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Horb a. N. Panoramastraße: Anwohner sollen Sanierung zahlen

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Raserei und Pöbelei auf der Panoramastraße: Nun sollen die Anwohner auch noch 90 Prozent der Sanierung bezahlen. Foto: Lück

Horb - Die Anwohner der Panoramastraße sind stinksauer auf die Stadt. Jetzt sollen sie viel Geld für eine Durchgangsstraße zahlen. Doch der Verkehrsterror raubt ihnen den letzten Nerv.

"Wir sind stinksauer auf die Stadt", sagt einer der 60 Anwohner der Panoramastraße zum Schwarzwälder Boten. Denn seitdem bekannt ist, dass das Rathaus nun die Sanierung plant und die Anwohner 90 Prozent der Kosten tragen sollen – fünf Prozent weniger als gesetzlich vorgeschrieben –­ kocht die Stimmung hoch. Vor allem, weil nicht nur Oberbürgermeister Peter Rosenberger (CDU) in der Sitzung, über die wir berichtet hatten, darauf besteht, dass die Panoramastraße eine Durchgangsstraße bleiben soll.

Anwohner Christoph Eder: "Die Stadt will, dass unsere Straße offen für den Durchgangsverkehr bleibt. Dafür zahlen wir nicht!"

Schon 1988 erste Planung vorgelegt

Doch warum sind die Anwohner so sauer? In der Vergangenheit hat es schon mehrere Anläufe gegeben, die Straße zu sanieren. Schon 1988, so berichtete diese Zeitung am 26. Juni, wurden die Umbaukosten für die große Lösung – damals ein verkehrsberuhigter Bereich mit Gehwegausbau –­ auf zwei Millionen Mark geschätzt. Damals sollten die Anwohner 90 Prozent zahlen, so wird der damalige OB Hörner zitiert.

2008 scheitert der nächste Versuch zur Sanierung. Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP) sagte jetzt in der Gemeinderatsitzung: "Warum ist nicht klar."

Anwohner wissen Bescheid: "Damals war der Wechsel von Theurer zu Rosenberger. Da wollte sich keiner so ein Ei ins Nest legen. Und durch die ganzen Verzögerungen sind die Baukosten, die auf die Anwohner umgelegt werden, natürlich viel höher. Und der von OB Rosenberger großzügig angebotene Rabatt von fünf Prozent ist keiner. Die Beiträge für die Anwohner liegen bei 90 Prozent –­ wie vor mehr als 20 Jahren auch. Und dass uns das Rathaus vor der Sitzung nicht eingeladen hat, empfinden wir als Affront."

Die Wut auf die Stadt –­ sie kocht im Inneren der Panoramastraßen-Anwohner. Denn seit Jahren herrscht hier Autoterror. Anwohner Hartmut Schütz: "Bergauf links ist kein Gehweg vor den Grundstücken. Wenn ich vor der Garage was bastele und komme zu weit auf die Straße, dann gibts die Hupe, den Stinkefinger oder es wird erst recht Gas gegeben. Wenn du die Kehrwoche machst, fahren sie dir fast über den Fuß."

Anwohner Markus Pagel holt einen Zettel aus der Tasche: "Hier ist die Auswertung der Geschwindigkeitstafel, die gut drei Wochen im Sommer 2017 in der Panoramastraße gehangen hat. Die zählte damals durchschnittlich 600 Autos am Tag –­ in eine Richtung. Mehr als die Hälfte sind damals schon schneller als die erlaubten Tempo 30 gefahren! Und damals hat es keine Baustelle in der Stadt gegeben."

Das ist nicht immer so. Anwohner Siegfried Kestner: "Du merkst sofort, wenn Baustelle irgendwo in der Stadt ist. Dann nimmt der Verkehr und die Raserei auf der Panoramastraße drastisch zu."

Pagel: "Wenn es in ruhigen Tagen schon 600 Autos in eine Richtung fahren, sind es jetzt wegen der Aldi-Kreisel-Baustelle derzeit schätzungsweise bestimmt 2000 am Tag. Da gibt es Autofahrer, die beschleunigen auf 60 Stundenkilometer –­ und hier spielen meine Kinder!"

Just in dem Moment kommt ein BMW mit wummerndem Subwoofer und "M3 Performance" auf der Windschutzscheibe von unten. Er gibt Gas und rauscht an der Gruppe der Anwohner vorbei. Einer sagt: "Siehste?" Christoph Eder: "Heute morgen hat einer die Scheibe runtergelassen und mir Prügel angedroht. Weil ich so langsam den Berg hochgefahren bin."

Mit schlimmen Folgen. Kestner: "Wir bringen oft die Kleine in den Kindergarten oben. Da geht man schon innen auf dem schmalen Gehweg. Trotzdem ist es uns schon zwei Mal passiert, dass wir am Arm von Außenspiegeln gestreift wurden, weil im Begegnungsverkehr ein Auto auf den Gehweg zwischen den rot-weißen Pfosten ausgewichen ist."

Irmgard Stannecker: "Ich wohne im unteren Teil der Panoramastraße. Es ist ganz schwierig, aus der Garage rauszufahren. Gleichzeitig muss man den Verkehr aus Richtung Dettingen im Blick behalten. Wir wollten einen Spiegel haben, doch das hat die Stadt abgelehnt!"

Raserei und Pöbelei auf der Panoramastraße. Und die Stadt lässt sie allein, sagen die Anwohner. Schütz: "Morgens spätestens um halb fünf geht es los. Du hörst genau, welchen Song die in ihren Autos hören. Die Stadt kontrolliert hier nichts. Und wenn die Radarfalle mal kommt, dann um 10 Uhr. Da ist es dann ausnahmsweise relativ ruhig, weil der Verkehr zum Schichtwechsel beim Brüninghaus am stärksten ist."

Wolfgang Albrecht: "Die Mitarbeiter parken sogar hier –­ weil wir nicht mal Anwohnerparkplätze haben. Und das alles, weil die Firma es nicht schafft, genügend Parkplätze für ihre Mitarbeiter zu bereitzustellen."

Anwohner befürchten noch mehr Verkehr

Und jetzt auch noch die geplante Sanierung. Die teuer wird für die Anwohner. Pagel: "Die Grundstücke an der Panoramastraße sind sehr groß und lang an der Straße. Das wird sehr teuer. Das heißt: Es wird hier viele ältere Menschen geben, die verschuldet ins Grab gehen."

Anwohner Hartmut Schütz befürchtet: "Wenn die Straße saniert wird, wird die bestimmt breiter. Dann nimmt der Verkehr auf der Panoramastraße richtig zu –­ und die Raserei wohl auch."

Es gärt also in der Panoramastraße. 60 Anwohner, die eine gute Gemeinschaft haben, wie Pagel erzählt: "Wir machen sogar jährlich ein Straßenfest. Wahrscheinlich das einzige in Horb." Und ein Rathaus, dass die Anwohner der Panoramastraße bisher offenbar ziemlich alleine gelassen hat. Keine schönen Aussichten.

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