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Horb a. N. Mit Tunneln schneller durchs Neckartal

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Doppelstock-Intercity statt Neigetechnik: Mit diesen Zügen ist die Bahn derzeit auf der Gäubahn unterwegs.Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder Bote

Horb/Rottweil. Seit Jahren wird über die Zukunft der Gäubahn debattiert – und gefühlt geht’s dabei allenfalls im Schneckentempo voran. Das zweite Gleis zwischen Horb und Neckarhausen ist nach wie vor nicht gebaut, und auch der Traum von schnellen Neigetechnik-ICEs ist geplatzt. Dafür sollen nun weitere Tunnel die Strecke beschleunigen, verrät Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) – und auch für den gordischen Knoten zur Anbindung der Gäubahn an den Stuttgarter Tiefbahnhof hat er einen Lösungsansatz.

Horb, Eutingen und die ganzen Gäubahnanlieger interessiert im Moment brennend – wie geht es mit der Gäubahn weiter? Die Landesgrünen und deren Bundestags-Verkehrsexperte Matthias Gastel haben schon Interimsgleise am Stuttgarter Hauptbahnhof gefordert – die Stadt Stuttgart mit dem grünen OB Kuhn wehrt sich dagegen. Was tun Sie?

Ursprünglich war geplant, dass die Gäubahn oder Panoramabahn für wenige Monate unterbrochen wird – bis der neue Anschluss über den Flughafen fertig ist. Inzwischen wissen wir, dass am Flughafen noch gar nicht angefangen wurde zu bauen und der Anschluss dort voraussichtlich mindestens fünf Jahre später kommen wird. Jetzt haben die Deutsche Bahn und der Bund eine neue Lösung ins Spiel gebracht: Dass man in einem neuen Tunnel vom Flughafen Richtung Böblingen fährt und dort in die Gäubahn einschleift. Das Ganze ist ein offenkundig größeres Projekt und dauert viele Jahre. Hier muss noch die Machbarkeit geprüft werden. Ein Tunnel muss gründlich geplant werden, mindestens fünf bis 10 Jahre könnte die Realisierung dauern.

Dann wären doch die Fortführung der Gäubahn bis zum Hauptbahnhof eine Lösung...

Konsens zwischen Stadt, Land und Region Stuttgart ist, dass es neben dem Umsteigebahnhof Vaihingen einen neuen Nordhalt beim heutigen Nordbahnhof geben soll. Darüber hinaus gibt es Forderungen, dass man für die Zukunft die Anbindung der Panoramabahn an den neuen Tiefbahnhof schafft.

Was ist Ihr Vorschlag?

Wir müssen die Panoramabahn – also die Stuttgarter Weiterführung der Gäubahn – unterirdisch an den neuen Bahnhof anschließen. Das heißt nicht: noch tiefer als der Bahnhof, sondern in der halben Höhe. Man würde auf der Verteilebene des neuen Bahnhofs ankommen. Das ist der Vorschlag einer Ergänzungsstation. Da gibt es noch Vorbehalte seitens der Stadt Stuttgart, weil sie sagen: Das stört ihre geplante Bebauung.

Sehen Sie das auch so?

Wir wollen die Pläne der Bebauung der Stadt Stuttgart nicht stören. Es gibt eine längere Übergangszeit, bis die Gleise abgeräumt und die Altlasten beseitigt sind. Für diese Zeitspanne schlage ich vor, dass man den Rohbau für die Ergänzungsstation baut. Diese Idee muss da durch eine Machbarkeitsstudie geprüft werden. Das alles geht nur mit und nicht gegen die Stadt.

Was wäre der Vorteil dieser Lösung?

Die Ergänzungsstation hat drei Vorteile: Einmal ist sie wichtig für eine dauerhafte gute zweite Anbindung der Panorama- und Gäubahn an den Hauptbahnhof. Zweitens ist sie wichtig, weil es noch kein Notfallkonzept für die S-Bahn in Stuttgart gibt. Deren Züge müssen bisher durch den einzigen Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße. Über die Panoramabahn gibt es eine Umfahrungsmöglichkeit. Die Einführung der elektronischen Steuerung der Züge (ECTS) kann die Kapazität steigern, aber nicht verdoppeln. Drittens sollten wir für die Zukunft zusätzliche ÖPNV-Kapazitäten im Nordzulauf vorsehen. Wenn gewünscht wird, dass in Hauptverkehrszeiten mehr S-Bahnen zum Hauptbahnhof kommen, wäre der Ergänzungs-Halt dafür ideal. Es ist im Interesse der Stadt. Sie hat ja nichts davon, wenn es ein schönes neues Wohngebiet gibt und die neuen Viertel von vielen Autos geflutet und verstopft werden. Die Stadt profitiert auch von einer zukunftsfähigen und klimafreundlichen Verkehrslösung.

