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Horb a. N. Lkw-Fahrer berichtet von Arbeitsalltag während Corona-Krise

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Andreas Zinser ist seit 18 Jahren Berufskraftfahrer. Foto: Zinser

Horb - Andreas Zinser aus Horb ist einer von denen, die die Wirtschaft während der Corona-Krise am Laufen halten: Der 36-Jährige ist Lastwagenfahrer. In unserem (SB+)Artikel schildert er, wie sich sein Arbeitsalltag verändert hat und warum er sich an Zollstationen einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sieht.

Andreas Zinser ist seit 18 Jahren Berufskraftfahrer. Auf den Straßen hat er schon einiges erlebt. Beispielsweise Autofahrer, die einem den Stinkefinger zeigen, weil man überholt. Das ist jetzt anders, berichtet der 36-Jährige dem Schwarzwälder Boten. "Die Autofahrer nehmen gerade viel mehr Rücksicht. Das ist positiv", sagt er. Hinzu kommt, dass der Verkehr auf den Autobahnen rapide abgenommen habe. Für ihn bedeute das ein entspannteres Fahren.

Einen entspannteren Job hat der 36-Jährige deshalb allerdings nicht. Auf seinen Routen begibt sich Zinser in Coronavirus-Risikogebiete: Er fährt Getreide und Düngemittel ins Elsass und in die Schweiz. Beschweren will er sich darüber nicht. Der Horber ist überzeugt: "Wenn es keiner machen würde, würde die Wirtschaft zugrunde gehen."

Schlange stehen in einem abgezäunten Bereich

Was den Lastwagenfahrer jedoch stört, sind fehlende Sicherheitsvorkehrungen an den Zollstationen. Nicht nur, dass viele Grenzübergänge komplett geschlossen wurden und er dementsprechend lange Umwege und lange Staus in Kauf nehmen muss: Nein, Andreas Zinser sieht sich auch noch einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. 

Er berichtet: Wer den Stau vor der Zollstelle "Basel/St. Louis-Autobahn" hinter sich gebracht hat, fährt auf einen Parkplatz. Der Lkw wird abgestellt und die Unterlagen eingepackt. Dann geht es zu den Zollagenturen. Dort seien vor dem Eingang Bauzäune aufgestellt worden, hinter denen sich die Lastwagenfahrer anstellen müssen. "Wie Tiere zum Schlachthof wird man da reingesteckt", findet Zinser hierzu deutliche Worte. Sicherheitsabstand von 1,5 Metern? Fehlanzeige. Der 36-Jährige hat von seinem Arbeitgeber zwar Mundschutz und Handschuhe zur Verfügung gestellt bekommen, viele andere hätten dagegen keinerlei Schutzkleidung. Hinzu kommt, so Zinsers Überzeugung: "Maske und Handschuhe bieten auch nicht 100 Prozent Schutz."

Wer die Wartezeit vor den Zollagenturen überstanden hätte, berichtet der Berufskraftfahrer weiter, stehe dann als nächstes erst beim französischen, dann beim Schweizer Zoll an. Dort gebe es zwar keine Schutzzäune, in Schlangen stehe man aber dennoch. Und auch hier würden viele den Abstand nicht einhalten, schildert der 36-Jährige. Er habe deshalb vor Ort immer ein mulmiges Gefühl: "Man macht sich da schon Gedanken. Man weiß nie, ob der vor oder hinter einem das Virus in sich trägt."

Abfertigung dauert etwa zwei Stunden

Schnell vorbei ist die Abfertigung ferner nicht. Die gesamte Prozedur, die früher etwa eine halbe Stunde gedauert habe, würde inzwischen alles in allem etwa zwei Stunden in Anspruch nehmen. Zinser würde sich deshalb wünschen, dass Beamte den Abstand in den Warteschlangen kontrollieren. "Es wird immer gesagt, der Lkw-Fahrer hält die Wirtschaft am Laufen. Und er wird behandelt wie ein Tier", meint er frustriert. 

Durch die unkalkulierbaren Wartezeiten an den Grenzen werden indes die Zeitpläne des Lastwagenfahrers regelmäßig über den Haufen geschmissen. Diesbezüglich sei er froh, so Zinser, dass die Kunden in der Schweiz so viel Verständnis zeigten. Der 36-Jährige erzählt, dass er häufig noch abends gegen 20, 21 Uhr am Zielort abladen dürfe - das sei unüblich. Mal eben beim Kunden die Toilette nutzen, das sei freilich nicht mehr drin. Die Firmen hätten wegen Sicherheitsbedenken jetzt alle Dixi-Klos vor die Gebäude gestellt. Umso erleichterter ist Andreas Zinser, dass viele Autobahn-Raststätten, die zwischenzeitlich geschlossen waren, wieder geöffnet sind. "Da ist jeder Fahrer froh drum", meint er.

Hauptzollamt bestätigt Problem

Zurück zum Thema Sicherheitsabstand an Zollstellen: Das deutsche Hauptzollamt bestätigte dem Schwarzwälder Boten, dass das Abstandsgebot beim Zutritt zu Zollgebäuden "wenn auch erkennbar unbewusst und unabsichtlich leider ignoriert" werde. Und das, obwohl mit Hinweisschildern in verschiedenen Sprachen und mit Bodenmarkierungen deutlich auf das Abstandsgebot hingewiesen werde. In einer E-Mail berichtet eine Pressesprecherin ferner, dass ein Großteil der Lastwagen an sogenannten Hochkabinen abgefertigt werden könne. Dazu müsse der Fahrer nicht einmal sein Fahrzeug verlassen. Darüber hinaus seien die Abläufe so angepasst worden, dass sich der Aufenthalt der Fahrer auch in den Amtsgebäuden auf ein Mindestmaß verkürzt habe. So würden sich weniger Stausituationen etwa vor dem Schalterbereich ergeben und die Fahrer könnten meist sogar ebenfalls im Fahrzeug bleiben.

Der Schweizer Zoll - also die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) - beantwortet eine Presseanfrage des Schwarzwälder Boten ebenfalls per Mail. Darin heißt es, die EDZV setze in ihrem Kompetenzbereich die Vorgaben des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit (BAG) strikt um. Sie mache zusätzlich mit Plakaten und Hinweistafeln auf die Handlungsempfehlungen des BAG aufmerksam, wie eine Ansteckung zu vermeiden sei. Ferner appelliert der Pressesprecher "an die Eigenverantwortung der Chauffeure, diese Vorgaben auch im öffentlichen Raum dementsprechend umzusetzen". 

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