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Horb a. N. Leuchtende Träume umwehen finstere Stuben

Von

Von Christof Schülke

Horb. Die Glut der Holzfeuer in alten Küchenherden. Ein Träumer in einem Bett am Fluss. Spielkartenfiguren sitzen an der Bar. Allein schon das Beschreiben der Bilder von Moritz Baumgartl (Jahrgang 1934) und seiner Frau Hildegard Moritz (Jahrgang 1936) gibt Worten lyrische Färbung.

So wirken auch die insgesamt rund 70 Bilder des Künstlerpaares, die in der neuen Ausstellung des Kunstvereins Oberer Neckar in der Galerie im Kloster zu sehen sind: Ölgemälde und Zeichnungen, Stillleben, Landschaften, ein paar Porträts – frei von sentimentalen Anwandlungen und doch durchweht von Poesie, Rätseln und Anklängen von Entrücktheit. Um es gleich zu sagen: Eine Ausstellung, bei der jedes Bild auf seine Weise fasziniert, eine Ausstellung, die ein Höhepunkt der herbstlichen Kultursaison ist. Einige von Hildegard Moritz’ Zeichnungen zeigen die alte bäuerliche Welt. Auf dem Bild "Paar im Frühling" sitzt ein älteres Ehepaar. In der Mitte steht ein Holzofen, aus dem Umrisse von Vögeln zu flattern scheinen. Sie fliegen dem offenen Fenster entgegen. Frühlingsgefühle, die ins Freie drängen? Oder Todesahnungen der Seelen? Hildegard Moritz akzeptiert solche Deutungen. Auf ihren Zeichnungen gibt es Wälder, Tiere, Wasserflächen, Dünen oder dunkle Zimmer alter Häuser.

Kindheit in Bauernhäusern hat Spuren hinterlassen

Alle haben eines gemeinsam: den Blick in die Ferne, entweder als Himmel voller Sterne oder Traumfiguren, als Sonne, Lampe oder Fenster. "Ich bin in einem der dunklen Bauernhäusern aufgewachsen. Diese Erinnerungen prägen mich", erzählt die Künstlerin – und erwähnt auch Träume von der Ferne, vom Ausbrechen. Heimeliger wirken ihre Bilder mit den Holzfeuermotiven. Zum Beispiel auf den drei Gemälden "Herd" eins bis drei. Frisch und lebhaft in breiten grauen Strichen macht der alte Herd mit den dunklen Töpfen und dem glühenden Feuer einen recht modernen Eindruck.

Bei Moritz Baumgartls Bildern kann man sich kaum gegen den Eindruck wehren, in Parallelwelten zu blicken. Manche Bilder wirken etwas surreal und erinnern an Magritte – andere muten wie Ergebnisse schamanischer Reisen an, Visionen aus der geistigen Welt, in der Landschaften mit Gegenständen ausgestatten sind, die vor etwas warnen oder etwas verbergen. Der Reisende muss sie so lange ansprechen, bis sie ihr Geheimnis enthüllen.

Ein Beispiel: auf dem Bild "Erbschaftssache" steht vor einer Wand mit Glockenblumentapete in der Mitte das Modell eines Schlosses. Links eine Männerbüste, rechts zwei Frauenbüsten. In einem nachtblauen Fensterausschnitt leuchten filigrane Strukturen wie ein seltsames eisiges Feuerwerk. "Das ist der Streit", erklärt der Künstler. "Das links ist der Bruder, das rechts sind die zwei Schwestern, und in der Mitte steht das Schloss, die Erbschaft, um die gestritten wird."

Auf einem anderen Bild läuft ein Mann auf das Ende eines Eisenträgers zu. Unten stehen links und rechts Soldaten vor einem großen ausgebreiteten Tuch. Hinten sieht man einen seltsamen Hafen, Frachtschiffe vor leuchtendem Himmel. Sie liegen nicht im Wasser, sondern auf einer Art verkrustetem Feld. "Einer geht von Bord" heißt das Bild. Abschied aus einer erstarrten Welt voller nutzloser Maschinen?

Nicht alles kann und will der Künstler präzise erklären. Eins ist aber gewiss: Die Ausstellung ist ein irritierender, entzückender Garten für die Fantasie aller Betrachter, die dazu bereit sind, sich Zeit zu nehmen und verschlungene Wege zu erkunden.

Weitere Informationen: Zu der Ausstellungseröffnung lädt der Kunstverein Oberer Neckar am Sonntag, 21. September, um 11 Uhr ins Kloster ein. Es sprechen Benno Müller und der Maler und Bildhauer Reiner Schlecker. Die Ausstellung ist danach bis 19. Oktober samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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