflösung von MPS für die Ritterspiele 2017 angestellt worden.

Interessant ist auch: Claudia Beuter vom Stadtmarketing hatte als Mitglied des Ritterspielvereins unter anderem die Rittermahle organisiert. Verbindungen sind also ohnehin schon da. Matthias Ertel, langjähriges Vorstandsmitglied des Ritterspielvereins: "Die Stadt Horb hat aus meiner Sicht den richtigen Schritt getan und die Veranstaltung unter ihre Fittiche genommen. Dies wäre von Anfang an – spätestens nachdem die Veranstaltung nach zehn Jahren zum ersten Mal in massive finanzielle Schwierigkeiten gekommen war – das richtige Konzept gewesen."

Ein ehrenamtlicher Verein könne diese Veranstaltungsgröße seines Erachtens nicht alleine stemmen, und tue sich auch mit einem professionellen Veranstalter schwer. Deshalb brauche er einen starken Rückhalt seitens der Stadt und ihrer Bürger, der in der Vergangenheit leider nicht immer gegeben gewesen sei. "Ich wünsche den Ritterspielen wieder viele ehrenamtliche Helfer und Freunde des Mittelalters, die sich engagieren. Ob dabei viele aus den Reihen des noch existierenden Rittervereins sein werden, bleibt abzuwarten."

Überraschend ist dann, was er über den aktuellen Vereinsstatus sagt: "Der Ritterverein ist bisher nicht aufgelöst. Der nach wir vor amtierende Vorstand, dem ich seit zwei Jahren aus Gesundheitsgründen nicht mehr angehöre, hat 2017 im Januar den Auflösungsbeschluss erzwungen." Schon 2016 hat der Vorstand kein Vereinsfest nach den Ritterspielen mehr organisiert. Auch das sei ein Zeichen, dass die Basis der aktiven ehrenamtlichen Helfer im Ritterverein – wie in vielen anderen Vereinen auch – schon kontinuierlich erodiert gewesen sei. "Die Gerüchte, dass manche amtierenden Vorstände ihre Tätigkeiten für die Ritterspiele 2017 von MPS vergütet bekommen haben sollen, werden der Motivation der Ehrenamtlichen auch nicht unbedingt förderlich sein", sagt er.