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Horb a. N. Mysteriöser Laienprediger narrt die Obrigkeit

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Das Titelblatt der 1521 anonym erschienenen proreformatorischen Flugschrift zeigt links Martin Luther und daneben mit Katzenkopf den Franzikaner Thomas Murner. Ihnen gegenüber steht Karsthans, der die Karst genannte zweizinkige Feldhacke auf seiner Schulter trägt, mit seinem Sohn Studens. Quelle: Kultur- und Museumsverein Foto: Schwarzwälder Bote

Horb. Die 1983 erschienene dritte Vereinspublikation des Kultur- und Museumsvereins, die Veit Stoß zwischenzeitlich zum anerkannten großen Sohn der Stadt Horb gemacht hat, verweist neben Sebastian und Johann Lotzer auf einen weiteren zeitgenössischen Horber Spross, der unter dem Pseudonym Karsthans Aufsehen erregte und sehr wahrscheinlich einer Horber Färberfamilie entstammte.

Die in der schwäbisch-österreichischen Grafschaft Hohenberg gelegene Stadt Horb bildete zusammen mit Rottenburg an der Wende zur Neuzeit nicht nur ein Gravitationszentrum der literarischen Reformation in Schwaben. Die Geburtsstadt von Sebastian Lotzer, in der sich nach dem misslungenen Lehener Bundschuhaufstand im Jahr 1513 zeitweilig auch der Bauernrebell Joß Fritz aufhielt, durchlebte zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine recht stürmische Phase.

Als Herkunftsort wird entweder Freiburg im Breisgau oder Horb am Neckar genannt.

Von Dezember 1522 bis Anfang März 1523 gewann hier ein Laienprediger, der unter dem Pseudonym Karsthans auftrat, sehr zum Ärger der romtreuen österreichischen Obrigkeit Anhänger für den neuen lutherischen Glauben. Laut der Allgemeinen Deutschen Biografie handelte es sich bei Karsthans um eine halb mysteriöse Persönlichkeit aus den ersten Jahren der Reformationszeit. Äußerst rätselhaft sind die Angaben, die sich in der Literatur bezüglich dieser Person finden. So soll er mit Vornamen Johannes, Hans oder Konrad geheißen haben. Obgleich sein Nachname Murer oder Maurer gelautet hat, wurde er angeblich auch Zündauf genannt. Nach anderen Quellen galt ein Hans Zündauf jedoch als Murers Stief- oder als dessen Schwiegervater. Als Herkunftsort wird bezüglich des mysteriösen Laienpredigers entweder Freiburg im Breisgau oder Horb am Neckar genannt.

Diese Irrungen und Wirrungen betreffs der sich Karsthans nennenden Person liegen wohl darin begründet, dass diese bewusst die konspirativen Methoden eines Joß Fritz nachahmte. Jener Johannes Murer repräsentierte als Karsthans nämlich eine Überbrückungsfigur zwischen der Bundschuhbewegung und den Anfängen der Bauernerhebungen um des Evangeliums willen. Der um 1470 in Untergrombach bei Bruchsal geborene Bauernrebell Joß Fritz verkörperte die Aufstandsfurcht der Obrigkeiten und das Sehnen der Untertanen nach göttlicher Gerechtigkeit und Freiheit wie kein anderer. Zu Beginn des großen deutschen Bauernkriegs tauchte Fritz im Sommer 1524 angeblich noch als alter grauer Mann bei den aufständischen Bauern im Klettgau auf, wo sich seine Spur im Nichts verliert.

In den Jahren 1502, 1513 und 1517 scheiterten die drei von Joß Fritz organisierten Verschwörungen unter dem Zeichen des Bundschuhs jeweils kurz vor Ausbruch des geplanten Aufstands durch Verrat. Jedes Mal konnte Fritz sich der Strafverfolgung durch Flucht entziehen und blieb überall zwischen Oberrhein, Neckar und Schweizer Grenze für seine obrigkeitlichen Häscher nur in schemenhaften Umrissen greifbar. Unter der Folter gab der Mitverschwörer Michel von Dinkelsbühl im September 1517 die Namen von 270 Eingeweihten preis und beschrieb den wie ein Landsknecht gekleideten Anführer des beabsichtigten oberrheinischen Bundschuhaufstands: "Joß Fritz hat ein schwarzen französischen Rock und wiß Hossen, hat ein ander Kleid, ist rot, und über gels zerhowen, hat auch ein zigelfarb Kleid über grüns zerhowen, hat ein silbern Ring an der Hand, und uff dem linken Arm by der Hand ein schwartz Anmol, hat sin Wonnung zu Villingen und Horb."

Auf Bitten der damals österreichischen Regierung in Stuttgart, der es offenbar ein Hauptanliegen war, auch dem mysteriösen Karsthans auf die Spur zu kommen, beschrieb der Freiburger Rat im Februar 1523 Johannes Murer steckbriefartig in ähnlich schemenhafter Weise: "Hans Maurer, von seinem hier gesessnen und verstorbnen Stiefvater Zündauf genannt, der sich auch Karsthans nennen lasse, ziehe das Land auf und ab, Luthers Opinion in Winkeln predigend; eine dicke, kurze Person in grauem Rock ohne Ärmel, schwarzen Hosen und breitem grauen Hut."

Nach den Erkenntnissen der Freiburger Ratsherren war Johannes Murer ein Akademiker und Arzt, der sich lange in der Türkei und in Böhmen aufgehalten haben soll. Im Winter 1521/22 hätte er einem Freiburger Bürger, dessen Tochter von Murer behandelt worden war, eröffnet, dass er Mitglied eines 24 Personen umfassenden Bundes sei, dem Doktoren und andere namhafte Leute angehören würden, welche sich geschworen hätten, unter Todesgefahr den wahren christlichen Glauben wieder an den Tag zu bringen. Und weil eine katholisch gesinnte Obrigkeit in Freiburg wie in Stuttgart hinter der Verbreitung der evangelischen Lehre nur Aufruhr und einen neuen Bundschuh wittern konnte, war man sich im Klaren, Johannes Murer ist ohne Zweifel "der rechten houptsecher einer, die yetzt mit den verrätterischen pundtschuhischen sachen umb gendt".

Wer war der mysteriöse Prediger, der unter dem Pseudonoym Karsthans von sich reden machte? Joachim Lipp, Vorsitzender des Kultur- und Museumsvereins Horb, begibt sich auf die Spuren dieses Reformers, der vielleicht zu den bislang noch weitgehend unbekannten großen Horber Persönlichkeiten zählt.

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