SPD-Kreisrat antwortet auf Kritik von CDU-Kreisrat Hornberger.  "Tal der Ahnungslosen".

Waldachtal/Horb - Tiefbahnhof und verbale Tiefschläge: Der nahende Bürgerentscheid zu Stuttgart 21 kurbelt die Diskussion um das Großprojekt im Kreis Freudenstadt wieder kräftig an.

Nachdem CDU-Kreisrat Heinz Hornberger die Kritik von SPD-Kreisrat Axel Lipp an Bahnchef Rüdiger Grube, der beim fischer-forum zu Gast war, und den Befürwortern von S 21 gekontert hatte, ist nun wieder Lipp an der Reihe. Und der teilt kräftig aus, nachdem Hornberger ihn als "Meister der Märchenstunde" bezeichnet hat. Hornberger sei sicherlich der "streitbar-herrschende Bürgermeister in Waldachtal". Was jedoch seine Kenntnisse über die Finanzierung des Projekts Stuttgart 21 und über die Ausstiegskosten anbetreffe, "so ist sein derzeitiger politischer Aufenthaltsort eher im ›Tal der Ahnungslosen‹ zu vermuten".

Insgesamt 121 Einzelrisiken, die vom ehemaligen S 21-Chefplaner Hany Azer aufgelistet worden seien, würden zu mehreren Milliarden Mehrkosten bei Stuttgart 21 führen, so Lipp. Dies sei bisher dem Parlament als auch der Öffentlichkeit vorenthalten. "Die Bahn AG behauptet zwar, sie werde die Kostenobergrenze von 4,52 Milliarden Euro bis zum Bauende einhalten können. Aber ihre eigenen Kostenberechnungen lagen ursprünglich deutlich höher."

Das Ingenieurbüro Vieregg-Rössler (München) habe bis zur Fertigstellung von S 21 Kosten für die Tieferlegung des Bahnhofes zwischen 6,869 Milliarden (bei zwei Prozent Baupreissteigerung pro Jahr) und 8,699 Milliarden Euro (bei 5,5 Prozent Baupreissteigerung pro Jahr) ermittelt. "Wie wäre es eigentlich, so frage ich Bürgermeister Hornberger, wenn Politiker, die für S 21 die Hand heben, mit ihrem Privatvermögen (einschließlich ihrer Pensionsanwartschaften) für entstehende Mehrkosten haften?"

Auch die Ausstiegskosten seien von der Initiative "Ingenieure22" deutlich geringer beziffert als von Seiten der Bahn. "Die Ausstiegskosten von Grube berücksichtigen den Kauf des Gleisvorfeldes und beinhalten einen Denkfehler: Das Gleisvorfeld wurde bereits 2001 von der Stadt Stuttgart für 459 Millionen Euro gekauft – allerdings ohne Gegenleistung; die erworbenen Flächen wurden gar nicht an die Landeshauptstadt übergeben." Sobald S 21 gestoppt ist, müsse die Bahn diesen Betrag plus Zinsen laut Vertrag an die Stadt zurückzahlen, "was nichts anderes darstellt als eine Rückabwicklung".