Wie sehen Sie die Chancen, dass die Stadt Stuttgart Ihrem Vorschlag folgt?

Die Stadt ist Eigentümerin der Fläche. Wir können nicht gegen sie eine solche Station durchsetzen. Deshalb hoffe ich, dass wir über eine Machbarkeitsstudie zeigen können, dass die Ergänzungsstation und die Bebauung aufeinander abgestimmt werden können. Mir ist wichtig, dass der Bahnknoten Stuttgart so noch leistungsfähiger gemacht wird, dass wir das Klimaschutzziel 2050 für den Bahnverkehr im Land auch einhalten können.

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus?

Wir müssen weiter das System Bahn stärken und den Knoten Stuttgart so leistungsfähig wie möglich machen. Ich bin froh, dass Bund und Bahn inzwischen weiterdenken als früher und für Verbesserungen offener sind.

Wie geht es jetzt mit dem Ausbau der Gäubahn weiter?

Es ist gut, dass der Bund sein Ausbaukonzept für das Schienennetz im Fernverkehr am Deutschlandtakt orientiert. Das war vor 20 Jahren nicht der Fall. So ist auch der neue Tunnel am Flughafen für die Gäubahn ins Gespräch gekommen und der neue ­Tunnel im Norden von Feuerbach. Dort fehlen im Anschluss an die Neubaustrecke Mannheim und Stuttgart fünf Kilometer Gleis. Dieses fünfte und sechste Gleis durch die neuen Tunnel braucht man, um im Deutschland-Takt Verbesserungen umsetzen zu können.

Und was soll auf der eigentlichen Gäubahn passieren?

Inzwischen gibt es ein neues Ausbaukonzept. In einer ersten Baustufe der etwa elf Kilometer lange Tunnel vom Flughafen Richtung Böblingen. In einer zweiten Baustufe weitere Tunnel nördlich von Sulz und nördlich von Rottweil. Dadurch sollen einige Streckenabschnitte, die jetzt langsam sind, verbessert werden. Aber das ist aufwendig und teuer, in der Summe ergeben sich Kosten von rund 1,5 Milliarden Euro. Das Ziel ist: Einen Ausbauzustand zu erreichen, dass in Zukunft im Stundentakt ein Intercity fahren kann, und das schneller als heute.

Bundestagsabgeordenter Matthias Gastel hat eine schnelle Entscheidung gefordert, ob die Gäubahn für die Neigetechnik ausgebaut werden soll oder für Hochgeschwindigkeit. Wie ist der Stand?

Die Entscheidung gegen die Neigetechnik ist bereits gefallen. Seit einiger Zeit gibt es dafür die Absage des Bundes. Weder sollen Neigetechnik-Züge eingesetzt noch die Gäubahn für die Neigetechnik ausgebaut werden. Jetzt macht der Bund unter anderem mit dem Flughafentunnel einen Vorschlag, wie er die Zeitersparnis ohne Neigetechnik umsetzt. Jetzt sollten wir uns dafür einsetzen, dass die neuen Vorschläge bald umgesetzt werden.

Verzögert sich der Ausbau der Gäubahn dadurch?

Das befürchte ich. Jetzt gibt es neue Vorschläge, wie man die Gäubahn aufwendiger ausbaut. Und das Spiel beginnt von vorne. Die Umsetzung des neuen Gäubahnkonzeptes wird dauern. Man hat ja Erfahrungen und weiß, dass größere Tunnelprojekte jahrelang geplant werden. Und die Realisierung braucht ebenfalls Jahre.

Wird der neue Ausbau wirklich Hochgeschwindigkeit bringen?

Hochgeschwindigkeit sehen die bisherigen Vorschläge von Bund und Bahn nicht vor. Das ist auf der Gäubahn auch nicht möglich und war nie vorgesehen. Die Gäubahn wird zur internationalen Strecke zwischen Stuttgart und Zürich. Mit dem neuen Ausbaukonzept werden die Züge nicht 260 km/h fahren, aber überall, wo die Strecke ausgebaut ist, bis zu 200 km/h – das ist viel schneller als heute. n Die Fragen stellte Jürgen Lück.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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