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Horb a. N. "Ich bete, weil es mir so gut geht"

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Peter Rist wird Nachfolger von Stiftungdirektor Peter Silberzahn. Foto: Lück Foto: Schwarzwälder Bote

Horb hat seine Schattenseiten – klar. Doch das lockt auch außergewöhnliche Menschen. Wie Peter Rist, den designierten Direktor der Spitalstiftung.

Horb. Wir treffen ihn in der zukünftigen Kapelle des Altenheims "Ita von Toggenburg". Joppe, Krawatte, das rollende bayerische "R" des Allgäus.

Auf der Homepage von Peter Rist nennt er sich "der Glücklichmacher". Denn: Rist war auch Komponist, Liedtexter und Schlagersänger. In seiner Zeit als Finanzbürgermeister in Reulingen hat er den letzten Haushalt angeblich sogar singend in den Gemeinderat eingebracht. Rist sagt: "Mein Frau wird daheim mit Anrufen bombardiert. Von der Presse und vom Rundfunk. Alle wollen über meine neue Stelle in Horb berichten."

Rist hat­ keine gerade Karriere hingelegt. Diplom-Verwaltungswirt und öffentlicher Dienst: erst Landratsamt Alb-Donau-Kreis, dann Neresheim. 1996 Kämmerer von Isny und Leiter der städtischen Betriebe. Danach Bürgermeister in Reutlingen bis 2013. Dann kam der Umstieg in die Schlagerbranche.

Jetzt wohnt Rist interimsweise in einer Wohnung im Altenheim St. Vinzenz. Er scherzt: "Da war noch eine Wohnung frei. Wahrscheinlich bin ich dort der jüngste Bewohner."

Doch wie kommt es zum Bruch im Lebenslauf? "Der Anlass waren meine Eltern, die nach Unterstützung fragten. Mein Vater ist dann leider bald verstorben. Meine Frau und ich haben uns um meine Mutter gekümmert. Es wurde für mich höchste Zeit für die ganze Familie da zu sein. Dazu habe ich mir eine entsprechende Auszeit genommen, und es war die Frage: Wie verdienen wir den Lebensunterhalt für unsere Familie? Ich hatte Riesen-Glück mit meiner Musik. Noch deutlich vor meiner Auszeit im Juni 2013 in Reutlingen hatte ich meinen ersten großen Auftritt: Mit Hansy Vogt, den Geschwistern Hoffmann und Markus Wolfahrt von den Klostertalern. So hat sich eine Tür geöffnet: Meine Frau übernimmt das Café von meinen Eltern – da musste man jedoch zunächst Zeit und Geld investieren. Da kam die Musik als Glücksstern daher. So heißt auch ein Titel von mir."

Rist erinnert sich: "Der Wechsel sorgte damals für Wirbel. Viele dachten: ›Der ambitionierte Bürgermeister geht für die FDP oder die CDU nach Stuttgart‹. Es gab Gerüchte: Der Rist soll ins Ministerium. Und dann gebe ich eine Pressekonferenz und sage: Meine Eltern rufen mich. Man lebt nur einmal, mein Vater lebt nur einmal –­ und ich werde nicht verlängern."

Und die Schlager- und Volksmusikkarriere von Rist startete durch: Im Jahr 2014 holte er den zweiten Platz im Alpen Grand Prix.

Beamter, Bürgermeister, Schlagersänger. Rist: "Ich war Kämmerer, Finanzbürgermeister. Die harten Fakten haben lange Zeit mein Leben bestimmt. Eigentlich war ich aber das siebte Kind eines Arbeiters. In vielen Vereinen sozialisiert." In Reutlingen war er stellvertretend auch für Soziales und Kultur zuständig. "Viele Leute sahen in mir einen verkappten Sozial- und Kulturbürgermeister mit dem dafür notwendigen Gefühl.­ Und tatsächlich hat mir das irrsinnig Freude bereitet."

Die Auszeit war für Rist ein "Gotteswink". "Da konnte ich mich komplett neu orientieren. Mit der Musik tut man ja auch viel Gutes. Die Menschen fanden Glück und Lebensmut durch mich und meine Musik –­ das war wunderschön."

