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Horb a. N. "Koa schöners Tierle als a kleine Schneck"

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Der Dettinger Narrenrat in den Sechzigerjahren.  Foto: NZ-Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

Horb-Dettingen (mh). Die Dettinger Narrenzunft Schneckengraber kann auf stolze 60 Jahre zurück blicken. Doch die Fasnetstradition in Dettingen ist viel älter. So entdeckte Dettingens Heimatforscher Karl-Josef Sickler im Sigmaringer Staatsarchiv einen Gerichtseintrag von der Pfaffenfasnacht (Fasnet-Sonntag) im Jahr 1537.

Dreihundert Jahre später, 1836, erhielt der Dettinger Pfarrer von der Gemeinde den Betrag von zwei Gulden und 40 Kreutzer. Für diesen Betrag wurden Fastnachtsküchle für alle Kinder gebacken. Im Ortsarchiv findet man einen Eintrag aus der Zeit der Herrschaft des Klosters Muri im Jahr 1748: "Den Weibern gehört zur Fasnacht ein Gulden". Dieser im Weiteren als "Weibergulden" bezeichnete Betrag musste vom Pfarrer entrichtet werden. Die übrigen Kosten für die "Weiberzehrung" bezahlte die Gemeinde. Jedem "Weib" stand ein halbes Maß Wein zu. Nach Horber Maß war ein Maß 1,61 Liter. So erhielten die "Weiber" 0,805 Liter Wein.

1834 strich die hochfürstlich hohenzollerische Rechnungsstelle den "Weibergulden". 1926 feierte der Gewerbeverein Fasnet. Dem staunenden Narrenvolk wurden damals sogar bei Umzügen "gewerbliche" Wagen präsentiert, flankiert von vielen Fußgruppen. "Prinz Karneval" fuhr vorneweg, gefolgt von Wagen mit Motiven aus dem Lebensmittel-, Bekleidungs-, Schmiede- und Wagner-Gewerbe. Abends stieg im "Hirsch" der große Ball. Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, war es aus mit der Narretei, doch die Herren vom Gewerbeverein ahnten das Schlimmste und versoffen vorher noch die Vereinskasse.

Anfangs der 1950er Jahre war wilde Fasnet in Dettingen angesagt mit Umzügen, Saalfasneten und Kappenabenden. Höhepunkt war immer der Hausball im "Adler". Dem Horber Landrat Hugo Schneider (1947–1957) zeigten die Dettinger die Grenzen auf. So machte der Landrat eine Fahrt vom württembergischen Horb über das hohenzollerische Dettingen (damals Landkreis Hechingen) ins württembergischen Sulz, und dies ausgerechnet an der Fasnet. Beim Halt an der Tankstelle in Dettingen regte er sich fürchterlich über das närrische Treiben in Dettingen auf. Die Narren machten kurzen Prozess und tunkten den Landrat mit dem Kopf voraus in den nahe gelegenen Brunnen. Als sich Hugo Schneider darüber mit den Worten "Wissen Sie eigentlich nicht, wer ich bin?" lautstark echauffierte, wurde er ein zweites Mal in hohenzollerisches Wasser getunkt. 1958 war es um die Dettinger Fasnet schlecht bestellt. Die Musikkapelle konnte wegen fehlenden Musikkanten nicht spielen. Die Narren gestalteten trotzdem eine Fasnet. Franz Bienefeld mit der Ziehharmonika und Hubert Deger mit der Trommel führten den wilden Umzug an. Ein Jahr später organisierten einige junge Leute einen Umzug, und eine riesige Schnecke wurde hinter der Musik hergezogen. Die Zeit der wilden Fasnet neigte sich 1960 dem Ende zu, denn die Narren wollten eine geordnete Fasnet auf die Beine stellen. Dies geschah auch am 12. November 1960 im vollbesetzten "Hirsch" mit der Gründungsversammlung der Narrenzunft Schneckengraber. Und bei dieser Versammlung lag schon eine Schneckengraber-Maske des Bildhauers Georg Bergmann vor. Die Rechnung wurde auf den 11. 11. 1960 ausgestellt und belief sich auf 35 Mark. In den Elferrat, später Narrenrat genannt, wurden Bürgermeister Alfons Breisinger, "Adler"-Wirt Josef Hellstern, Bruno Hipp, Hubert Deger, Alwin Hekel, Dieter Sikler, Willi Hofer, Emil Schenkel und Erich Pfost 1968 gewählt. Die Ämter Kassierer und Schriftführer hatte in Doppelfunktion Erich Henger inne. Zum Büttel wurde Benno Beuter bestimmt. Zum ersten Präsidenten der jungen Zunft wurde in einer gesonderten Sitzung im "Waldschlössle" Karl Esslinger gewählt. Zehn Idealisten bestellten sich bei Georg Bergmann auf eigene Kosten ihre ersten Schneckengraber-Larven.

