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Horb a. N. Mord in Nordstetten: War Beute deutlich größer?

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Hinter dem mittlerweile abgerissenen Elternhaus von Michael Riecher sollen Männer aus dem Kreis Ludwigsburg Anfang Januar nach etwas gesucht haben. Suchten sie möglicherweise Beute aus dem Raub? Foto: Archiv

Horb - Für 3000 Euro musste Michael Riecher sterben. Das ist die offizielle Version der Staatsanwaltschaft. Doch war das Diebesgut in Wirklichkeit höher? Dementiert wird das nicht. Und das hat wohl mehrere Gründe.

Der Prozess gegen den "Friseur" - also den Mitwisser des Raubplans - vor dem Horber Amtsgericht am Dienstag - brachte einige Details ans Tageslicht, die der Hauptprozess in Rottweil gegen die beiden Hauptangeklagten noch nicht offenlegte. Während vor dem Landgericht bisher die Verteidiger mit Anträgen den Verlauf bestimmten, sagten der Angeklagte und Zeugen aus - unter anderem auch über mögliche Gold-Geschäfte.

Es sei bekannt gewesen, dass Riecher vermögend gewesen sei und dieses Vermögen auch daheim aufbewahrt habe, erklärte der 44-jährige "Friseur". Unter anderem soll der am 2. November ermordete Unternehmer auch Gold in seinem Safe aufbewahrt haben. Das soll Mohammed O. bei der Planung des Verbrechens berichtet haben.

Die Beute soll aber "nur" 3000 Euro betragen haben. Ist das glaubwürdig? Angegeben hat diese Summe laut Staatsanwaltschaft Iyad B., der ebenfalls wegen Mordes angeklagte Komplize von Mohammed O. An dieser Aussage kann man zumindest zweifeln. Denn die Täter hatten eine größere Beute im Blick. Viel Geld und Gold hatte O. versprochen, als er seine Pläne unterbreitete. Der "Friseur" berichtete am Dienstag, dass O. behauptet hatte, dass er für Riecher Gold im Wert von 10.000 Euro auf dem Schwarzmarkt besorgt habe.

Staatsanwaltschaft schließt größere Beute nicht aus

Kann es dann sein, dass die Täter wirklich nur mit 3000 Euro den Tatort verließen? Kann man den Erzählungen des 44-jährigen H. glauben, so schloss O. den Tod seines "väterlichen Freundes" nicht aus. Wegen seiner Lungenkrankheit könne die Aufregung durch den Überfall tödlich sein. Der Syrer soll schließlich Riecher erwürgt haben. Danach konnten die Täter wohl ungestört in der Wohnung nach Wertsachen suchen. Hatten sie zuvor den Zugang zum Safe "erpresst"? Wie der Tatort vorgefunden wurde, ist bisher noch nicht offengelegt.

Im Gespräch mit unserer Zeitung dementiert Oberstaatsanwalt Christoph Kalkschmid nicht, dass es sich um mehr als die 3000 Euro handeln könnte. "Wir wissen von dieser Summe bisher aus der Aussage von Iyad B. Vielleicht bringt der Prozess noch etwas anderes zutage", erklärt er und lässt damit Raum für Spekulationen.

Gewinnt Vorfall größere Bedeutung?

Gewinnt dadurch auch der in Nordstetten gemeldete Vorfall vom Freitag, 4. Januar 2019, wieder eine größere Bedeutung? Mehrere Männer – drei bis fünf, so Zeugen – waren damals einige Stunden in Nordstetten, im Umkreis des Elternhauses von Riecher, in dem Mohammed O. zuletzt mit seiner Frau lebte, unterwegs. Immer wieder kehrten sie zu ihrem Auto zurück, das sie an der Volksbank abfahrbereit in Richtung der Straße abgestellt hatten. Das Autokennzeichen: LB für den Landkreis Ludwigsburg. Möglicherweise ein Zusammenhang zu Iyad B., der zuletzt in Ludwigsburg lebte?

Nach irgendetwas schienen die Männer zu suchen. Nach Hinweisen an die Polizei aus der Bevölkerung kam es schließlich zur "umfangreichen Personenkontrolle", wie ein Polizeisprecher auf Anfrage bestätigt. Die Männer aus den Bereichen Ludwigsburg/Leonberg seien bei der Polizei keine Unbekannten, verriet damals der Polizeisprecher. Auf die Frage, ob es einen Zusammenhang zum Verbrechen in Nordstetten gebe, antwortete er: "Dazu können wir aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nichts sagen."

Doch kurz nach der umfangreichen Personenkontrolle wurde auch die Kriminalpolizei wieder aktiv. Noch am Freitagabend leuchtete sie Riechers – mittlerweile abgerissenes Elternhaus – mit blauem Licht aus, das auf Spurensicherung hinwies. Auch am Wochenende danach waren Polizisten in Zivil im Garten und auf dem benachbarten Gelände des ehemaligen Fabrikgebäudes aktiv.

Im Kompost gebuddelt?

Möglicherweise, so hieß es im Umfeld, könnten die Männer hier etwas ausgegraben haben. Mittlerweile gibt es sogar konkretere Äußerungen aus dem Umfeld: Im Kompost hinter dem Haus sei gebuddelt worden. War hier etwa Gold oder andere Beute vergraben?

Hat dieser Vorfall noch eine Bedeutung für den Fall? Könnte so sein. Denn Oberstaatsanwalt Kalkschmid verneint das zumindest nicht. "Das ist ein laufendes Verfahren. Ich kann dazu nichts sagen", erklärt er. Ein klares Dementi klingt anders.

Wenn von Goldschmuggel und Gold-Schwarzmarkt die Rede ist, dann geht es zumeist um die illegale oder zumindest nicht deklarierte Einfuhr von Gold, die laut des Online-Portals "gold.de" vor allem "in Ländern mit einer starken Goldnachfrage und hohen Kosten für die Einfuhr (Zölle, Steuern) in großem Umfang stattfindet".

Deutschland sei zwar nicht gerade ein internationales Zentrum des Goldschmuggels, andererseits sei aber auch hierzulande die illegale Einfuhr keine Seltenheit. "Meist handelt es sich bei den entdeckten Fällen um Gold, das von Urlaubern aus arabischen Ländern oder aus der Türkei mitgebracht wurde", heißt es auf gold.de. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Schmuckstücke.

Warum wird Gold in Deutschland geschmuggelt?

Doch warum wird Gold in Deutschland geschmuggelt? Zwar seien oft geringe Mengen steuerfrei einzuführen, in Deutschland zum Beispiel Gold im Wert von 430 Euro. Allerdings seien dieser Freibetrag angesichts der hohen Goldpreise sehr schnell erreicht, erklären die Experten. In der Schweiz machte 2016 ein Vorfall Schlagzeilen, als ein im Schmuckhandel tätiger Schweizer mit dem Versuch scheiterte, Goldmünzen und Goldschmuck im Wert von rund 60.000 Franken am Zoll vorbei in die Schweiz zu schmuggeln. Er reiste aus der Türkei ein.

Eine weitere Form des Goldhandels auf dem Schwarzmarkt stellt aber auch der illegale Handel mit Diebesgut dar.

Mehr zum Mord in Nordstetten finden Sie auf unserer Themenseite.

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Florian Ganswind

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