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Horb a. N. Mord in Nordstetten: Ermittler übersehen Waffenlager

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Neue Hinweise: Auf dem Anwesen des inzwischen abgerissenen Elternhauses des Mordopfers Michael Riecher in Nordstetten waren laut Zeugenaussagen unter einem Holzstapel Waffen und Munition gefunden worden. Foto: Lück

Rottweil - Die Ermittler im Mordfall Michael Riecher haben offenbar Waffen im Schuppen des Hauses übersehen, in dem Mohammed O. gewohnt hat. Er soll Riecher am 2. November durch Erwürgen getötet haben, so die Anklage.

Er ist eigentlich ein jovialer Typ – der 57-jährige Kripo-Beamte, der als Zeuge vor der Kammer sitzt. Er sagt: "Wir haben das Anwesen, in dem O. wohnte, bis auf den Grund durchsucht. Bis auf das blutige Hemd des Opfers haben wir keine relevanten Spuren gefunden."

Die Nebenklägerin ist die älteste Schwester des Opfers. Sie sagt: "Wochen nach der Tat haben wir den Nachbarn das Holz geschenkt, welches im Schuppen gelagert hat. Unter dem Holz kamen Pistolen mit Munition hervor, die die Polizei nicht gefunden hat."

Kristian Frank, Verteidiger von Iyad B: "Ich rüge diese Aussage."

Richter Karlheinz Münzer: "Bei uns ist noch nichts eingegangen, dass dort Waffen gefunden worden." Riechers Schwester: "Ich kann Ihnen die Fotos zukommen lassen."

Münzer: "Die Waffen wären wichtiger!" Die Nebenklägerin: "Mir geht es hierbei darum, zu klären, wie gründlich die Ermittler gesucht haben."

Ist das die nächste Ermittlungspanne im Fall Riecher? Fakt ist: An der Leiche des Opfers wurden keinerlei DNA-Spuren von O. gefunden. Es stellte sich im Laufe des Prozesses heraus, das O. beim Auffinden der Leiche Riecher am Hals berührt hat. Wohl mit beiden Händen.

Allerdings: Nach der Obduktion wurde die Leiche gewaschen. Auch in den Fingernägeln des Opfers –­ keinerlei DNA-Spuren.

Anfang Januar beobachtete eine Zeugin, wie fünf Männer aus Autos mit Ludwigsburger Kennzeichen in Nordstetten ausgestiegen sind. Hier wohnt auch der mutmaßliche Komplize von O., Iyad B. Sie ruft auf dem Polizeirevier Horb an, nichts passiert. Als Stunden später eine Streife kommt, werden nur noch drei Männer befragt und ermittelt.

Die Schwester hatte bereits im Prozess gesagt: "Nachbarn haben beobachtet, wie die Männer den Komposthaufen gegraben haben. Die Polizei kam erst zwei Stunden später. Da waren diese Männer vor der Volksbank und behaupteten, sie hätten dort Fußball gespielt. Meine Vermutung ist, dass der Hauptangeklagte oder der andere Geld oder Goldmünzen mitgenommen und dort versteckt haben. Die Kripo hat das ganze Haus so auf den Kopf gestellt, dass wir es nicht mehr sehen konnten und es abgerissen haben. Der einzige Ort, der nicht durchsucht wurde, war der Komposthaufen. Dort lag die Beute, die von Verwandten aus Ludwigsburg geholt wurde!"

Die neue Panne mit den Waffen zeigt offenbar, dass die Ermittler es wohl versäumt haben, das gesamte Gelände mal mit einem Metalldetektor abzugehen. Dann hätte man zumindest die Waffen unter dem Holz gefunden...

Gab es diese Goldmünzen überhaupt? Oder war vielleicht sogar Bargeld in der Ritterschaftsstraße versteckt, welches später ausgegraben wurde?

In der Anklage wird von gut 3000 Euro Beute gesprochen. Die soll Iyad B. beim Überfall vom Opfer aus der Geldkassette erhalten haben, wie er im Polizeiverhör gesagt hatte.

Jetzt wird öffentlich, dass Michael Riecher dem syrischen Flüchtling kurz vor seinem Tod offenbar sogar 20 000 Euro gegeben hat!

Der joviale Kripo-Beamte erläuterte im Schwurgerichtssaal, was man rund um die Tat in Riechers Kalender –­ den er sehr akribisch geführt hat – für Einträge gefunden hat.

Bisher war bekannt: In O.s Wohnung wurde eine Bestellung über Krügerrand-Goldmünzen zum Preis von knapp 10 000 Euro gefunden. Übergabetermin: 2. November. Der Tattag. In Riechers Kalender klebt an diesem Tag ein gelber Notiz-Zettel: "O. Gold".

Hatte das Opfer dem syrischen Flüchtling noch viel mehr Geld gegeben?

Das legen weitere gelbe Notizzettel nahe.

Am 31. Oktober klebt hier ein Zettel: "O. 20’" Was heißt das? Der Kripo-Beamte: "Dieses Apostroph ist die kaufmännische Schreibweise. Ein Strich bedeutet 10 000, zwei Striche 100 000, drei Striche eine Millionen. "

Die älteste Schwester des Opfers ergänzt als Nebenklägerin: "Ich habe festgestellt, dass mein Bruder kurz vor der Tat zwei mal 10 000 Euro bei der Kreissparkasse abgehoben hat. Es kann sein, dass er dieses Geld O. gegeben hat und dass dieser dafür Gold kaufen sollte."

Der Kripo-Beamte: "Das kann ich nicht interpretieren. Dafür gibt es keinen Beweis."

Auch interessant: Die Kripo fand eine Quittung. Datiert vom 1. Oktober 2018. Text: "MR leiht O. 1000 Euro. Rückzahlungstermin: 30. November 2018." Heißt: Zum Zeitpunkt der Tat hatte Riecher O. 21 000 Euro gegeben. Ob der syrische Flüchtling das Geld wirklich empfangen hat, lässt sich aber bisher nicht beweisen. Wenn O. das Geld in Bar bekommen haben sollte, muss er es nach dem Tod des Opfers nicht zurückzahlen. Schon am 16. Juli gibt es einen Eintrag im Kalender von Riecher, den der Kripo-Beamte als "Tagebuch" bezeichnet: "Kreissparkasse Nordstetten. 6000 Euro für O. geholt."

Wird dieses Rätsel in diesem Prozess gelöst werden könen? Vermutlich nicht. Von den fünf Männern, die eine Zeugin Anfang Januar bei verdächtigen Ausgrabungen an O.s Wohnung beobachtet hatte, konnte die Polizei nur drei ermitteln. Die Zeugin: "Den mit der Tasche haben sie am Auto nicht befragt!"

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