Den Dettingern haftet vermutlich schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts dieser Name an. Und deshalb heißt nicht nur die Zunft so, sondern auch die Fasnetsfigur. Aber wie kam es zu dem Namen? Zur damaligen Zeit ging es den einfachen Menschen im Zuge der Industrialisierung sehr schlecht, und sie waren gezwungen, für ihren Lebensunterhalt irgendwie an Geld zu kommen. So schrieb im Jahre 1872 der Feldschütz eine Anzeige, dass das übermäßige "Schnecken graben" im herrschaftlichen "Augarten" großen Flurschaden anrichtete. Die gesammelten Schnecken wurden von den armen Leuten zum Verkauf angeboten, um so etwas die Not zu lindern. Hauptsächlich Franzosen waren die Abnehmer der Delikatesse. Die Dettinger Fasnet nahm rapide an Fahrt zu und war ruckzuck im ganzen Ländle bekannt.

1961 wurden die Linsenbühl-Hexen aus der Taufe gehoben. 1962 erhielten die Dettinger Umzugsverbot in Horb, weil sie ihre Kanone im Ihlinger Tor abfeuerten und der Putz von den Wänden abbröckelte. Dies machte aber dem Elferrat wenig aus. Dann feierten sie halt kurzerhand im Ihlinger "Adler", bevor es wieder zurück ins "Hohenzollerische" ging.

1969 fand das erste Ringtreffen des närrischen Freundschaftsrings Neckar-Gäu im Schneckengraberland statt. Prinzenpaar und Prinzengarde begleiteten die Narren in den 1960er Jahren. 1975 hat die Zunft einen eigenen Narrenmarsch beim Empfinger Komponisten Hubert Deuringer in Auftrag gegeben. Und seither spielt die Musikkapelle diesen Marsch und die Dettinger Narren singen dazu: "Es gibt koa schöners Tierle als a kleine Schneck, Schneck, Schneck". 1993 nahm der Schantle (Muri Dapper) am ersten Umzug teil. Ein Jahr später gesellten sich die Kohlwald-Köhler zu der Zunft. 1995 wurde die eigene Narrenkapelle "Lombaseggel Musig" gegründet, und die können nun auch auf stolze 25 Jahre zurückblicken.

Seit 2007 gibt es auch wieder eine Tanzgarde, und ein jährlich wechselndes Prinzenpaar wurde 2002 wieder eingeführt. Die Zunft hat auch ein eigenes Domizil im "Alten Überrain". Den Schneckengrabern steht heute als Zunftmeister Karl- Heinz Hurm vor. Vize-Zunftmeisterin ist Marco Kläger, das Finanzressort hat Tobias Gemeinder inne. Als Schriftführerin fungiert Alexandra Seid.

Initiatoren zur Gründung der Narrenzunft 1960 waren: Erich Pfost, Elmar Härtner, Alfred Kronenbitter, Ewald Beuter, Dieter Kraus, Karl Sikler, Peter Friesinger, Hubert Asprion, ein Herr Thiele und Benno Beuter.

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