Ortstermin im Areal "Hau und Holzwiese": Mit dabei waren unter anderen Volkmar Rieber (Zweiter von links), Michael Keßler (Mitte), Thomas Mattes (Dritter von rechts), Dieter Rominger-Seyrich (Zweiter von rechts) und Walter Trefz (rechts). Foto: Lück Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Nur sieben von 32 Kommunalpolitikern bei BI-Führung durch Hau und Holzwiese

Die Bürgerinitiative gegen das geplante Gewerbegebiet hatte am Samstag den Gemeinderat zur Führung durch Hau und Holzwiese eingeladen. Von 32 Kommunalpolitikern kamen nur sieben.

Horb-Ahldorf. Die Grillhütte von Ahldorf. 15.06 Uhr. Anderthalb Stunden nach dem Start der Führung nähert sich die Gruppe dem Ziel. Volkmar Rieber vom Nabu und Walter Trefz, Förster im Ruhestand vom Kniebis, Grüner im Kreistag und jetzt Mitglied der BI, gehen voran.

Die Bürgerinitiative hatte die Presse gebeten, erst am Schluss aufzutauchen. Damit es einen ungestörten Austausch gibt.

Und an der letzten Station – kurz vor der Grillhütte – wird dann Klartext geredet und Bilanz gezogen. Ortsvorsteher Hartmut Göttler: "Als Grundstückseigentümer bin ich befangen. Wenn ich mein Grundstück verkaufen würde für ein Gewerbegebiet, würde ich 100 000 Euro dafür kriegen. Andere Waldbesitzer auch. So viel würden wir nie wieder für unser Eigentum bekommen. Aber wir sagen uns: Wir verkaufen nicht. Wir wollen das letzte Stück Natur, was wir haben, für unsere Nachkommen bewahren! Wir werden kämpfen bis zum Schluss, um Hau und Holzwiese zu erhalten."

CDU-Gemeinderat Michael Laschinger: "Dazu möchte ich anmerken, dass der Ortsvorsteher auch Teil der Verwaltung ist. Das ist nicht so einfach." Kurt Schmid: "Der Ortsvorsteher ist aber auch dafür da, zu sagen, was seine Bürger denken!"

Und noch einer ergreift gleich das Wort – Karl Eugen Hermann: "Ich möchte hier ein Statement außerhalb der Bürgerinitiative abgeben: Ich wohne 500 Meter weit weg von hier. Jeden Morgen, wenn ich die Rollladen aufmache, schaue ich auf die herrliche Natur. Mir tut die Ignoranz der Kollegen vom Gemeinderat weh, die nicht hier sind."

Dieter Rominger-Seyrich (SPD) versucht, ein bisschen Luft rauszunehmen: "Ich denke, weil es ohnehin noch einen Rundgang mit dem Gemeinderat geben wird, sind einige vielleicht nicht gekommen." Christina Nuss, Sprecherin der BI Hau und Holzwiese, sagt: "Es haben sich einige entschuldigt. Wir sind froh, dass Sie gekommen sind und wir uns so offen und gut austauschen konnten!"

Walter Trefz bringt das Fazit der Führung – auch die Erläuterungen von Volkmar Rieber – wie folgt auf den Punkt: "Ich denke, wir alle haben heute gesehen, das dieses Stück hier das Schmuckstück von Ahldorf und Horb ist. Nicht nur wegen der Natur und der Dolinen. Sondern weil es eine kulturelle Qualität hat. Die Ahldorfer haben hier ein Erbe zu wahren. Schon früher haben Förster, Jäger und Bauern zusammengearbeitet, um die vielen Schmuckstücke wie auf einer Kette hier zu kultivieren und zu erhalten. Das entspricht genau den Zielen, die Land und Bund formulieren – wie man nachhaltig mit seinen Kulturlandschaften und der Natur umgeht."

Plötzlich zeigt Rominger-Seyrich auf einen Greifvogel: "Hier fliegt ja der Rotmilan." Laschinger scherzt: "Auf jeden Fall gibt es kein Windrad hier." Die Führung durch den Wald. Die Erläuterungen der Fachleute der Bürgerinitiative und von Reiber haben die "glorreichen Sieben" sichtlich beeindruckt.

Silke Wüstholz (FD/FW): "Der Wald muss erhalten bleiben. Wir sollten jetzt anstreben, das Gewerbegebiet im Heiligenfeld zu erweitern, wenn die Hochbrücke da ist."

Dieter Rominger-Seyrich (SPD): "Meine Position ist bekannt: Ich bin sehr skeptisch, was den Flächenverbrauch angeht. In Baden-Württemberg gehen langfristig immer mehr Flächen verloren. Wenn der Wald und die Wiese weg wäre, hätte Ahldorf erheblich an Natur verloren."

Marianne Hötzel (CDU): "Ich tue mich schwer, zu sagen, man schlägt den Wald um. Persönlich fände ich es schade, wenn hier das Naherholungsgebiet verschwinden würde. Die Führung hat mir da eine neue Sichtweise verschafft."

Thomas Mattes, SPD-Fraktionschef: "Die Begehung war sehr wichtig. Sie hat mir die Dimension verdeutlicht, was ein Gewerbegebiet hier bedeuten würde. Mein Eindruck ist: Wenn man alles abholzt, wie bisher geplant, dann könnte auch der Rest-Wald, der stehen bleiben soll, kaputt gehen. Ich habe schon vorab Bedenken geäußert, ob das Gewerbe hier am richtigen Platz ist."

Uwe Klomfass (SPD) konnte nicht den ganzen Rundgang mitmachen. Er sagt: "Wir Mühringer sind den Ahldorfern ohnehin sehr nahe. Was ich mitbekommen habe, war sehr informativ. Wir müssen in unserer Fraktion noch einmal intensiv über die Pläne diskutieren und nachdenken."

Michael Laschinger, CDU: "Ich sehe Horb insgesamt in einem großen Zielkonflikt: Wir benötigen dringend die Gewerbesteuereinnahmen – auch neue. Die Wirtschaft wächst weiter, und wenn man sieht, was die anderen planen, sollten wir am Ball bleiben. Ich kann noch nicht sagen, ob wir das Gewerbegebiet Ahldorf benötigen. Wir im Gemeinderat sollten auf jeden Fall wie Empfingen für das interkommunale Gewerbegebiet stimmen. Die Führung hat für mich ein neues Licht auf die Verhältnisse in Hau und Holzwiese geworfen. Jetzt kann ich besser bei dem ganzen Projekt auch zwischen den Zeilen lesen."

Last, but not least: Michael Keßler. Der CDU-Gemeinderatsfraktionschef ist persönlich gegen das geplante Gewerbegebiet, wie er am Samstag noch einmal bestätigt. Keßler sagt: "Ich fand die Führung positiv. Zwar war nur eine überschaubare Anzahl von Gemeinderäten dabei, aber man ist gut ins Gespräch gekommen."

Fazit: Die Führung hat sich offenbar gelohnt. Hat den Kommunalpolitikern offenbar neue Details und Einblicke gebracht. Ortsvorsteher Hartmut Göttler: "Traurig, dass so wenig Gemeinderäte gekommen sind. Unsere Bedenken ist angekommen – jeder muss seine eigenen Schlüsse daraus ziehen."

Auch Christina Nuss, Sprecherin der Bürgerinitiative, ist zufrieden: "Ich denke, es ist uns gelungen, den Teilnehmern eine neue Brille für den Hau und Holzwiese aufzusetzen und neue Perspektiven zu vermitteln. Wir sind gut in den Austausch mit den Gemeinderäten gekommen – und das war auch unser Ziel."