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Horb a. N. Mordprozess: Wo ist Geld für Goldkauf?

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Das mittlerweile abgerissene Elternhaus von Riecher, in dem Mohammed O. zuletzt lebte. Foto: Schwarzwälder Bote

Rottweil - Im Prozess um Mord am Nordstetter Immobilienunternehmer Michael Riecher kommt jetzt raus, dass der Hauptverdächtige Mohammed O. "dauer-Pleite" war – obwohl ihm im Frühjahr und Sommer vor der Tötung des Opfers noch über 3400 Euro überwiesen wurden. Danach hat sich sein Schuldenberg als verdoppelt!

Seiner Mutter schreibt der Hauptangeklagte Mohammed O. (27) aus dem Gefängnis: "Der Typ (der getötete Michael Riecher, Anm. d. Red.) war mein Freund. Von Schicksalsschlägen werden nur wahre Menschen niedergemetzelt."

Dem Staatsanwalt schreibt der Hauptangeklagte per Brief auf Deutsch: "Ich habe es nicht getan. Das Opfer war ein guter Freund. Ich habe ihm immer geholfen. Er hat so wenig Freunde, niemand besucht ihn –­ nur ich. Ich kann niemanden töten. Ich bin lieb Mensch mit allen Leuten!"

Oberstaatsanwalt Christoph Kalkschmid glaubt ihm nicht. Hat ihn und seinen Komplizen Iyad B. angeklagt.

Nachdem verschiedene Zeugen im Schwurgerichtssaal erzählt haben, dass Mohammed O. ab September, spätestens seit Oktober versucht hat, sie zum Überfall auf Michael Riecher zu überreden, wurde gestern klar, dass der syrische Flüchtling sozusagen "dauerpleite" war.

Denkwürdig: Obwohl O. Zeugen erzählt hatte, dass er 20 .000 Dollar für eine OP seiner Mutter in Syrien benötigt, hat die Finanztechnische Auswertung der Konten und vom Finanzdienstleister Western Union, der eingezahltes Bargeld von Deutschland ins Ausland auszahlt, das Gegenteil ergeben.

Fakt ist: Der Kontostand von Mohammed O.’s Girokonto war am 3. April 2018 minus 1000 Euro. Mitte März waren über Western Union 400 Euro an O. geschickt worden, Anfang April trudelten mal 1200 Dollar aus Beirut ein oder 1000 Euro aus dem Libanon. Im Juni kamen noch mal 630 Euro aus Berlin und 150 Euro aus Stuttgart. Ein Geldtransfer von Mohammed O. nach Syrien ist nicht nachgewiesen.

Das Gehalt seines Arbeitgebers floß regelmäßig: 1200 Euro im Monat netto. Der Arbeitgeber hatte davon schon die 200 Euro abgezogen, die er dem Syrer als Kredit für seinen weißen Renault Clio (Kaufpreis: 8900 Euro) gewährt hatte.

Trotz der 3440 Euro, die Mohammed O. zwischen April und Juni extra kassiert hatte, verdoppelte sich sein Schuldenstand auf dem Girokonto. Von 1000 Euro auf 2251 Euro am Buchungstag 6. November. Drei Tage nach der Tat.

Interessant auch: Spätestens seit August konnte Mohammed O. kostenfrei in Riechers Elternhaus wohnen. Mit zu versorgen: seine junge Braut Jasmin. Die hatte Mohammed O. am 29. April in der Arabischen Gemeinschaft Eutingen geheiratet. Ehe- und Scheidungsgaben an die Braut laut Heiratsurkunde: 8000 Euro.

