Leonhard Pratscher zeigt die schlecht verarbeitete Schablone, mit deren Hilfe er das Europaparlament wählen soll. Foto: Straub

Leonhard Pratscher kann nicht geheim wählen. Schlecht verarbeitete Schablonen erschweren Europawahl.

Horb-Nordstetten - Wahlen sollten geheim sein. Allerdings nicht für Leonhard Pratscher. Der Physiotherapeut ist blind und kann deshalb bei der Kommunalwahl seine Stimme nicht geheim abgeben.Leonhard Pratscher zeigt seine Mappe, die ihm bei der Europawahl helfen soll. In diese muss der blinde Physiotherapeut den Wahlzettel klemmen. Auf einer CD werden dann die Namen der Parteien vorgelesen und eine zugehörige Nummer genannt. Diesselben Nummern finden sich dann wieder auf der Wahlmappe und Pratscher kann sein gewünschtes Kreuz setzen. "Die Mappe ist schlecht verarbeitet, weiter unten wird es immer ungenauer. Da kann es passieren, dass man das Kreuz nicht mehr im geforderten Bereich machen kann. Dann wäre der Wahlzettel ungültig", erklärt Pratscher. Alleine konnte er den Wahlzettel deshalb nicht in der Mappe einspannen.

Das gleiche Problem hatte er schon bei der vergangenen Bundestagswahl. Da war die Wahlschablone noch schlechter: "Da hatte ich zunächst gar keine Schablone erhalten, nur durch mehrfaches Nachhaken habe ich vier Tage vor der Wahl eine bekommen." Pratscher hatte zunächst beim Bürgerbüro in Horb angerufen, dann beim Landratsamt und beim Blindenverband. Letztendlich hatte er sein Problem sogar in Calw beim CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel vorgebracht. Schließlich kümmerte sich das Landratsamt um die fehlende Schablone.

Immerhin konnte er damals an der Bundestagswahl teilnehmen und nun auch an der Europawahl. Was die Kommunalwahl betrifft, sieht es allerdings anders aus. Pratscher sagt dazu: "Wir haben das Jahr 2014 und immer noch kann nicht jeder frei und geheim wählen." Für die Kommunalwahl hat er keine Schablonen erhalten. Das heißt, er müsste eine Vertrauensperson anweisen für ihn die Kreuzchen zu machen. Die müsste dann unterschreiben, dass sie die Wahl nur Pratschers Anweisung entsprechend ausgeführt hat. "Das hat nichts mit geheimer Wahl zu tun. Alle sollten schließlich das gleiche Recht haben", sagt Pratscher empört.

Dem Physiotherapeut ist unverständlich, warum es nicht möglich ist für die Ortschaftsrats-, die Gemeinderats und Kreistagswahl solche Schablonen anzufertigen. Er fühlt sich von der Wahl ausgeschlossen. "Eigentlich sollte die Wahl nicht gültig sein, denn Blinde werden benachteiligt", erklärt Pratscher.

Ihm ist auch wichtig, dass es dabei nicht nur um ihn persönlich geht: "Es geht auch um viele andere Blinde, denen es genau so geht." Lächerlich findet er auch die kostenpflichtige Nummer, die angegeben ist, um ein barrierefreies Wählen zu ermöglichen. "Mir geht es dabei nicht um die paar Cent, aber man fragt sich da schon, ob man wirklich wählen gehen soll, wenn man da auch noch dafür bezahlen muss", sagt Leonhard Pratscher.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: