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Horb a. N. Mord-Prozess: Anwälte fordern Aussetzung des Verfahrens

Von
Foto: Natascha Kübler

Horb - Während Navy CIS auf Kabel 1 im Fernsehen lief, starb Michael Riecher. Denn während sie ihre Lieblingssendung sah, hörte seine Mieterin und Mitbewohnerin im Haus ein Poltern. Hatte das was mit dem Verbrechen zu tun? Am zweiten Verhandlungstag des Mordprozesses ging es darum, wie die Leiche entdeckt wurde.

Zu Prozessbeginn vor dem Landgericht Rottweil ging es zunächst um den Prozess gegen den "Friseur" vor dem Amtsgericht Horb.Kristian Frank, Verteidiger von Iyad B., stellte den Antrag, das Verfahren auszusetzen, damit man die Gerichtsakten aus Horb durcharbeiten kann.

Oberstaatsanwalt Christoph Kalkschmid konterte, dass B. zweiter Verteidiger Wido Fischer in Horb dabei war. Und dass auch in Horb die selben Akten zugrunde gelegt wurden wie in diesem Strafverfahren. Richter Karlheinz Münzer entschied, dass die Gerichtsakten aus Horb per Fax heute bis 12 Uhr bei allen Verteidigern eingehen. Und das sie einen Dolmetscher bekommen, der Mohammed O., der angeblich kein Deutsch versteht.

Riechers Mieterin sagt aus

Dann kommt die Frau, die über Michael Riecher wohnte, herein. Die 33-Jährige sagt über das Opfer: "Vor drei Jahren habe ich ihn kennengelernt. Am Anfang war Michael sehr direkt. Wenn er etwas wollte, hat er es sehr dominant angesprochen. Doch als wir etwas rund um das Internet abgeklärt hatten und ich ruhig und sachlich, aber bestimmt geblieben bin, hat sich unser Verhältnis verbessert. Auch über meinen kleinen Sohn kamen wir in eine gute Beziehung. Das war eine freundschaftliche Bekanntschaft. Er war recht fröhlich, hat immer Witzchen gemacht oder geneckt."

Ihr war aufgefallen, dass Riecher immer die Terrassentür und auch die Haustür aufließ, um von dort aus bequem in sein Büro zu kommen. Die Zeugin: "Das habe ich auch angesprochen, weil ich Angst hatte, irgendwann steht ein Mann auch in meiner Wohnung. Doch er hat nur alles abgeschlossen, wenn er mehrere Tage weg war."

Riecher habe mit ihr auch über seine Lungenkrankheit gesprochen: "Er hat gesagt: ›Ich darf keine Erkältung abgekommen, dann bin ich tot.‹ Er hat zwar die Getränkekisten in seine Wohnung geschleppt, aber immer wieder Pause gemacht. Und dann mit den Ellenbogen auf den Knien tief geatmet."

Mohammed O. kannte die Zeugin bereits vorher – sie hatte in einer Gastronomie gearbeitet, in der er Stammgast war und mit seinen Freunden Billard spielte: "Er spricht gutes Deutsch, hat uns von seiner Flucht erzählt. Das er im Gefängnis war und sein Vater ihn freigekauft hatte." Später sah sie auch O., der zunächst in der gleichen Straße wohnte, immer öfter zusammen mit Riecher. "Er hat für ihn Gartenarbeiten übernommen oder im Offizierscasino gearbeitet."

Zeugin hörte ein Poltern

Am Freitagmorgen –­ dem Tattag –­ hatte sie Riecher zuletzt gesehen: "Wir haben nur kurz auf der Treppe gesprochen. Weil ich Bronchitis hatte, hat ich gesagt: Ich bin krank, bleib bloß weg."

Weil sie Fieber hatte, schlief sie zunächst. Wachte dann "zwischen 20 und 22 Uhr" auf: "Ich liebe Navy CIS. Das guck ich so gerne." Während einer der Folgen lief – um 20.15 Uhr Nacy CIS L.A. "Schuld daran ist Rio" und danach um 21.15 Uhr Navy CIS New Orleans "Die Todesliste" – hörte sie ein Poltern. "So, als ob mein Sohn vom Stuhl springt, auf die Knie und Hände fällt." Danach hat sie noch gehört, wie die Terrassentür von Riecher zufällt. Das sei "zwischen 15 bis 60 Minuten später" gewesen. Waren die Täter also noch länger am Tatort auf der Suche nach Beute?

Mohammed O. klingelt

Am nächsten Morgen gegen 9.30 Uhr klingelte Mohammed O., so die Zeugin: "Er sagte, er erreicht Michael nicht, obwohl sie einen Termin haben. Ich habe ihn zunächst über die Gegensprechanlage abgewimmelt."

Kurz vor 10 Uhr klingelte O. wieder: "Er sagte, er mache sich Sorgen. Auf sein Drängen hin machte ich auf."

Auf der Treppe erzählte der syrische Flüchtling, so die Zeugin, dass er mit Riecher mal auf dem Friedhof war. Und dass Riecher geäußert hätte, dass er bald sterben müsse.