Und auch für die Familie war das Star-Dasein toll. Rist: "Das war eine schöne Zeit; auch konnte meine Frau sich neu orientieren und ihrem neu erlernten Beruf nachgehen, und ich konnte unseren Sohn zum Arzt begleiten. Teilweise zweimal am Tag. Spätestens während dieser Familienphase war klar: Ich kann Finanzen und Wirtschaft. Aber ich werde das nicht mehr länger in erster Linie machen, sondern möchte direkt den Menschen dienen und am Menschen arbeiten. So bin nach meinem beruflichen Wiedereinstieg als Führungskraft einer Landes-Forschungsanstalt dann direkt zur St. Elisabeth-Stiftung. In diesem Kontext fühle ich mich wohl. Ich will mich für Soziales und Kultur einsetzen. Ich möchte gesellschaftlich Gutes bewirken."

Wie christlich ist der neue Stiftungsdirektor? "Beten tue ich jeden Tag. Ich bin sehr zielstrebig und tue, was ich kann. Daneben habe ich sehr viel Gottvertrauen. Wenn andere manchmal sagen: Ist das alles schlimm –­ dann denke ich: Es gibt einen tieferen Sinn. Vorgestern habe ich meinen ersten Erkundungslauf gemacht. Bis Rexingen gejoggt, dann zum Schütteturm –­ ein toller Platz da oben. Da bete ich dann,­ weil es mir so gut geht."

Wie fühlt er sich als Chef? Rist: "Moment. Vor dem 1. Juli ist es noch nicht so weit. Ich möchte auch nicht, dass ich jetzt schon als der große Zampano dargestellt werde. Peter Silberzahn ist der amtierende Direktor. Ich finde mich nur jetzt schon ein und Silberzahn hilft mir dabei sehr. Wenn ich dann im Juli in seine sehr großen Fußstapfen treten darf, will ich seine hervorragende Arbeit fortführen. Und gegebenenfalls dafür sorgen, dass sich die Spitalstiftung im sozialen Wohnungsbau engagiert."

Für Rist könnte es im Juli eine gute "Ausgangsposition" sein: "Ich werde ja nicht obendrein noch Kirchenpfleger sein wie Peter Silberzahn. Dadurch gewinnt die gesamte Stiftung organisatorisch Luft. Diese Chance will ich auch mit diesem Thema füllen. Auch bei dem Thema sozialer Wohnungsbau hat Peter Silberzahn schon vorgearbeitet."

Kulturell und Soziales –­ wohin führt der Pfad von Rist in Horb? "Die Spitalstiftung ist ein soziales Unternehmen mit einer reichen christlichen Kultur im Hintergrund. Und diese Kultur strahlt bei den sozialen Aufgaben durch. Wenn wir uns gemeinsam mit der Stadt in den sozialen Wohnungsbau begeben, dann wird das da durchschlagen. Der tiefere kulturelle Aspekt des offenen Christentums und das Thema Nächstenliebe ist auch der Kern unserer Altenarbeit. Es geht uns nicht darum – so habe ich alle unsere Mitarbeiter und erst Recht Peter Silberzahn kennengelernt –­ die Menschen nur satt und sauber zu halten. Genau das ist zu wenig. Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein. Da gehört mindestens ein freundliches Lächeln oder ein Händedruck dazu. Und wenn man dann die Zeit findet, miteinander zu singen oder einen Spaß zu machen, dann beginnt das Leben."

Zieht seine Familie um nach Horb? "Das hängt vom Wohl meiner Familie ab. Am Wichtigsten ist meiner Frau und mir, dass unser jüngster Sohn eine Ausbildungsstelle bekommt." Derzeit würden schon die Möglichkeiten gesichtet. "Die nächsten Jahre geht es darum, dass wir unser besonderes Kind gut ins Leben führen." Das besondere Kind ist nach Schlaganfall gehandicapt.

Der Neue in der Spitalstiftung ist ein Mann jenseits aller Klischees: bescheiden, verantwortungsvoll und erfolgreich. Mit seiner Person spiegelt er genau das wider, was die katholische Spitalstiftung Horb nach außen verkörpert: ein tiefes, modernes Christentum.

 
 

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