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Horb a. N. Milde Strafe für untypischen Drogen-Dealer

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Der Mann hat eine geordnete Vita - ein typischer Dealer sei er nicht. Foto: © strlov – stock.adobe.com

Horb - Den wichtigsten Satz über den Angeklagten, so könnte man es nennen, spricht in diesem Verfahren vor dem Amtsgericht Horb ein Kriminalbeamter. Der Satz ist kurz und bündig: "Ein typischer Dealer ist er für mich nicht."

Kein Zweifel: Die Einschätzung des ermittelnden Beamten in dieser Drogensache dürfte auch Folgen auf das Urteil haben. Um es gleich zu sagen: Der Urteilsspruch von Richter Albrecht Trick in dieser Drogensache fiel glimpflich aus.

Kein typischer Dealer - das gilt gleich in mehrfacher Hinsicht. Der Mann auf der Anklagebank hat einen festen Job, verdient 1700 Euro im Monat, zahlt 500 Euro Miete und hat regelmäßige und enge Beziehungen zu seiner Familie - all dies gilt im Drogenmilieu eher als Rarität. Der aus Freudenstadt stammende Mann ist Jahrgang 1987, hat eine abgeschlossene Ausbildung hinter sich. Zu solch einer geordneten Vita, könnte man meinen, passt die Anklage, die er sich nun in Horb gegenüber sieht, ganz und gar nicht. Es geht um "unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge".

Erst Marihuana-Käufe, dann Amphetamine

Insgesamt sieben Mal, so führt die Staatsanwältin aus, soll der junge Mann zwischen Sommer 2018 und 2020 jeweils 100 Gramm Marihuana zu je 7 Euro das Gramm gekauft haben, einmal sogar 150 Gramm. Bei einem weiteren Drogenkauf sei es um Amphetamine gegangen. Kleinere Mengen Marihuana habe er dann abgegeben, "zum Selbstkostenpreis", wie es in der Anklage heißt.

"Es steht Ihnen frei, sich zu äußern", belehrt Richter Trick darauf den Beschuldigten. Antwort: "Das passt schon... Es tut mir leid" - und dann lacht der junge Mann sichtlich verlegen. Selbst auf nochmaliges Nachfragen des Richters, ob denn die Anklage so richtig sei. "Ja, das war alles wahrheitsgemäß." Ja, und die Leute, an die er das Marihuana verkauft habe, seien zu ihm gekommen, es habe sich sozusagen um "Gefälligkeiten" für Bekannte gehandelt. Das meiste sei aber für den Eigenkonsum draufgegangen, zehn Gramm Gras habe er im Durchschnitt pro Woche verraucht. "Mein Konsum war schon hoch."

Amphetamin wiederum habe er erstmals dieses Jahr genommen: "Ich hatte Urlaub, ich wollte mal was Neues probieren." Ob er das Aufputschmittel für die Disco gebraucht habe, will der Richter wissen. Antwort: "Nee, für daheim." Marihuana hingegen habe er schon seit zwei Jahren geraucht, aufgeflogen ist die ganze Sache erst im Januar dieses Jahres, da habe die Polizei das Gras in seiner Wohnung entdeckt. Doch seitdem sei er auch clean, ganz ohne medizinische und psychologische Hilfe habe er das geschafft. "Das war eine schwere Zeit, vor allem am Anfang." Sogar seinen Führerschein habe er freiwillig zurückgegeben. Wie gesagt: Ein "typischer Dealer" verhält sich anders.

Drogenverstecke bereitwillig preisgegeben

Der ermittelnde Beamte, der in Horb als Zeuge auftritt, verweist vor allem auch darauf, dass der Angeklagte bei der Hausdurchsuchung im Januar sofort alles gestanden habe, auch die Drogenverstecke in seiner Wohnung habe er bereitwillig preisgegeben. "Er war total kooperativ", er habe sogar über Drogenkäufe berichtet, von denen die Polizei zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts wusste. Es sei ganz offensichtlich gewesen: "Er wollte einen Schlussstrich ziehen." Alles andere eben als ein "typischer Dealer", so der Beamte.

Ganz ähnlich sieht es die Staatsanwältin. Gäbe es eine Überschrift für ihr Plädoyer, meint sie, müsste diese heißen: "Durchsuchungsmaßnahme führt zu heilsamen Schock." Dann lässt sie sich noch über die Frage aus, ob Marihuana tatsächlich eine "weiche Droge" sei, oder doch eher eine "Einstiegsdroge", mit durchaus schweren Folgen bei länger anhaltenden Konsum. Doch "weiche Droge hin oder her", für den Angeklagten gelte es als erheblich strafmildernd, dass er so rundum geständig und kooperativ sei, sich zudem von den Drogen losgesagt habe - insgesamt ein Jahr und vier Monate Haft fordert sie, mit Bewährung. Fast gleichlautend das Plädoyer des Verteidigers, von "entwaffnender Ehrlichkeit" seines Mandanten spricht er, der zudem keine Vorstrafen plus eine geregelte Arbeit und engen familiären Kontakt habe. Fazit: "Eine bessere Sozialprognose gibt es kaum." Forderung: ein Jahr Gefängnis mit Bewährung.

Dem folgt auch Richter Trick, er spricht vom "klassischen, umfassenden Geständnis" des Mannes auf der Anklagebank, der einen Schlussstrich gezogen habe, das habe das Gericht durchaus beeindruckt. "Wir haben heute eine ehrliche Haut hier gehabt." Dann noch einen letzten Rat des Richters: "Es liegt an Ihnen, wohin die Reise geht."

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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