Macht der Barrierefrei-Rundgang überhaupt Sinn? Bislang keinen Rollstuhlfahrer für den Test gefunden.
Horb - Nach dem Barrierefrei-Test des Schwarzwälder Boten will jetzt auch die Stadt einen Rundgang mache um zu schauen, wo man die Situation für Behinderte verbessern kann.
Das Problem: Es gibt bisher weder einen Rollstuhlfahrer für den Test noch Geld für die notwendigen Verbesserungen.
Im Barrierefrei-Test des Schwarzwälder Botten war Rollstuhlfahrerin Siska Teichert-Van der Ploeg angetreten. Hatte zahlreiche Probleme mit unzureichenden Bordsteinkanten und fehlende Behindertenparkplätze aufgedeckt.
Hermann Knechtle, Behindertenbeauftragter der Stadt Horb, lädt per Mail ein: Am Montag, 27. Mai, soll es losgehen. Ab Drogerie Müller über Volksbank, Flößerwasen, Bahnhofsplatz, Gutermannstraße bis hin zum Hospital. Doch ein Rollstuhlfahrer fehlt noch. Knechtle schreibt: "Wenn jemand einen Rollstuhlfahrer animieren könnte, am Rundgang teilzunehmen, würde ich dies dankend begrüßen." Doch Teichert-Van der Ploeg und Caren Totzauer, Horb bekannteste Rolli-Fahrer, sind aus der Arbeitsgruppe "Barrierefreie Stadt" ausgetreten. Begründung damals: "Wir sind nicht bereit, dass unsere Ideen, die wir selbst entwickelt haben, uns in der Form genommen werden und uns die weitere Verfolgung unserer Ziele von dem Ehepaar Knechtle in dieser Art und Weise untersagt wird." Also ist es fraglich, ob ein Rollstuhlfahrer am Barrierefrei-Rundgang teilnimmt.
Problem Zwei: Es ist nicht mal Geld da, um Kleinigkeiten wie Bordsteinkanten oder ähnliches zu richten. Bürgermeister Jan Zeitler: "Die AG Barrierefreie Stadt hat kein Budget, so dass wir etwaige bauliche Maßnahmen im Zuge der laufenden Unterhaltung stemmen müssten."
Noch schlimmer: Die Mittel im Budget Straßenunterhaltung sind ohnehin sehr knapp. Hier schreibt Fachbereichsleiter Bernhard Asprion: "Sehr geringe Ansätze. Bei Überschreitung bleibt für Neubauten oder geplante Sanierungen immer weniger übrig." So sind zum Beispiel für die Schlaglochsanierung in diesem Jahr 60 000 Euro vorgesehen.
Durch den harten Winter dürften die Schäden aber viel höher sein. Indiz: Die Kosten für den Winterdienst sind um gut 260 000 Euro auf knapp 700 000 Euro gestiegen. Geplant waren 440 000 Euro. Klar, dass mehr Salz ohnehin geschädigte Straßen noch mehr zusetzt. In Stuttgart führte dies beispielsweise dazu, dass die Mittel für diese Reparaturen um 25 Prozent steigen, so Jürgen Mutz vom dortigen Tiefbauamt.
Das könnte auch in Horb so sein. Bürgermeister Zeitler: "Ich habe noch keine aktuellen Zahlen für diesen Winter. Die Kosten für das Schlaglochflicken können aber zwischen 60 000 und 90000 Euro liegen – je nachdem, wie hart der Winter war."
Das heißt im Klartext: Angesichts der ohnehin angespannten Lage bei den Haushaltsmitteln für die Straßen dürfte für barrierefreie Umbauten überhaupt nichts übrig bleiben. Dieses Problem sieht auch Bürgermeister Zeitler.
Kein Rollstuhlfahrer, kein Geld. Macht der Barrierefrei-Rundgang überhaupt Sinn? Zeitler: "Es geht darum, Schwachstellen aufzudecken, die bei künftigen Baumaßnahmen vermieden werden können." Er will aber versuchen, im Rahmen der nächsten Haushaltsplanberatungen mehr Mittel für den Straßenbau zu erhalten: "Der ist chronisch unterfinanziert."