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Horb a. N. Mord in Nordstetten: Keine Ermittlungspanne

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Der Angeklagte Mohammed O. habe sich vor allem durch sein Grinsen verdächtig gemacht, so ein Kripo-Beamter in seiner Aussage. Foto: Zeichnung: Rainer Simon

Rottweil/Horb - Das Verhalten des Hauptangeklagten Mohammed O. kam den ersten Kripo-Beamten schon komisch vor. Das erzählt ein Ermittler (38) im Riecher-Mordprozess. Bei den ersten Ermittlungshandlungen gab es wohl doch keine Polizeipanne – die Kripo-Profis haben dem Opfer das Unterhemd ausgezogen.

Das war eine der Befürchtungen am Beginn des Prozesses: Hat die hinzugezogene Ärztin zur Leichenschau des Opfers das Unterhemd ausgezogen und dabei Spuren vernichtet? Jetzt – am vergangenen Donnerstag – kam heraus: Das haben die Profis vom Kriminaldauerdienst gemacht. Mit Handschuhen. Das berichtet der 38-jährige Ermittler im Schwurgericht.

Er sagte: "Wir haben als Spätschicht den Fall bekommen. Wir waren um 14.33 Uhr da. Mein Kollege hat den objektiven Part übernommen – also die Untersuchungen mit Handschuhen, ich den subjektiven. Also die Protokollierung und die Lichtbilder. Die Leiche wurde nach dem Tod nicht umgelagert. Wir haben einen Blutfleck auf dem Boden im Wohnzimmer gefunden, mit einem Abdruck wie von einem Socken. Dazu Blutanhaftungen am Griff der Terrassentür. Mein Kollege hat das Hemd des Toten ausgezogen. Die Hose lag woanders – das war wohl entweder der Notarzt oder die Ärztin."

Dann werden die Leichenbilder am Richtertisch gezeigt. Auch die auf den Fotos sichtbaren Gesichtsverletzungen hatten Anfangs für Aufsehen gesorgt. Damals hieß es seitens der Nebenkläger: "Bei solchen Verletzungen – wie kann man da Zweifel an einem gewaltsamen Tod haben?" Der Ermittler klärt auf: "Wir werden im Jahr zu 60 bis 80 Leichenermittlungen gerufen. Das, was wie Verletzungen aussieht, sind oft Eintrocknungen. Wir hatten schon Fälle, in denen wir aufgrund solcher Indizien eine Obduktion angeordnet haben – und da kam heraus: kein gewaltsamer Tod. Diese Leiche ist eine der wenigen, bei der es anders war." 

Warum wurde dann diesmal eine Obduktion angeordnet? Der Kripo-Beamte: "Es kam uns einiges verdächtig vor. Wohnzimmer und Büro waren extrem sauber und penibel aufgeräumt. Im Nebenzimmer hinten rechts ganz anders: Da lagen drei leere Geldbanderolen auf dem Boden. Dazu ein Umschlag mit Aufschrift 2398,20 Euro – der war aufgerissen. Das passt nicht zu einer Leiche, die scheinbar eines natürlichen Todes gestorben zu sein scheint. Unser Eindruck war: Vielleicht hat jemand den Toten entdeckt und die Situation genutzt, um das Geld zu stehlen."

Zunächst gehen Ermittler von 22 Uhr als Todeszeit aus

Aufgrund der Leichentemperaturmessungen war man zunächst von einer Todeszeit um 22 Uhr ausgegangen. Das passt auch zu der Zeugenaussage der Obermieterin, die um diese Zeit einen dumpfen Schlag unter ihr gehört haben will. Der Kripo-Beamte sagt aber auch: "Wenn die Wohnung kalt war – wir haben 18 Grad gemessen – und die Tür war auf, dann können sich die körperlichen Prozesse nach dem Tod verlangsamen." Passt also zu der Annahme der Staatsanwaltschaft, die davon ausgeht, dass das Opfer zwischen 19 und 19.30 Uhr erwürgt worden war.

Gleich verdächtig kam dem Ermittler das Verhalten des inzwischen Hauptangeklagten Mohammed O. vor. Der Kripo-Beamte: "Uns kam es komisch vor, dass er zwar morgens die Leiche gefunden hatte, aber bei unserem Eintreffen nicht da war. Uns hat gewundert: Wenn er so einen guten Draht zum Opfer hat, wie uns die Zwillingsschwester und die Obermieterin vorher erzählt hatten, warum ist er dann nicht allein morgens in die Wohnung gegangen und hat nachgeschaut?"

Dann sind sie zu O. gefahren. Rufen ihn an, weil er nicht da ist. Er kommt aus Tübingen. Der Ermittler: "Er hat erzählt, dass er in Nordstetten mietfrei wohnen darf, dafür für Riecher täglich arbeitet. Einmal hat er 1000 Euro von ihm bekommen, weil er mehr gearbeitet hat. O. hat für Riecher einmal Gold gekauft. Dafür habe er 6000 Euro vom Opfer bekommen. Dann habe er 4000 Euro von ihm bekommen. O. hat erzählt, dass er für Riecher syrische Arbeiter besorgt hatte, die Bau- und Sanierungsarbeiten für ihn übernehmen. Riecher habe ihm dann gesagt: Du bist der Chef, du regelst die Bezahlung."

Und wie war das Verhalten von O. am Tag des Leichenfunds, als er von den KDD-Ermittlern vernommen wurde? Der Kripo-Beamte: "Wir hatten keinen Anfangsverdacht. Was uns aufgefallen ist: O. zeigte keine Trauer. Er hatte immer ein bisschen Grinsen im Gesicht. Unser Eindruck war: Er profitiert vom Tod des Opfers."

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