Im Flur habe Mohammed O., der mit einem anderen Flüchtling kam, noch einmal versucht, Riecher anzurufen. O. habe dann gefragt, ob man die Polizei rufen sollte. Doch die Mieterin wollte keine Zeit verlieren. "Ich machte die Tür einen Spalt auf und rief rein. Dann öffnete ich die Tür mehr, doch es kam ein Widerstand." Ihre Stimme wird tränenerstickt: "Michael lag auf dem Boden. Direkt hinter der Tür. Er hat sich nicht gerührt. Michael lag auf dem Rücken, Jeans und Unterhemd an. Hände und Arme von sich gestreckt. Sein Kopf und die Hände waren bereits blau angelaufen. Ich habe auch im Krankenhaus gearbeitet – ich habe gesehen, dass er tot ist." Dann kam Mohammed O. hinein und fasste Michael an den Kopf. Er habe gesagt: "Ich habe ihn angefasst. Ich habe ihn angefasst! Ich muss mir die Hände waschen!" Sie habe ihn dann beruhigt. "Das ist doch ganz normal, dass es zu Berührungen kommt." Sie habe ihm ein Feuchttuch gegeben.

Sie sagte O., er soll den Notarzt anrufen. Doch er weigerte sich, das mit seinem Handy zu tun. Die Zeugin geht hoch und setzt mit ihrem Festnetztelefon den Notruf ab.

Später lässt der Richter die Aufzeichnung des Notrufs abspielen. Aufnahmedatum: 2. November 2018, 10.04 Uhr und 51 Sekunden.

O. verhält sich merkwürdig

Richter Münzer will wissen, wie der Gemütszustand von O. beim Auffinden der Leiche war. Die Zeugin: "Er war aufgeregt. Als er das Gesicht von Riecher anfasste, war sein Gesichtsausdruck so wie ›Oje‹. Und als der Notarzt davon sprach, dass man die Polizei rufen müsse, wirkte er ein bisschen geschockt. Er fragte: ›Warum?‹. Ich fand seine Reaktion komisch." Auch der Notarzt schildert in seiner Vernehmung (siehe auch Text unten), dass O. und sein Bekannter auf ihn einen "komischen Eindruck".

Die Mieterin erzählt, dass sie dann Mohammed O. und seinen Begleiter aus der Wohnung des Opfers geleitet hatte. "Ich meine, ich habe uns alle vor die Tür gesetzt. Ich musste ihm versichern, dass ich mich melde, wenn ich etwas Neues weiß!"

Am Tag vorher hatte die Zeugin noch gesehen, wie Mohammed O. und das Opfer sich dort getroffen haben. Wie immer parkte der syrische Flüchtling sein weißes Auto vor der Lücke in der Hecke, ging mit Riecher in das Haus: "Sie gingen hinten in die Büroräume rein. Er hat mit uns auf dem Balkon geschäkert."

An dem Tag vor der Tat –­ an der laut der vor dem Amtsgericht Horb verlesenen Aussage von Iyad vor der Polizei –­ Mohammed O. und Iyad schon versucht haben sollen, das Opfer zu überfallen, also ein Treff in Riechers Haus.

Dann schildert die Zeugin noch, wie es einen Streit gegeben hat: "Ich habe gehört, wie Riecher telefoniert hat. Die Tür war offen. Er hat gesagt: Verschwinde aus meinem Haus. Ich meine, er hat mit O. gesprochen. Weil es auch im Renovierung ging."

Opfer war penibel

Und wie war das Opfer? Die Zeugin: "Er war sparsam, sehr minimalistisch. Die Wohnung war genügsam eingerichtet. Er hat immer beim Lidl eingekauft und mich gefragt, ob er mir was von den Sonderangeboten mitbringen soll. Dass er vermögend war, wusste jeder. Mir hat er auch erzählt, dass er Gold gekauft hätte." Er sei auch sehr penibel und etwas pedantisch gewesen. "Ich habe für ihn auch geputzt und da hat er mir zum Beispiel gezeigt, in welcher Art und Richtung ich den Wohnzimmertisch abwischen sollte."

Ob sie bei ihrer Hilfe einen Safe gesehen hätte, fragt der Richter. Die Zeugin: "Ich habe nur die Böden gemacht und Staub gewischt. Einen Safe habe ich nicht gesehen."

Dann ist die Vernehmung zu Ende. Mohammed O.s Verteidiger Alexander Hamburg gibt eine Erklärung ab: "Die Zeugin hat zwischen 20.15 und 22 Uhr ein Poltern gehört. Zwei bis drei Geräuschen hintereinander. 15 Minuten bis eine Stunde danach das Geräusch der Terrassenschiebetür. Somit steht fest, dass die Terrassentür nach 22 Uhr bewegt wurde. Da hat Riecher noch gelebt oder die Täter sind entkommen. Es lässt sich nachweisen, das Mohammed O. in diesem Zeitraum bei einer Jet-Tankstelle und bei McDonalds war." Die nächsten Jet-Tankstellen im 25 Kilometer-Umkreis von Horb sind in Nagold oder Rottenburg.

Mehr zum Mord in Nordstetten finden Sie auf unserer Themenseite.

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