Ausreisser-Papagei Charly (rechts) wieder glücklich vereint mit Partner Niki. Foto: Hopp

Sechs Monate lang genießt der Gelbbrustara die Freiheit. Rechtzeitig vorm Verhungern gerettet.

Horb-Grünmettenstetten/Sulz - Dies ist die Geschichte vom Netzwerk und vom Netzwerken. Sie erzählt von einem cleveren Papagei, seinem Ausflug in die Freiheit und einem verzweifelten Besitzer. Die Internet-Seite des Schwarzwälder Boten hat alle wieder zusammengebracht.

 

Die Geschichte um Gelbbrustara "Charly" beginnt im Sommer. Hartmut Maier, Citroën- Händler aus Sulz-Mülheim, bemerkt nach seinem Urlaub, dass sich der clevere Vogel aus der Voliere befreit hat: "Er hat den Draht gebogen und so lange gefressen, bis das Loch groß genug war, dass er rauskam." Der Besitzer scherzhaft: "Wir haben ihn in Bayern gekauft – vielleicht liegt es daran." Anfang September wird Charly am Rexinger Maislabyrinth gesichtet. Wolfgang Diehl, Naturschutzfachkraft des Landkreises Freudenstadt, sieht den Gelbbrustara in einem Krähenschwarm: "Er wird von ihnen weitgehend geduldet."

Wochen später bemerkt Bauarbeiter Matthias Müller in Grünmettstetten Charly. Der clevere Vogel hat die Streuobstwiese entdeckt und genießt die Walnüsse. Der Bauarbeiter macht sich Sorgen um den Vogel: Was ist, wenn der Winter kommt und er keine Nahrung mehr hat? Er fängt an, Hilfe zu suchen. Ruft den Naturschutzbund an, die Wilhelma in Stuttgart. Keine Reaktion.

Dann stößt der Bauarbeiter auf den "Krummschnabel Stammtisch Ludwigsburg". Und erreicht Alexandra Biermann. Die Papageienexpertin: "Er rief an. Wir gaben ihm verschiedene Tipps. Am Samstag sind wir gleich mit unserem Käfig für die Quarantäne nach Grünmettstetten gefahren. Mein Mann und ich sahen Charly im Obstbaum sitzen. Wir haben versucht, ihn mit Nüssen zu locken. Doch er flog von Baum zu Baum. Einmal kamen wir bis auf zwei Meter an ihn ran – doch er ist ein intelligentes Kerlchen."

Doch wem gehört der Vogel? Frau Biermann recherchiert im Internet. Und findet den Artikel des Schwarzwälder Boten vom 5. September. Dort hatte Rodolfo Panetta (Kreisrat und Gemeinderat) am 2. Dezember im Kommentar gepostet: "Charly wurde zuletzt am 29. November in Grünmettstetten auf einem Obstbaum gesehen. Alle Bürger, die Charly sehen, sollten einen bekannten Aufenthalt des Papageis stets dem Besitzer melden. Dies ist Citroën- Händler Maier aus Sulz-Mühlheim."

"Das war eine Falle wie im Fernsehen"

Die Papageien-Expertin nimmt daraufhin Kontakt auf. Der Bauarbeiter versucht zwischendurch, Charly mit einem Käfig voller Walnüsse einzufangen. Biermann: "Einmal war er drin. Als der Bauarbeiter die Klappe zumachen wollte, wurde er so heftig von Charly gebissen, dass der Vogel entkommen konnte."

Am Nikolaustag war Biermanns Mann als Lastwagenfahrer zufällig in der Gegend. In der Mittagspause machte er einen Abstecher und entdeckte Ara-Besitzer Maier. Beide legten sich mit einer "Fallen-Konstruktion" auf die Lauer. Alexandra Biermann: "Das war eine Falle wie im Fernsehen: Eine Ecke des Käfigs wurde von einem Stock hochgehalten. Daran eine 50 Meter lange Schnur. Im Käfig waren Walnüsse." Von 9 bis 13.30 Uhr lauern Hartmut Maier und Brummi-Fahrer Biermann im Auto. Dann ist Charly endlich im Käfig. Die Papageienexpertin: "Unser Vorteil war der erste Schnee und die Walnüsse. Charly liebt Walnüsse. Doch wegen des Wetters gab es nichts mehr am Baum."

Besitzer Hartmut Maier ist auch froh, dass er seinen Charly wieder hat: "Ich bin mir vorgekommen wie der Grzimek, als ich ihm aufgelauert habe. Doch jetzt ist alles wieder gut."