Schicksal der Hündin berührt Tausende Menschen. Mindestens drei Tage lang angebunden im Wald.
Horb-Talheim - Wer bindet seinen Hund an einer schwer zugänglichen Stelle im Wald fest, und dies in der Absicht, ihn dort seinem Schicksal zu überlassen? Die Polizei glaubt die Antwort zu wissen. Sie fahndet nach einem 30-Jährigen, der auch wegen anderer Taten gesucht wird.
Wie die Polizei bekannt gab, soll es sich bei dem Mann, der seinen Hund an einen Baum angebunden hatte, um einen 30-Jährigen handeln. Seit etwa einem Jahr habe er sich in einem Horber Stadtteil aufgehalten. Er wird wegen verschiedener Straftaten gesucht, ist zwischenzeitlich untergetaucht und hat die Hündin auf der Flucht zurückgelassen.
Eine Bekannte informierte die Polizei, als sie die Beschreibung des Hundehalsbandes, ein Band, das aus metallenen Kettengliedern bestand, erkannte. Sie gab auch gleichzeitig an, dass ihr Bekannter seit letzter Woche verschwunden ist.
Als das Schicksal der etwa einjährigen Rottweiler-Hündin Betty (wie man sie im Freudenstädter Tierheim taufte) bekannt wurde, ging ein Aufschrei der Entrüstung durch die Medien. Allein auf der Facebook-Seite unserer Zeitung gab es bereits zur Mittagszeit über 25 000 Klicks und viele empörte Kommentare.
Betty wurde mehr durch Zufall und aufgrund der Achtsamkeit einer Spaziergängerin gefunden, die den Hund schon seit zwei Tagen hatte bellen hören. Die aufmerksame Dame ersparte der Hündin ein schreckliches Schicksal. Als sie am vergangenen Freitag entdeckt wurde, war sie bereits so entkräftet, dass davon ausgegangen werden musste, dass sie mindestens drei Tage bei Wind und Wetter und Minustemperaturen in der Nacht an der Weißtanne im Wald nahe der Landesstraße 355, zwischen Talheim und Haiterbach, angebunden war.
"Eine große Sauerei"
Niemand versteht, warum der Besitzer das hilflose Tier nicht bei einem Tierheim oder einer Tierhilfsorganisation abgegeben hat. Kirsten Bold, die stellvertretende Vorsitzende des Horber Tierschutzvereins, nannte diese Aktion "eine große Sauerei" und spricht damit wohl vielen Tierfreunden aus der Seele. Sie vertritt die Ansicht, dass es wirklich andere Wege gibt, ein Tier loszuwerden, wenn man es – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr halten kann. "Wenn man sich von seinem Tier trennen möchte oder auch muss, sollte man wenigstens so fair sein, ihm den Gefallen zu tun und es in die Obhut von Tierfreunden zu geben", sagte die Tierschützerin. "Aber es in einem abgelegenen Waldstück anzubinden, das ist das Allerletzte" so ihr empörter Kommentar.
Betty wurde von ihrem bislang noch unbekannten Herrchen die Rute kupiert, obwohl dies in Deutschland verboten ist. Auch deutet das Verhalten der Hündin darauf hin, dass sie bereits eine Art Erziehung genossen hatte, wie im Polizeibericht erwähnt war.
Betty ist laut Angaben der Tierschützer ein freundlicher Hund. Sie verstehe sich sehr gut mit anderen Artgenossen, und Katzen scheine sie auch zu kennen. Bei fremden Menschen sei sie anfangs zurückhaltend, taue aber schnell auf. Sie sei ziemlich dünn und auch gechipt, aber nicht registriert, was die Besitzersuche sehr erschwere. "Sie ist unheimlich verschmust", so eine Mitarbeiterin des Freudenstädter Tierheims, die anfügte: "Obwohl Betty allen Grund hätte stocksauer zu sein." Zwischenzeitlich hat sie sich zwar körperlich von dem Schrecken erholt – sie frisst und spielt wieder – wie es jedoch mit dem Vertrauen zu den Menschen aussieht, das wird sich erst in der Zukunft zeigen.
Die Leiterin des Tierheims, Jelske Thoren, hat Betty gestern Mittag mit zu sich nach Hause genommen. Sie möchte die Hündin intensiver kennenlernen, denn sie kann sich gut vorstellen, dass sie die "Rottweilerin" ganz zu sich nimmt und ihr ein gutes Zuhause bietet.