Ritterspiele auf dem Marktplatz – ein Bild, das der Vergangenheit angehört. Foto: Hopp

Turnier vor historischer Kulisse rechnet sich wirtschaftlich nicht. Stadt ist ab jetzt Veranstalterin.

Horb - Wieder mal eine neue Volte bei den Horber Ritterspielen: Jetzt ist die Stadt Veranstalterin. Stadtmarketing-Chef Martin Scherer hat in diesem Jahr den Helm auf.

Der Horber Oberbürgermeister Peter Rosenberger (CDU) sagte in seiner Haushaltsrede: "Über lange Jahre haben sich die Ritterspiele zu einem wesentlichen Bestandteil unseres Standort-Marketings bewährt. Die Zusammenarbeit zwischen dem Ritterspiele-Verein und dem bisherigen Veranstalter lässt sich nach der beschlossenen Auflösung des Vereins nicht mehr fortführen. Um die Ritterspiele aufgrund ihrer Bedeutung zu erhalten, wird die Stadt in diesem Jahr erstmals als Veranstalter fungieren."

Statt Matthias Ertel, Benjamin Breisinger vom Ritterspielverein oder Jürgen Wünsche von MPS wird bei den Ritterspielen also jetzt Stadtmarketing-Chef Scherer verantwortlich.

Das bestätigt ein Stadtsprecher: "Innerhalb der Stadtverwaltung erfolgt eine Koordination durch das Stadtmarketing. Die Stadt wird sich eines Dienstleisters bedienen, um die Veranstaltung zu organisieren. Die Stadt wird hierbei – aufbauend auf die bewährte Zusammenarbeit bei vorangegangenen Ritterspielen und der Gartenschau im Jahr 2011 – mit der Agentur MPS zusammenarbeiten."

MPS-Geschäftsführer Jürgen Wünsche, der im letzten Jahr nach der Auflösung des Rittervereins die Ritterspiele komplett in Eigenregie veranstaltet hatte, spricht von einer "anderen Rollenverteilung". Ohne Rücksprache mit Rosenberger will er keine näheren Auskünfte geben.

CDU-Fraktionschef Michael Keßler redet Klartext: "Der bisherige Veranstalter ist nicht mehr dazu bereit, die Organisation und das wirtschaftliche Risiko zu tragen. Wir sehen für 2018 kleine und feine Ritterspiele auf dem Flößerwasen. Das finanzielle Risiko ist zu minimieren. Eine Evaluierung ist in 2018 für weitere grundsätzliche Entscheidungen notwendig."

Damit ist eins klar: Die finanzielle Verantwortung für die Ritterspiele bleibt jetzt an der Stadt Horb hängen. Sie beauftragt MPS mit den Dienstleistungen, die sie haben will, und überweist dafür den ausgehandelten Betrag. Falls die gezahlten Ticketpreise diese Kosten nicht decken, muss das Horber Stadtmarketing das Defizit übernehmen.

Deshalb ist eins klar: Die diesjährigen Horber Ritterspiele werden abgespeckt. Der Stadtsprecher: "Die im Jahr 2017 veränderte Konzeption, das Turnier auf dem Marktplatz durchzuführen, hat sich wirtschaftlich nicht bewährt. Daher werden die Ritterspiele im Jahr 2018 in kompakter Form auf dem Flößerwasen, der Turnierwiese und angrenzenden Flächen in der unteren Kernstadt stattfinden."

Unklar ist, ob der Bund Oberschwäbischer Landsknechte wieder nach Horb kommt. Die gut 300 Mann und Frau starke Truppe hatte schon zweimal für echtes Mittelalter-Feeling gesorgt. Dafür haben sie aber auch einen Zuschuss in Höhe von über 10 000 Euro bekommen. Obrist Gunter Herzberger hatte dazu im letzten Jahr gegenüber dem Schwarzwälder Boten gesagt: "Dieser Zuschuss deckt für den Einzelnen nicht mal so die Benzinkosten." Bei 300 Mann wären das pro Lanze 33 Euro.

Der Stadtsprecher: "Auch im Jahr 2018 werden sich die Ritterspiele wieder weiterentwickeln. Stadt und Dienstleister werden hierzu in den nächsten Wochen gemeinsam ein zukunftsfähiges Konzept erarbeiten und dieses Anfang des zweiten Quartals konkreter vorstellen."

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