Mit Laternen und Spruchbändern folgten rund 70 Personen den Aufruf von Fridays for Future, am Freitagabend für den Klimaschutz zu protestieren. Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: 70 Teilnehmer bei drittem "Fridays for Future" / "Macht Dampf bei den Kreisräten"

Gut 70 Frauen, Männer und Kinder stehen am Geländer des Flößerstegs. In der Hand: Laternen, Fahnen, Transparente. Luis Schneiderhan: "Jetzt schweigen wir drei Minuten für das Klima!" Ein beeindruckendes Bild.

Horb. Der dritte Klimastreik in der großen Kreisstadt. Eigentlich sollte er am Aldi-Parkplatz beginnen. Doch da soll nach Informationen des Schwarzwälder Boten der Aldi – auch ein Symbol des Konsums – am Schnäppchentag des "Black Friday" was dagegen gehabt haben.

Deshalb starteten die "Fridays for Future" am ZOB. Luis Schneiderhan stellt sich auf die Wartebank, sagt: "Ich freu mich, dass so viele da sind." Es sind gut 40 Teilnehmer, doch dann kommt noch ein ganzer Schwung aus Richtung Bahnhof dazu. Dann setzt sich der Zug in Bewegung Richtung Weihnachtsmarkt. Voran: Drei Schüler mit dem Transparent: "Plastikfrei beim Horber Advent. Das ist erst der Anfang!"

Dann die drei Schweigeminuten, ehe die Demonstranten für mehr Klimaschutz auf dem Flößerwasen angekommen sind.

Luis Schneiderhan: "Wenn wir hier am Horber Advent so stehen –­ lasst uns überlegen, was man Nachhaltiges schenken kann. Bitte kauft nichts Unnützes. Es ist ganz cool, dass der Horber Advent jetzt plastikfrei ist, dadurch wird viel Müll eingespart. Aber das reicht nicht­: Bei Kommune, Land und Bund muss viel mehr passieren. Zwar hat die EU den Klimanotstand ausgerufen, aber das ist nur ein Symbol." Die selbst gebastelten Laternen aus Tetra-Paks wirken auf den ersten Blick besinnlich. Die Botschaften auf dem Transparentpapier sind es nicht: "Ihr habt verschlafen, wir sind der Wecker." oder "Advent, Advent, die Erde brennt".

Die Messages aber auch: Konsumverzicht. Luis Schneiderhan: "Kauft heute am Black Friday nichts, weil es günstig ist. Sondern weil man es braucht!" OGL-Gemeinderat Wolf Hoffmann: "Wer am Black Friday nichts kauft, bekommt 100 Prozent Rabatt!"

Und Caritas-Leiter Rüdiger Holderried sagt: "Macht mit bei unserer Aktion ›Bäume statt Böller‹. Wir starten nächste Woche mit dem Spendenaufruf. Wir wollen Wiesen der Spitalstiftung regennerieren und Bäume drauf pflanzen." Schneiderhan: "550 Flüge zwischen München und New York –­ das ist die CO2-Menge, die allein an Sylvester die Böller in die Luft pulvern!"

Helmut Loschko hat die gelb-rote Fahne mit "Atomkraft? Nein danke!" in der Hand. Er sagt: "Das ist kein Zufall. Gerade jetzt, wo einige wieder die Atomkraft als angeblich klimaneutrale Alternativ ins Gespräch bringen. Meine Kinder duften damals bei Tschernobyl nicht raus im Sandkasten spielen –­ das darf man nicht vergessen!"

Und Wolf Hoffmann – auch Kreisrat für die Grünen –­ hat noch ein konkretes Projekt für mehr Umweltschutz: "Der Kreistag hat beschlossen, die Berufsschulen weiter zu sanieren. Die Solar-Anlage auf dem Dach wurde aber noch nicht beschlossen. Macht Dampf dafür bei den Kreisräten – bis Dezember ist noch Zeit."

BiM-Fraktionschefin Christina Nuss erinnert an den 5. Dezember – den Bodenschutztag: "Der Boden ist einer unserer größten CO2-Speicher. Der darf nicht unnötig versiegelt werden."

Schüler Alex mahnt, dass auch die kleinen Schritte wichtig sind, um dem Klima zu helfen – "verwendet keine Plastikflaschen mehr."

Doch nicht alle Statements sind so konsumkritisch oder politisch. Beispielsweise das von einer Mutter: "Ich bin Annalena. Ich bin mit meiner kleinen Tochter hier, um ihr zu zeigen, dass es ganz tolle Menschen gibt, die für ihr Anliegen auf die Straße gehen. Ich will ihr zeigen, dass es ganz normal und schön ist, dass man seine Stimme erheben darf."

Sogar eine Lehrerin ist beim Klimastreik – der diesmal kein Schulstreik ist, denn um 17 Uhr ist fast jede Schule aus – dabei. Laura Treise sagt: "Macht weiter! Ich leite die Umwelt-AG seit Jahren und merke, dass das Thema immer mehr Schüler umtreibt!"

Zum Abschluss spielt noch das Lied "Over the Rainbow" aus dem Lautsprecher. Dann gibt es die Demo-Bilanz: Gut 70 Teilnehmer.

Initiator Luis Schneiderhan: "Ich bin zufrieden. Diesmal war es ein anderer Protest. Ich denke, das war eine angemessene Form zur Adventszeit."

Beim ersten Klimastreik im April gab es 300 Teilnehmer, beim zweiten im September gut 100 Teilnehmer.

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