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Horb a. N. Mord in Nordstetten: Zeugin deckte Ausgrabung auf

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Der Fingerabdruck des Angeklagten Mohammed O. konnte außen an der Terrassentür zum Bürotrakt gesichert werden. Foto: Archiv-Foto: Lück

Rottweil/Horb - Es ist das große Rätsel in dem Prozess um die Ermordung des Immobilienkaufmanns Michael Riecher: die "große Beute", die möglicherweise im Komposthaufen des Hauptangeklagten Mohammed O. vergraben war. Jetzt sagt die Frau (74) aus, die das Ganze aufgedeckt hatte.

Es ist schon ein Phänomen mit Zeugen im Riecher-Prozess. Der Friseur Hesham A. ließ sich durch die Fragen der Verteidigung so aus der Bahn bringen, dass er völlig ins Schleudern kam. Und er jetzt auf seine Aussagefähigkeit begutachtet wird.

Die 74-jährige Zeugin, die vielleicht das Ausgraben einer mutmaßlichen größeren Beute am 4. Januar aufgedeckt hat, ist dagegen ganz anders: Selbstbewusst, klare Aussage, räumt aber ein, sich inzwischen nicht mehr an jede Einzelheit zu erinnern.

Die Rentnerin: "Im Laufe des Vormittags habe ich aus dem Fenster geguckt. Mir ist ein Auto aufgefallen. Es stand vor der Volksbank. Da standen zwei bis drei Männer vor dem Auto. Ich bin dann spazieren gegangen, sie haben mich auf der Fabrikstraße überholt. Sie sind dann in die Hohlgasse. Sie sprachen gutes, akzentfreies Deutsch, sahen aber südländisch aus. Wie Iraker, Iraner oder so."

Zeugin sah die Männer immer wieder

Sie sah die Männer immer wieder. Darunter am Nachmittag einen vierten Mann, der von der Volksbank am Elternhaus des Mordopfers Michael Riecher vorbeigelaufen ist und den sie später noch mal am Papierladen traf. Er hatte helle Haare, wurde auch von ihr fotografiert. Leider unscharf. Die Zeugin ist sich sicher: "Er ist drei Mal hin und hergelaufen – die Strecke von der Volksbank über die Hohlgasse hinaus." Von dort aus kann man sowohl den Garten, die Wohnung, in der Mohammed O. gewohnt hatte, sowie den Hintereingang mit Ökonomiegebäude einsehen. Die Zeugin: "Das ist der vierte Mann. Den sah ich danach nicht mehr."

Zwischendurch war der grüne Polo weggefahren und ist wieder aufgetaucht. Dann ging die Zeugin an dem Auto vorbei und fotografierte es: Der VW hatte ein Ludwigsburger Kennzeichen. Dann telefonierte sie mit einem Angehörigen. Schnell kam das Thema auf den Mord an Michael Riecher. Damals war bekannt, dass der zweite, in U-Haft sitzende mutmaßliche Täter Iyad B. seinen Wohnsitz in Ludwigsburg hatte.

Am Spätnachmittag beobachtete die Zeugin, wie drei Männer hinter der Tanne auf dem Marktplatz standen. Einer malte im Schnee mit dem Fuß ein Viereck. Dann verwischte er es. Die Zeugin: "Da hatte ich ein merkwürdiges Gefühl. In dem Moment, wo das Viereck aufgemalt wurde, hat es vielleicht 15 Minuten gedauert, bis zwei Männer mit einer Sporttasche losgelaufen sind. Einer hatte die Tasche mit Henkel zusammengefaltet vor der Brust." Dann rief sie noch mal bei der Polizei an: "Ich habe gesagt, jetzt müsste mal wirklich jemand von der Polizei kommen und gucken, was da los ist. Das ist nicht normal!"

Dann tauchte die Polizei auch auf. Eine Streife. Parkte den Mannschaftsbus so, dass die Zeugin den verdächtigen grünen Polo nicht mehr sehen konnte. Der Polizeibeamte, der vor genau zwei Wochen im Schwurgerichtssaal ausgesagt hatte, berichtete, dass seine Kollegin und er Emrah Ö. angetroffen hatten – er telefonierte. 20 Minuten später, so der Polizist, kamen die beiden anderen Männer – ohne Sporttasche, aber mit völlig verdreckten Schuhen und nassen Hosen. Wie die Polizei später feststellte, müssen beide wohl am Komposthaufen neben O.s Wohnhaus ausgerutscht sein.

Polizei mehrere Male angerufen

Im Gerichtssaal sagt die Zeugin, dass sie die Polizei mehrere Male angerufen habe. Einmal gegen 12.50 Uhr – um verdächtige Männer zu melden. Dann nach 17 Uhr. Oberstaatsanwalt Chistoph Kalkschmid will wissen, ob die Zeugin beim zweiten Anruf beim Polizeirevier Horb einen Zusammenhang zum Haus – in dem der jetzt angeklagte O. wohnte – hergestellt hatte. Die Zeugin: "Ich weiß nicht, ob ich das gesagt habe. Bei der Polizei war ich ein bisschen aufgeregt." 

Fakt ist: Der Polizeibeamte, der vor Ort war und mit seiner Kollegin dann den ausgebuddelten Komposthaufen gefunden und die Kripo in Rottweil alarmiert hatte, erinnerte sich in seiner Dienstzeit zwischen 13 und 19 Uhr an zwei Anrufe der Zeugin: Einen um 16.20 Uhr und noch einen gegen 17.30 Uhr.

Oberstaatsanwalt Kalkschmid fragt: "Es wurde einiges berichtet über den Fall. In einem Artikel berichten Sie von fünf Männern. Wie kommen sie auf die Zahl?"

Die Zeugin: "Auf dem Platz hinter der Tanne habe ich drei gesehen. Einer muss am oder im Auto geblieben sein. Dann der eine, der nicht mehr da war. Das wären dann fünf Männer." Auf Nachfrage kann sie aber nicht beantworten, ob sie zu der Zeit einen Mann im Auto gesehen hat: "Die waren ständig in Bewegung. Deshalb kamen die Männer mir ja so auffällig vor!"

Am Tatort nur ein Fingerabdruck des Angeklagten O. gefunden

Die Polizei hatte im Nachhinein drei Männer ermittelt. Emrah Ö. wurde in Handschellen im Schwurgerichtssaal vorgeführt und berief sich auf sein Aussageverweigerungsrecht. Er hatte gemeinsam mit Mohammed O. in der JVA Rottweil gesessen. Die Tasche, die mutmaßliche "große Beute" – bis heute verschwunden.

Auch bemerkenswert: Am Tatort wurde nur ein Fingerabdruck des Angeklagten O. gefunden: an der Terrassentür außen zum Bürotrakt (Foto). Ein weiterer war am Beifahrerholm des Jaguars des Opfers. Allerdings gibt es auch Spuren, die auf Handschuhabdrücke hinweisen könnten, so die Fingerabdruck-Expertin des BKA. Auch auf den "blutverdächtigen Antragungen", die an der Wand des Bürotraktes nebst nicht verwertbaren Fingerabdrücken gefunden wurden, sind Abdrücke, die auch von Handschuhen stammen könnten.

Mehr zum Mord in Nordstetten lesen Sie auf unserer Themenseite.

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