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Horb a. N. Kein Elternersatz – eher wie ein Onkel

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Ulrich Hoffmann (von links), Cornelia Vötsch und Michael Widmann stellen das erweiterte Angebot der Arbeiterwohlfahrt Horb vor. Diese bietet seit Anfang des Jahres in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendamt Familienberatung an. Foto: Moser Foto: Schwarzwälder Bote

Ob reizbares Kleinkind oder pubertierender Teenager – Kinder sind für ihre Eltern oft eine Herausforderung. Nicht wenige sind überfordert und wünschen sich Hilfe. Genau diese will die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Horb mit ihrer Familienberatung bieten.

Horb. Seit Mitte Januar baut die Awo Horb ihren neuen Geschäftszweig kontinuierlich aus. Drei Mitarbeiterinnen beraten momentan Familien aus Horb und aus den umliegenden Gemeinden – "und die sind gut ausgelastet", berichtet Michael Widmann, der bei der Awo Bereichsleiter für die Familien- und Jugendhilfe ist. Zur Zeit, betont er, befinde sich der Bereich noch im Aufbau, "aber wir werden wachsen müssen". Denn der Beratungsbedarf von Familien sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Einerseits will die Awo diese Kapazitätssteigerung dadurch erreichen, dass sie im Bereich der Familienberatung zusätzlich zu den drei vorhandenen Mitarbeiterinnen noch weitere Teilzeitkräfte anstellt. Andererseits streben die Verantwortlichen aber auch Kooperationen mit örtlichen Organisationen – beispielsweise mit dem Marmorwerk Horb – an. Es sei extrem wichtig, sich zu vernetzen und "die Fühler auszustrecken".

Wichtigster Kooperationspartner ist – momentan und wohl auch in Zukunft – das Kreisjugendamt in Freudenstadt. Denn dieses vermittelt die Familien und Einzelpersonen, die Beratungsbedarf haben, an die Awo in Horb. Diese sei also gewissermaßen im Auftrag des Kreisjugendamts unterwegs, berichtet Widmann. Früher hätte das Jugendamt diese Beratung selbst übernommen, "aber mittlerweile ist das für die Außenstelle in Horb einfach zu viel Arbeit". Deshalb hätte das Jugendamt nach einem "verlässlichen Partner" gesucht, der vor Ort helfen könnte. "Und hat den mit der Awo ja auch gefunden", fügt Ulrich Hoffmann, Vorsitzender des Awo-Kreisverbandes Freudenstadt, hinzu.

Die Familienberatung, erklärt Widmann, setzt sich aus drei Bereichen zusammen: aus dem betreuten Umgang, der sozial-pädagogischen Familienhilfe und der Erziehungsbeistandschaft. Die Grundidee: Ganze Familien oder einzelne Familienmitglieder – meist Kinder oder Jugendliche – bekommen eine Vertrauensperson zur Seite gestellt, die sie in alltäglichen Situationen unterstützt, und mit ihnen zusammen Zukunftsperspektiven erarbeitet. Die Familienberatung richtet sich vor allem an Familien, deren Kinder noch minderjährig sind. "Von der Geburt bis zum 18. Geburtstag", fasst Hoffman das Altersspektrum zusammen und findet: "Damit decken wir einen ordentlichen Bereich ab."

Der betreute Umgang ist zeitlich begrenzt und vor allem für Familien relevant, die in Trennung oder Scheidung leben. Es gehe vor allem darum, den Kontakt zwischen dem Kind und beiden Elternteilen aufrecht zu erhalten oder wieder anzubahnen falls er abgebrochen wurde. Diese Form der Beratung zeichnet sich laut Widmann vor allem dadurch aus, dass Treffen zwischen dem Kind und dem Elternteil organisiert und begleitet werden: "Da ist dann immer jemand von der Beratungsstelle dabei."

Unterstützung für die ganze Familie bietet die sozial-pädagogische Familienhilfe. "Dabei geht es vor allem darum, die fehlende Kernkompetenz junger Eltern auszugleichen", erklärt Hoffmann. Cornelia Vötsch, Leiterin der Horber Awo-Geschäftsstelle, erläutert, was genau mit der "fehlenden Kernkompetenz junger Eltern" gemeint ist: "›Wie viel Schlaf braucht mein Kind? Was bedeutet es, wenn mein Kind weint und was kann ich tun? Darf mein Kind Waschpulver essen oder sollte ich das lieber weiter hoch ins Regal stellen?‹ Das sind alles Fragen, mit denen man konfrontiert wird."

Im Gegensatz dazu bezieht sich die Erziehungsbeistandschaft auf eine Einzelperson innerhalb der Familie und nicht auf die ganze Familie. Stattdessen bekommt bei dieser Art der Familienberatung ein Kind oder Jugendlicher eine Vertrauensperson für sich selbst, "weil diese Vertrauensperson oft fehlt", erklärt Widmann. Dieser "Helfer für das Heranwachsen", wie Widmann die Erziehungsbeistände nennt, kümmere sich dann beispielsweise um sinnvolle Freizeitbeschäftigungen. Dabei seien die Erziehungsbeistände aber kein Elternersatz, betont Widmann, "eher so etwas wie ein guter Onkel oder eine gute Tante".

Vötsch wünscht sich, dass Familien, die sich überfordert fühlen, keine Hemmungen haben, die Familienberatung auch in Anspruch zu nehmen. "Für viele bedeutet es gleich etwas Schlechtes, wenn sie ›Jugendamt‹ hören", beklagt sie. Dabei sei es in vielen Fällen besser, sich Hilfe zu suchen, bevor die Situation außer Kontrolle gerät. "Dadurch kann das Jugendamt sich an uns wenden, und wir können eingreifen, bevor aus den Fällen Problemfälle werden", bekräftigt Hoffmann. So – das ist die Hoffnung der Verantwortlichen – können sie mit ihrem Angebot auch Prophylaxe betreiben.

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