Eins, zwei, drei, vier... Anmarsch zur "Cold Water Challenge" über die historische Pfahljochbrücke. Foto: Morlok

Musikverein Betra stellt sich einer "Cold Water Challenge". Im kühlen Nass den "Schweizer Etappenmarsch" intoniert.

Horb-Betra - "Einmal um die ganze Welt" sang einst Karel Gott, und genauso fühlt man sich, wenn man derzeit zu normalerweise verhältnismäßig einfach anzufahrenden Zielen wie der Pfahljochbrücke bei Neckarhausen möchte.

Durch eine Umleitung hier, ein Umleitung da und eine ganz gesperrte Straße dort lernt man schon auf recht seltsamen Wegen seine nähere Umgebung kennen.

Aber wenn ein ganzer Musikverein so richtig schön baden geht, dann ist das schon die Mühe wert. Hat man dann im abendlichen Feierabendumleitungsverkehr so manches "long vehicle" (Bulldog mit Anhänger) überholt, sämtliche Ortsdurchfahren blitzfrei überstanden, dann kann’s ja bis zur "Cold Water Challenge" (Kalt-Wasser-Herausforderung) nicht mehr weit sein. Nur noch den Rückstau von Betra runter ins Neckartal, verursacht durch ein gemächlich vor sich hin tuckerndes "Vehicle" mit aufgezwungener Gelassenheit überstehen und den beiden Herren, die drei Kanus hinter sich herziehend den Feldweg entlangmarschieren, folgen, schon ist man am Ziel. "Das Ziel liegt an einer nichtbefahrbaren Straße" hätte spätestens jetzt die Navi-Lady aus dem Radiolautsprecher gestöhnt und völlig recht gehabt. Einmal Feldweg komplett zugeparkt – da hilft nur eins, rückwärts in den Acker und die restlichen Meter zu Fuß zurücklegen. Aber dann ist man am Ziel! Challenge erledigt! Nicht wirklich, denn es ging eigentlich nicht um die Anreise, sondern um die Herausforderung, der sich die Musiker/innen der "Harmonie Betra" stellen wollten.

Als "Cold Water Location" hatten sie eine wasserumspülte Sandbank mitten im Neckar, ganz in der Nähe der Pfahljochbrücke ausgesucht, wo sie ihre "Challenge" annehmen wollten. Da es in Betra keinen Brunnen oder ein anderes, ähnliches, wasserführendes Behältnis gibt wie anderenorts, in das der größte Teil des Musikvereins reingepasst hätte, zog man von Organisatorenseite eben diese etwas gewagtere Option vor und legte damit gleichzeitig die Messlatte für die anderen Vereine ein ordentliches Stück nach oben.

Warum steigt aber ein gesamter Musikverein samt Instrumenten in den Bach und intoniert dort den "Schweizer Etappenmarsch"? So ganz freiwillig kamen die Musikanten nicht auf diese Idee. Derzeit grassiert in den Sozialen Netzwerken eben dieses "Cold Water Challenge"-Kettenspiel. Ein Musikverein nominiert dabei zwei bis drei andere, die irgend eine Aufgabe, in der die beiden Eckpunkte Musik und Wasser vorkommen, erfüllen müssen. Innerhalb von zwei Wochen nach ihrer Nominierung müssen dann die Vereine ihre Herausforderung abarbeiten und dies per Film als Beweis ins Netz stellen. "Wir sind vom MV Reichenbach/Gengenbach nominiert worden", erklärte Orchestersprecher Stefan Schäfer. "Wenn wir die Aufgabe nicht gelöst hätten, dann hätten wir die Reichenbacher Musikkameraden/innen zur Grillparty nach Betra einladen müssen".

Für einen schwäbischen Verein ein Ding der Unmöglichkeit. Da stellt man sich lieber mit Badkapp, Schwimmreifen und Instrument in den wilden River Neckar und erlebt hautnah, was unter "Cold Water" zu verstehen ist. Besonders der Mann an der Tuba, Anton Schäfer, kann ein Lied davon singen. Blasen kann er dieses Lied derzeit jedoch nicht, da er samt Instrument im Dreier-Kajak kenterte und ein kühles Vollbad nahm. Egal, die Aufgabe war erfüllt, die Tuba gefüllt, ein paar weitere Damen und Herren ebenfalls pitschnass und mit den Musikvereinen Wiesenstetten, Dießen und Horb drei weitere Kandidaten für die "Cold Water Challenge" zum nassen Jux dienstverpflichtet.

Der nasse Klamauk geht weiter und mal sehen, welche Ziele es noch anzufahren gilt.