Die Ordner achteten auf die Einhaltung der Abstandsregelung während der Veranstaltung. Foto: Meinert

Bewegung "Grundrechte Nordschwarzwald" kann bei Veranstaltung weder Oberbürgermeister noch Landrat begrüßen.

Horb - Zur Veranstaltung "Corona im Dialog" lud die Bewegung "Grundrechte Nordschwarzwald" auf die Horber Turnierwiese ein. Ein Dialog entstand dabei aber nicht, denn es fehlten Sprecher mit anderen Ansichten.

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Es ist heiß und schwül an diesem Abend auf der Turnierwiese in Horb. Erst sind es zwei, drei Dutzend Zuschauer, die bei der Veranstaltung "Corona im Dialog" eintrudeln. Später kommen immer mehr, am Ende sind es wohl 100 bis 150. "Die in den gelben Westen sind die Ordner", sagt Dietmar Urban, Initiator der Bewegung "Grundrechte Nordschwarzwald" zur Begrüßung. Eines steht fest: Die Corona-Abstandsregeln werden an diesem Abend akribisch eingehalten.

Debatte aus dem Ruder gelaufen

Dass die Debatte über Corona und mögliche Risiken der geplanten Impfstoffe in den vergangen Wochen arg aus dem Ruder gelaufen ist, bedauert Urban ausdrücklich. Was teilweise im Internet zu lesen ist, "geht unter die Gürtellinie und tut weh". Er selbst habe bei bisherigen Aktionen auch Dinge gesagt, die er so nicht mehr sagen würde, räumt Urban ein. Noch mehr bedauert er allerdings, dass weder Oberbürgermeister Peter Rosenberger, noch Landrat Klaus-Michael Rückert der Einladung zur Diskussion nachgekommen sind; auch weitere Politiker, auch von den Grünen hätten abgesagt. "Gern hätte ich das Mikrofon an dieser Stelle einer öffentlichen Person übergeben", so Urban. Die Abwesenheit von Offiziellen und Politikern macht einen echten Dialog natürlich schwierig – dennoch setze man weiterhin auf das Gespräch. "Wir wollen an dem Format festhalten, indem wir Bürgern das Mikro geben, ihre Sicht in einer kurzen Rede darzustellen." Beide Seiten sollten zu Wort kommen.

Die Atmosphäre auf der Turnierwiese ist entspannt bis familiär, ein kurzer Test zeigt, dass die Impfkritiker in einer klaren Mehrheit sind. Dennoch scheint die Bereitschaft zur freien Aussprache und zum offenen Dialog auch unter den Anwesenden an diesem Abend eher begrenzt zu sein: Als Urban die Zuschauer auffordert, doch bitte vorzutreten und ans Mikrofon zu kommen, meldet sich niemand. Urban: "Na ja, aber wir üben ja heute noch."

Maskenpflicht an Schulen übertrieben?

Einer der beiden angekündigten Redner ist Heinz Huber, Allgemeinmediziner und Homöopath in Horb, er gehört ebenfalls zu den Initiatoren der Bewegung. Er sagt: "Ich persönlich glaube nicht an eine zweite (Corona-)Welle." Überhaupt meint er, dass die heutigen, staatlich verordneten Maßnahmen "nicht unserer Realität entsprechen, das ist meine persönliche Meinung". Auch etwa eine Maskenpflicht an Schulen hält er eher für übertrieben. Doch dann kommt Huber zum wichtigsten Teil seiner Botschaft, sehr direkt wendet er sich an seine Zuhörer: "Bitte haben Sie nicht soviel Angst und Sorge." Einen Großteil seiner ärztlichen Tätigkeit widme er sich derzeit dem Versuch, "die Angst abzubauen". Auch die derzeit fieberhafte Suche nach einem Impfstoff hält Huber, der Allgemeinarzt und Homöopath, für nicht wirklich entscheidend. Sollte ein Impfstoff tatsächlich, wie von Experten prophezeit, nächstes Jahr zur Verfügung stehen, "dann brauchen wir das nicht mehr".

Viel wichtiger als ein Impfstoff, so Huber, sei dagegen eine Stärkung des Immunsystems. "Warum legen wir nicht den Schwerpunkt darauf, dass Immunsystem zu stärken?" Würde auch nur ein Teil des Geldes, das derzeit in die Erforschung von Impfstoffen gesteckt werde, für Prophylaxe ausgegeben werden, "dann hätten wir viel gewonnen".

Impfkritiker kommt zu Wort

Er selbst empfehle eine homöopathische Prophylaxe etwa mit Beifuss und Vitaminen. Hubert erhält langen Beifall.

Hans Tolzin, ebenfalls einer der angekündigten Redner, stellt sich als Medizinjournalist vor. Auch er ist ein Impfkritiker, er moniert, dass die Bundesregierung "allein auf das Impfen setzt". Überhaupt, deutsche Ärzte seien in den meisten Fällen "impfgläubig", die Risiken von Impfungen wiederum würden häufig systematisch verschleiert, "von den Alternativen hören wir nichts aus den Ministerien und Instituten". Auch Tolzin setzt auf Stärkung des Immunsystems, "außerdem wissen wir heute, wie wichtig Lebensfreude für das Immunsystem ist". Auch Tolzin erntet Beifall.

Schade jedoch ist, dass sich kein Redner an diesem Abend für die "Gegenseite" stark macht, schade vor allem, dass keine "offizielle Person" erschienen war. Es hätte zu einem echten Dialog kommen können.

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