"Wasen-Wahnsinn": Lucia und Thomas wollen es tagelang in schwebender Blechkiste aushalten.

Horb-Talheim/Rottenburg - Es ist der echte Wasen-Wahnsinn: Gleich zwei Neckartäler kämpfen auf dem Cannstatter Wasen in der Landeshauptstadt um den Sieg: Lucia di Nicola aus Rottenburg und Thomas Günther aus Talheim.

Freitag, 10.30 Uhr. Seit genau viereinhalb Stunden sitzen die beiden aus dem Neckartal zusammen mit Sabrina Janeczek (Sindelfingen) und Thomas Goretzky (Rems­eck) in der 1,80 mal 1,60 Meter kleinen Gondel des Syk-Lounge-Riesenrads. Es ist heiß in der Gondel. Noch sind alle bester Laune und die Worte sprudeln nur so aus den vier Kandidaten heraus.

Dabei geht es beim "Wasen-Wahnsinn" knallhart zu: Wer als Letzter nach zehn Tagen die Gondel verlässt, kassiert 10 000 Euro. 

Thomas "Ossi" Günther gibt sich ganz entspannt: "Ich habe mir das alles voll schlimm vorgestellt." Lucia: "Wir fühlen uns wohl. Ich bin schon gespannt, wie das nach ein paar Tagen aussieht."

In der Tat: Zigaretten, Handys – verboten. Schlafen – in der Gondel. Auf dem Metallboden oder der Kunststoffbank. Jeder kriegt einen Schlafsack und ein Kissen. Ulrike Kneisel von Antenne 1: "Morgens um 6 Uhr werden die Schlafsäcke weggenommen. Die erste Pause." Um 9 Uhr ist dann Duschen angesagt – gleichzeitig wird die Gondel gewartet. Nächste Pause: 12 Uhr. Jeder hat zehn Minuten Pinkelpause. Dasselbe dann um 15, 18, 22 Uhr. Kneisel grinst: "Auch um 2 Uhr nachts werden alle geweckt."

Okay. Das ist schon mal Stress genug. Gut, dass Lucia nur Gelegenheitsraucherin ist und Thomas "Ossi" Günther vor neun Monaten aufgehört hat. Der Gegner aus Remseck dagegen muss sich den Nikotinhunger verbeißen. 

Klar ist auch: Der Talheimer hat schon einen Plan, um die Gegner zu zermürben. Thomas sagt: "Ich werde nachts schön nerven. Nach dem Motto: Schläfst Du schon?" Die Kollegin aus dem Neckartal sagt: "Essen bekommen wir auch in der Gondel. Das ist fast wie ein Hotel – nur ohne Ausgang." Naja, nicht ganz. Denn die Tür lässt sich nur von außen öffnen. Dazu wacht der  Sicherheitsdienst rund um die Uhr ohne Gnade, ob sich nicht doch einer – oder alle vier – heimlich verdünnisieren wollen. 

Gibt es schon eine Neckartal-Koalition zwischen Thomas aus Talheim und Lucia aus Rottenburg? Beide setzen ihr Pokerface auf. Der Talheimer: "Noch verstehen wir uns alle super. Wenn wir eine Front bilden müssen, dann müssen wir uns noch mal zusammensetzen. Bis jetzt habe ich das Gefühl, wir steigen in zehn Tagen zu viert hier aus." Lucia: "Das wird sich noch die Tage entscheiden." 

Und Schwäche wird auch nicht gezeigt. Ossi: "Ich habe keine schwache Blase – ich kann lange aushalten." Lucia: "Ich bin auch geübt. Das ist das kleinste Problem."

Falls die beiden Neckartäler übrig bleiben, wird dann gemeinsam raus gegangen und das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro geteilt? Der Talheimer: "Nein. Ich denke, jeder wird bis zum Schluss kämpfen." Lucia: "Ich denke, jeder macht es für sich."

Und die anderen beiden? Tom aus Remseck: "Die Neckartal-Front stört uns nicht. Es ist ein Spiel." Sabrina: "Bis jetzt verstehen wir uns gut mit den beiden."

Und – schon Schwächen bei den Neckartälern ausgemacht? Tom: "Da ist nichts zu erkennen." Sabrina: "Das verstecken sie richtig gut." Doch vielleicht haben sich Lucia und der Talheimer ganz heimlich schon verständigt. Und fahren die "Lärm-Terror"-Strategie. Diese Theorie hat jedenfalls Antenne-1-Moderator Andy Dangel: "Ich glaube, die beiden haben es den anderen gegenüber ganz gut. Beide sind Schnarcher. Da bin ich gespannt, wie die anderen beiden das vertragen. Vielleicht können Ossi und Lucia so Pluspunkte bekommen."

Das Duell. Zehn Tage. Die Chance, 10 000 Euro abzusahnen. Doch auch das Risiko, zu verlieren. Wie geht das mit dem Urlaub? Der Remsecker: "Naja, durch den Feiertag und die Wochenenden sind das lediglich sechs Tage Urlaub, die man braucht." Der Talheimer Günther: "Ich arbeite Wochen­end-Schichten. Dazu habe ich mir freie Tage angespart." Lucia: "Das, was ich mit dem Geld machen will, ist mir das wert." In der Tat: Lucia will nächsten Jahr am Valentinstag ihren Angelo heiraten – und die 10 000 Euro sind fürs maßgeschneiderte Hochzeitskleid und die Flitterwochen. Thomas aus Talheim scherzt: "Die Flitterwochen machst du bestimmt in einer Gondel." Lucia schüttelt den Kopf: "Auf keinen Fall."

Doch wie hart ist der Wasen-Wahnsinn? Immer wieder in der engen Gondel die knapp 60 Meter hoch und wieder runter? Ariane Bruch, Besitzerin des Riesenrads: "Meine längste Zeit in einer Gondel waren mal vier Stunden. Mit einer Freundin – da haben wir gemütlich gelesen und Kaffee getrunken. Ich musste damals aufhören, weil mein kleiner Sohn gestillt werden musste." 

Wie schwer ist der Wettbewerb? Bruch: "Die Mischung der vier in der Gondel finde ich ziemlich brisant. Da braucht man wirklich gute Nerven, um das durchzuhalten." Und was können wir Neckartäler tun, um unsere beiden Kandidaten aus Rottenburg und Horb-Talheim zu unterstützen? Lucia und Thomas sind sich einig: "Kommt vorbei. Winkt uns. Zeigt uns Schilder – wir haben ja keine Handys an Bord der Gondel."

Weitere Informationen: Wer verfolgen will, wie sich unsere Neckartäler in der Gondel schlagen: Antenne 1 hat einen Livestream eingerichtet. antenne 1/Programm/Aktionen/wasenwahnsinn