Doch warum war Mohammed O. "dauerpleite"? Die finanztechnische Untersuchung kommt zu folgender Analyse: "Zahlungen an Einzelhändler und Tankstellen. Fast tägliche Bargeldabhebungen." Die Strategie des syrischen Flüchtlings, so die Ermittler: Er setzte nicht nur die EC-Karte ein, sondern die Kreditkarte. Weil er auf der Kreditkarte auch noch 1000 Euro Extra-Kredit hatte und der Betrag erst vier Wochen später abgebucht wurde, zog er sein Bargeld oft per Kreditkarte in der Kreissparkasse Nordstetten –­ trotz fünf oder zehn Euro Gebühren! So reizt Mohammed O. neben seinem Girokonto auch noch diese 1000 Euro-Grenze regelmäßig aus. Mitte September die erste rote Karte der Bank. Im Oktober die zweite rote Karte der Bank.

Der Straßburg-Trip am 14. Juli ist trotzdem drin. Konsum laut Bankinfos: 40 Euro im orientalischen Supermarkt, 50 Euro in der "World of Chrystal".

Auch auffällig: Seine Ehefrau macht nach über einem Jahr im Oktober ein Konto in Tübingen auf. Am 6. November – vier Tage nach der Tötung des Opfers –­ erscheinen hier Mohamed O. und seine Frau. Zahlten erst 300 Euro ein. Um 18.35 Uhr. Überwiesen dann von diesem Konto 220 Euro an den Mobilfunkanbieter, der Mohammed O.s Sim-Karte schon im August gesperrt hatte. Das Bild, was so aus den Akten gezeichnet wird: Mohammed O. ist offenbar dauerpleite. Obwohl er – so hatte die Zwillingsschwester des Opfers erzählt – mietfrei im Elternhaus der Riechers gelebt hat. 1200 Euro Gehalt im Monat haben dem "Hallodri", so charakterisierte ihn ein Flüchtlingshelfer aus Horb, offenbar nicht ausgereicht.

Umso spannender ist die Gold-Frage. Mohammed O. hatte Zeugen, die er zu dem Raubüberfall auf Michael Riecher gewinnen wollte, von Gold-Schwarzhandel erzählt. Am 2. November –­ am Abend der Tat –­ klebte ein gelber Notizzettel in Riechers Kalender: "O. Gold".

Jetzt stellt sich heraus: Alles legal. In der Wohnung des Hauptangeklagten fanden die Kripo-Beamten einen Bestell- und Identitätsbogen der Kreissparkasse Freudenstadt. Riechers Hausbank. Als Käufer eingetragen: Mohammed O. Bestellt wurden am 29. Oktober Krügerrand-Goldmünzen im Wert von 9812 Euro. Im Auftrag von Michael Riecher. Übergabe solle am 2. November sein.

Fakt ist, so ist von Prozessbeteiligten zu erfahren: Das Geld wurde nicht überwiesen. Auf dem Formular ist bar angekreuzt. Hat Mohammed O. in seiner Finanznot das Geld einfach behalten? Oder kam es gar nicht zu der Geldübergabe von Riecher an den Flüchtling?

Warum hat Riecher den syrischen Flüchtling für den Goldkauf eingesetzt? Der Kauf von Gold in bar ist in Deutschland legal. Muss auch nicht vom Verkäufer beim Finanzamt gemeldet werden. Bei einem Sortenkauf (u.a. Gold) im Wert von über 2500 Euro muss nach dem Geldwäschegesetz der Käufer identifiziert werden. Seit Juli 2018 ist der Goldpreis in der Jahresstatistik gesunken.

Noch ein interessantes Detail aus dem Prozess, in dem Beweismittel vorgelesen wurde. Die Beute von Mohammed. O und Iyad B. nach dem Überfall soll laut den Akten lediglich 2800 Euro betragen haben, so die Ermittler zum damaligen Zeitpunkt im November. Bisher war von gut 3000 Euro die Rede.

Mohammed O. behauptet brieflich auch während des Prozesses seine Unschuld. So wurde sein Brief vom 19. Juni an eine Horber Intergrationshelferin vorgelesen: "Ich habe jetzt eine Tochter – das gibt mir Hoffnung. Sie wissen, ich bin unschuldig. Ich habe niemanden umgebracht. Ich habe große Hoffnungen hier in Deutschland."

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Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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