Katrin Kinsler sagt mit ihrem Projekt "Nein zu Corona". Erlös geht an die Stiftung Eigensinn.
Horb - Kaffeetassen in schwarz und weiß – sie tragen die Aufschrift "Corono". Was hinter diesem kreativen "Nein zu Corona" steckt, erzählt Künstlerin Katrin Kinsler aus Horb im Gespräch mit unserer Zeitung.
Frau Kinsler, wie kamen Sie auf das Design?
So wie man eben auf ein Design kommt. Harte Arbeit: das bedeutet man hat so eine Ahnung von einer Idee, die sich dann durch Umsetzen und Optimieren zum gewünschten Ergebnis entwickelt. Wort- und Bildmarken sind eine heimliche Leidenschaft von mir, da investiere ich auch mal Zeit, die ich nicht habe.
Was ist die Idee dahinter?
Die Idee steckt im Betrachter. So sollte das meiner Meinung nach bei Kunst sein. Ich bin in diesem Fall keine Designerin, die ein Produkt entwickelt, das nur auf eine und zwar meine Weise zu benutzen oder zu lesen ist. Natürlich habe ich einen Grund, warum ich die Wortmarke entwickelt habe: Es ist meine Art mit der momentanen Situation umzugehen. Es ist das "Sichtbarmachen", was unsichtbar schon da ist: meine Unsicherheit, mein Ärger, meine Angst. Ich visualisiere das Nein dazu. Das Stopp. Bis hierher, aber nicht weiter. Und "Nein zu Corona" ist eben noch keine Idee. Das ist mir als Gestalter nicht elegant genug, nicht prägnant genug… deshalb Corono. Freunde und Freunde von Freunden bestellen bei mir (für 15 Euro unter yes@coro.no) die Tassen und ich schicke sie dann zu.
Diese Idee hat sich bereits zu einem Kunstprojekt weiterentwickelt. Was können Sie dazu erzählen? Wer macht mit?
Die Tassen verschicke ich in die ganze Welt. Na ja, im Moment erstmal doch sehr regional, Horb und seine Stadtteile, aber auch nach Stuttgart, Köln, Bonn, Ulm, Berlin, an den Bodensee und nach Österreich haben sie es schon geschafft. Die Bestellungen nach Australien und Kalifornien können aufgrund geschlossener Grenzen nicht versendet werden. Noch nicht. Mein Wunsch ist es, dass sich die Corono-Tassen ausbreiten – über die ganze Welt. Als Gegenbewegung. Ich arbeite im Moment an einer Landkarte, die die Corono-Tassen-Standpunkte abbildet, die diese Ausbreitung schön visualisiert. Parallel haben drei ehemalige Gestaltungs-Schüler und ein befreundeter Programmierer die Homepage www.coro.no aufgebaut. Sie bildet Designs ab, die die Gestalter in Bezug zur Coronakrise entwickelt haben. Sie sollen zukünftig über eine Druckplattform erworben werden können.
Wie geht es Ihnen in der derzeitigen Corona-Lage? Wie verbringen Sie Ihre Zeit?
Mir geht es gut, vor allem, weil es meinen Kindern, meiner Familie und meinen Freunden gut geht. Ich kenn auch Gott sei Dank nur eine Person, die das Coronavirus nachweislich hatte und ihr geht es auch gut. Wenn ich aber an die Zustände zum Beispiel im Elsass denke, mit dem ich mich sehr verbunden fühle, oder Berichte im Fernsehen sehe, überkommt mich eine traurige Hilflosigkeit, die mich dazu gebracht hat, selbst aktiv zu werden.
Der Berufsstand der Künstler ist von der derzeitigen Situation besonders betroffen, ist das auch bei Ihnen der Fall?
Ich bin durch meinen Einstieg in die Schule abgesichert und bin darüber sehr froh. Viele meiner Künstlerfreunde trifft es hart. Sie erhoffen sich von der Soforthilfe schnelle und vor allem unkomplizierte Hilfe. Der Kunstverein Oberer Neckar und die Kunstverbände des Landes informieren ihre Mitglieder laufend über Möglichkeiten, die in Kunst und Kreativbereich politisch vorangetrieben werden.
Glauben Sie, unsere Gesellschaft wird sich nach der Krise verändern?
Das kann ich nur hoffen. Ich sehe Veränderung als Weiterentwicklung in möglichst viele Richtungen. Und das ist gut. Stillstand ist nicht mein Ding.
Ein Statement für gegenseitige Unterstützung
Das Corono-Team um Katrin Kinsler erzählt, wer dazu gehört und was dahinter steckt: Ende März habe Kinsler eine Whats-App-Gruppe erstellt mit den einleitenden Worten: "So, ich hätte da eine Idee..."
Ein paar Tage später wurde die Marke Corono gesichert. "Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch zu dritt, Katrin Kinsler, Sandy Kübler und Pepe Sipple. Nach einigen Tagen kamen noch Josua Schaible und Melissa Vela dazu", berichtet das Team.
Doch wie fiel die Entscheidung darauf, dass die Spenden an die Stiftung Eigensinn gehen sollen? "Die Stiftung Eigensinn hat aktuell einen Spendeneingang von nahezu Null. Durch Corona stehen alle Angebote für benachteiligte Kinder still, aber in den Wohngruppen ist viel los. Durch den Schulausfall müssen die Kinder 24/7 betreut werden. Außerdem fallen sämtlich Sportgruppen, Pfadfinder und andere Freizeitbeschäftigungen aus. Das war für uns die Möglichkeit aktiv zu werden und als Teil einer Gruppe etwas zu machen, was bei anderen Menschen ankommt, sei es in Form einer Spende oder eines Produktes. Zudem ist es für uns ein Projekt, das allen beteiligten Freude bereitet. Wir arbeiten gemeinsam an Designs und entwickeln diese zusammen weiter. Unser Ziel ist dabei, dass unsere Entwürfe in naher Zukunft auf T-Shirts, Tassen, Stickern, Buttons… erhältlich sind.
Damit ist Corono ein kreativer Ausdruck aber auch ein Statement für gegenseitige Unterstützung und Zusammenhalt. Es ist sehr befreiend, die Zeit in den eigenen vier Wänden kreativ nutzen zu können. Noch schöner allerdings ist es, wenn man dabei ein gemeinsames Ziel vor Augen hat. Über die körperliche Distanz hinweg arbeiten wir deshalb aktuell an neuen Entwürfen, unserer Website und dem Webshop und das mit vielen Ideen und noch mehr Herzblut."
Abschließend erklärt das Corono-Team: "Des Weiteren würden wir uns sehr freuen, wenn wir irgendwie dazu beitragen könnten, dass vielen Leuten mehr und mehr die Augen für die angeblich unbedeutenderen Gesellschaftsgruppen geöffnet werden. Als Beispiele seien hier zum einen Kinder genannt, wie die, welche von Eigensinn betreut werden, zum anderen aber auch die vielen Helden, die wertvolle Jobs ausüben aber viel zu schlecht bezahlt werden."