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Horb a. N. "Milde" Strafe mit harten Folgen

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Nach der "gelb-roten Karte" durch die erste große Jugendkammer in Rottweil flossen die Tränen: Die Mutter umarmt weinend Karsten (20), der Vater klopft Rainer (24) auf den Hinterkopf. Denn die beiden aus der "Drogenbande vom Haugenstein" sind noch einmal glimpflich davon gekommen.

Rottweil/Horb. Saal 201, 17.31 Uhr. Der Justizwachtmeister beugt sich zu Rainer runter, schließt die Fußfessel auf. Karsten (Namen geändert) ist etwas später dran. Gut 25 Minuten nach dem Urteil sind die beiden Marihuana-Händler nach sechs Monaten Untersuchungshaft in Stuttgart-Stammheim wieder frei.

Und damit haben sie noch Glück gehabt, so betont Richter Karlheinz Münzer: "Sie sind nachhaltig durch die Untersuchungshaft beeindruckt. Beide haben eingesehen, dass sie eine Langzeit-Therapie benötigen und haben die Schritte dazu schon in die Wege geleitet." Der Richter appelliert an die Brüder: "Nutzen Sie beide die Chance, nach der Therapie Ihrem Leben eine Wende zu geben. Halten Sie sich von Freunden fern, die Drogen konsumieren."

Was war passiert? Karsten und Rainer waren Teil einer Drogenbande. Aufgeflogen sind sie wegen einer Messerstecherei in Sulz. Dort ging es um Drogen. Einer packte aus, dass er sein Marihuana immer von Karsten beim Heizkraftwerk auf dem Haugenstein gekauft hatte. Die Polizei setzte einen verdeckten Ermittler ein. Beim Kauf von 500 Gramm Hasch auf dem Real-Parkplatz am 6. Februar diesen Jahres klickten die Handschellen bei Karsten und seinem Bruder.

Bei den Ermittlungen der Polizei wurde deutlich: Beide waren Teil einer Drogenbande. Im Keller unter ihrer Wohnung wurden Videos gedreht, die zeigen, wie Marihuana verpackt, Joints gedreht und weißes Pulver portioniert wird. Einer zerreißt sogar einen 50 Euro Schein. Karsten wurde in einem mannshohen Cannabis-Feld fotografiert (wir berichteten). Richter Münzer im Urteil: "Die Bilder, die wir gesehen haben, waren eindrücklich. Sie zeigen, wie tief beide verstrickt waren."

Es sah also vor dem Urteil nicht gut aus für die Brüder. Allerdings: Schon vor dem Prozess hatte es einen Verständigungsversuch zwischen den Verteidigern und der Staatsanwaltschaft gegeben.

Und dieser Faden wurden in der Verhandlung am Donnerstag wieder aufgenommen. Richter Karlheinz Münzer hatte noch gesagt: "Ich erwarte schon eine eindeutige Einlassung zu den gehandelten Mengen. Ein schlankes Verteidigergeständnis reicht mir nicht aus."

Nach den nicht-öffentlichen Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen und der Jugendgerichtshilfe reicht es dann doch. Richter Münzer: "Das Geständnis wird aufgrund der Gutachten und der daraus erkennbaren Persönlichkeitsstruktur nur über die Verteidigung erfolgen."

Der Staatsanwalt betont in seinem Plädoyer, dass sich die Verkaufsmenge von Karsten gesteigert hatte: "Von Oktober bis Januar hat er sich von 25 auf 250 Gramm hochgearbeitet. Als der verdeckte Ermittler der Polizei dann 500 Gramm für 3800 Euro haben wollte, hat das die Tat sicherlich gefördert." Die Verteidigung hatte noch erwähnt, dass der verdeckte Ermittler Karsten sechs Mal angerufen hatte.

Dann die Geständnisse: Karsten gibt über seine Verteidigerin zu, dass er 17 Mal Drogen verkauft hat – darunter sieben Mal in "Nicht geringer Menge". Zudem erklärt er, dass er bei einem Deal einen geladenen Schreckschussrevolver dabei hatte, den er dem Täter aus der Sulzer Messerstecherei gezeigt hatte –­ das ist bewaffnetes Handeln mit Betäubungsmitteln.

Rainer gesteht: Er sei bei zwei Deals dabei gewesen und habe bei einem Deal ein Einhandmesser in der Tasche gehabt.

Dann soll Karsten erklären, dass er sich mit einer Langzeit-Therapie gegen seine Drogensucht einverstanden erklärt. Schon mit 14 hatte er mit Marihuana begonnnen, zuletzt Aufputschmittel genommen und mit Kokain angefangen.

Die drohende Abstinenz – sie scheint dem 20-Jährigen sichtlich schwer zu fallen. Seine Augen füllen sich mit Tränen, er schluchzt. Sagt dann "Ja" zur Langzeittherapie.

Schließlich das Urteil: Karsten darf sich ein halbes Jahr nichts zu Schulden kommen lassen – die sogenannte Vorbewährung. Hält er sich daran, ist seine Bewährungsstrafe nach zwei Jahren zu Ende.

Richter Münzer: "Es ging richtig los mit Karstens Problemen, als er 14 bis 15 Jahre alt war. Dann passiert die Blaupause: Schule schwänzen, Schule schmeißen, schnell Geld für den Führerschein verdienen. Welche Folgen früher Cannabiskonsum auf das jugendliche Hirn hat, sehen wir hier immer wieder."

Rainer bekommt zwei Jahre auf Bewährung. Beide Brüder müssen bis zu Therapie-Antritt regelmäßig zur Suchtberatung und mindestens einmal im Monat eine Urinprobe abgeben.

Kann man nur hoffen, dass die beiden von der Drogenbande vom Haugenstein clean bleiben. Ein ehemaliger Arbeitskollege: "Als Rainer seinen Führerschein wegen Drogen verloren hatte und ihn nach der MPU dann wieder bekam, hatte er am nächsten Tag schon wieder rote Augen von den Drogen."

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