Die Verleihung des Medienkunstpreises wurde im kleinem Rahmen im Horber Kloster gefeiert Fotos: Morlok Foto: Schwarzwälder-Bote

Sieger des Medienkunstpreises Horb im Kloster geehrt / Geeske Janßen Beitrag "22-29" auf Platz eins

Von Peter Morlok

 

Horb. Kunst beflügelt die Kreativität. Diese alte Erkenntnis bestätigten nicht nur die Kunstvideos, die ein ganzes Jahr in der Stadt zu bestaunen waren, sondern auch die Reden, die anlässlich der Verleihung des Medienkunstpreises gehalten wurden.

Der Vorsitzende des Projekts Zukunft, Ewald Loschko, stellte sich als Klosterbruder Ewald vor, der sich freute, nach 15 Jahren im Kloster, dem soziokulturellen Zentrum Horbs, hier ein weiteres, spannendes Projekt seinen Abschluss fand.

Der Vorsitzende des Künstlerhausvereins, Michael Zerhusen, sagte, er fühle sich fast schon als "Papa" von Monika Golla, der Initiatorin des Medienpreises. "Dieser Medienpreis ist genau das, was wir uns bei der Gründung des Horber Künstlerhauses gewünscht haben", lobte er die Bereicherung, die sein "Töchterchen" in die Stadt brachte. "Sie ist geradezu ein Paradebeispiel, für das, was man mit persönlichem Engagement erreichen kann."

Oberbürgermeister Peter Rosenberger schloss sich dem Lob an. Er erinnerte sich noch gut daran, als Monika Golla mit ihrer Idee bei ihm vorbeikam. "Ich hatte den Eindruck, dass ich nicht gefragt werde, ob wir das machen, sondern eher, wie wir es machen." Durch die Aufnahme in die städtische Kulturreihe "Quadrennien" wurde Horb ein Jahr lang zum "SCHAU!Fenster" (so hieß der Ort im Fenster beim Bürgerbüro, wo jeder die Filme ansehen konnte) einer zeitgemäßen Kunstform, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung fand. "Horb war in diesem Jahr im Blick vieler Kunstschaffender in ganz Deutschland", konnte Golla aus ihrer Erfahrung beisteuern.

Rosenbergers besonderer Dank galt allen Beteiligten, die dieses Projekt möglich machten. Agnes Maier und Monika Golla hatten hier den größten Anteil an der Umsetzung, und dafür gab’s vom OB einen Blumenstrauß und eine herzliche Umarmung.

Dem "Töchterchen" selbst, die sich mehr als Ziehtochter sah, blieb letztendlich nur noch der Dank an die Künstler, ohne deren Filmbeiträge dieses Spektakel gar nicht möglich gewesen wäre. "Der Medienkunstpreis brachte viele auf den Marktplatz und sorgte für viel Aufregung", zog sie ein Fazit unter diese besondere Aktion.

Wer durfte am Ende die Umschläge mit den Siegerschecks entgegennehmen und wer hatte sich den Publikumspreis verdient? Eine unabhängige Jury hatte sich nach längerer Abwägung darauf geeinigt, entgegen der ursprünglichen Absicht, nur zwei Arbeiten zu belohnen, einen weiteren Preis, ebenfalls als zweiten Preis, zu vergeben. Der zweite zweite Preis ging an Lukas Marxt für seinen Film "Reign of Silence". Marxt überzeugte mit einer surrealistische Landschaftsbetrachtung, bei der ein Boot auf einem stillen Bergsee einsam seine Kreise zieht, irgendwann aus dem Bild verschwindet und die Natur ihre Macht wiedergewinnt.

Der erste zweite Preis ging an Julia Lee Walter, die mit "Streetreload", einer Collage aus Verkehr und Kulturlandschaft, neue Räume schaffte. Den einzigen ersten Preis bekamen die Pornogucker im Alter von "22-29", die Geeske Janßen in die Röhre gucken ließ und dabei deren Reaktionen aufzeichnete.

Georg Djuga von der "Weinflaschnerei", der für jeden der zwölf Kurzfilmbeiträge den passenden Wein heraussuchte, kredenzte hierzu eine Prosecco aus dem Treviso. "Als Gegensatz zu der unterdrückten, verklemmten Lebensfreude, die die Pornogucker widerspiegelten, habe ich diesen Schaumwein, der die pure Lebensfreunde ausstrahlt, genommen", begründete Djuga seine Entscheidung.

Den Publikumspreis, der Horber Medien-Oskar, der von der Horber Marktplatzinitiative vergeben wurde, ging an den kürzesten Beitrag mit dem schönen Titel "Was ist schon gerecht", den Kuesti Fraun gedreht hat.

Das war’s vorerst mit Fernsehgucken auf dem Marktplatz, aber wenn’s nach all den Personen geht, die sich in dieses Projekt mit viel Herzblut eingebracht haben, dann heißt es wieder "mir gucket bloß", wenn die Filme zum 2. Horber Medienkunstpreis über den Marktplatzbildschirm flimmern.