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Horb a. N. Leitartikel: Erstes Turnier mit Bravour geritten

Von

Von Christof Schülke

Kostenfaktor oder sensationeller Erfolg? Die ersten Ritterspiele unter städtischer Regie standen von Anfang an unter scharfer Beobachtung. Es gab Unkenrufe aus den Reihen der "alten Ritter", Häme nach dem Rückzug des Veranstalters MPS und natürlich Spott übers Rathaus-Marketing: Mittelalterliches Spektakel organisieren als Hausaufgabe für Amtsstuben-Büttel? Ein Bild des reitenden Horber Don Quijote drängte sich da geradezu auf.

Jetzt meldet die Stadt 3000 Euro Gewinn – und erregt prompt Argwohn: Wie bitte? Kein Minus? Das kann doch nicht sein. Nachfragen bringen immerhin ans Licht, dass der personelle Aufwand in der Stadtverwaltung in Höhe von 15 000 Euro nicht in die Bilanz eingeflossen ist. Allerdings: Hätte die Stadtverwaltung vor den Spielen verkündet, sie werde den zusätzlichen Aufwand mit drei neuen 450-Euro-Jobs bewältigen (das entspräche den Kosten), hätten die Gemeinderäte wohl herzlich gelacht. Extra eingestellt wurde aber niemand, und die 15 000 Euro sind Kosten für Stunden, die vom Stammpersonal geleistet, also organisatorisch eingeplant wurden.

Die Kostenfrage ist vielmehr das Symptom des seit Jahrzehnten gleichen Streitpunkts. Wie viel Steuergeld dürfen Freizeit und Kultur kosten und wann werden sie so teuer, dass Wählermehrheiten der Meinung sind, das Geld könnte man sinnvoller ausgeben?

Statistiken und Expertisen geben keine Antwort. Selbst das Statistische Landesamt hat keinen Überblick über die regionalen Ausgaben. Die Kulturszene sei einfach zu vielfältig. Nicht mehr aktuell ist eine Statistik, die bei Städten zwischen 100 000 und 200 000 Einwohnern von rund 40 bis 120 Euro jährlichen Pro-Kopf-Kulturausgaben ausgeht. Halbiert man den geringsten Wert und rechnet ihn für Horb aus, dann dürfte die Stadt rund eine halbe Million Euro jährlich allein für Kultur ausgeben. Der Horber Haushaltplan 2019 weist unter der Rubrik "Museen, Heimat, Kunst" 143 000 Euro Aufwand aus.

Klar, die Ritterspiele fließen da nicht ein. Sie sind ja nicht nur "Kultur", sondern auch ein modernes Event, das Kunst mit Kommerz und Freizeitspaß mischt. Doch das gilt ja heutzutage immer stärker auch für die Museen, Theater und Konzerthäuser – die nicht alle schwarze Zahlen schreiben.

Genaue Vergleichszahlen gibt es zwar nicht, doch bei den Kosten spielt Horb bestimmt in der unteren Liga und backt kleine Brötchen. Für Handwerker, Künstler, Gaukler, Musiker und das Turnier der Ritterspiele legte das Rathaus 70 000 Euro auf den Tisch – beim Konstanzer Seenachtsfest kostet allein das Feuerwerk 80 000 Euro. Die Diskussion um den "Kostenfaktor" Ritterspiele ist also ziemlich müßig. Im Gegenteil sollte das Horber Markenzeichen noch gestärkt werden, zum Beispiel mit einem Mittelalter-Weihnachtsmarkt wie in Esslingen und einem Mittelalter-Rockfestival.

Dem Stadtmarketing darf man organisatorische Kompetenz zugestehen. Das zeigt sich an den Ritterspielen, aber auch an den anderen Festen. Viele Akteure aus Stadt und Region machen mit und halten die Kosten gering, man braucht also keine großen Namen und kein Festival-Tamtam. Trotzdem kommt viel Publikum, weil die Veranstaltungen einfach attraktiv sind.

Und bestimmt werden sich bei den Ritterspielen der Zukunft jetzt auch wieder mehr Ehrenamtliche engagieren und das Horb-Element stärken.

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