Fasnet: Digitale Schlüsselübergabe der Horber Narrenzunft / Hexe "Rosi" macht Hausarbeit statt "Spaß uff d’r Gass"

Horb. "S goht dagega!" Wenn nicht live, dann online. Die Horber Narren husten dem Coronavirus was und lassen sich ihre närrischen Tage zumindest zum Teil nicht nehmen. Deshalb griffen sie am Donnerstagabend auch zur Rathaus-Macht. Das närrische Volk konnte die Schlüsselübergabe virtuell genießen. Und sie lernten gleich das neue Grafenpaar kennen: Ihre Hoheit Gräfin Ita von Toggenburg alias Elke Straub sowie seine Hoheit Graf Rudolf von Hohenberg alias Stefan "Buffy" Straub. Begleitet wurden sie von den Pagen Muriel Schneiderhan und Amelie Katz. Die Straubs wissen, wie’s geht. Denn sie waren schon einmal Gräfin und Graf. "Wir wollten einem neuen Grafenpaar die richtige Saison nicht stehlen", begründet Narren-Sprecher Peter Renz. In der nächsten, hoffentlich ganz normal ablaufenden Saison soll dann ein neues Grafenpaar gefeiert werden.

Die Narrenzunft Horb hatte extra ein Video gedreht, dass pünktlich um 18.30 Uhr auf Youtube abrufbar war. "Es ist alles anders, dieses Jahr. Ja, auch die Vorstellung vom Grafenpaar. Wir wollten sie begrüßen mit aller Narren Präsens. Doch aus dem isch woara leider nens", stellt Hofmarschall Daniel Wagner im Video gleich zum Auftakt die schwierige Situation dar. "Etliche mol verschoba den Termin. Seit November saget mir – des krieget mir hin an alter Huat zum trommla, so an Scheiß. Es isch ganz andersch komma, wie jeder weiß. Jetzt steh ich hier, des ganz allein. Ihr da draußen, vor dem Bildschirm daheim müsst des a gugga wie Tatort oder Tagesschau. Doch irgendwie sind wir verbunden – ich spür es genau." Der Hofmarschall ruft die Narren auf, die Fenster zu öffnen und drei kräftige "Narri, Narro und Horridooo" rauszurufen.

Dann marschieren Grafenpaar und Pagen ein. Der Hofmarschall begrüßt die Straubs: "Eines der erfahrensten Grafenpaare aller Zeiten darf uns durch diese Fasnet stolz begleiten. Im verflixten Corona-Jahr sind Sie das auserwählte Grafenpaar." Wagner berichtet, wie die beiden überzeugten.

Dann ist es Zeit für Ita von Toggenburg und Rudolf von Hohenberg. Graf Stefan bekennt offen: "Zum zweiten Mal steh ich vor Euch. Ich sags nur ungern aber gleich: Mir wars beim erschte mol scho z’viel. Hab auf der großen Bühne koi guats Gfühl. So Büttenreden isch nicht mein Ding, ich lieber ins Schantlehäs mich schwing." Gräfin Elke sagt wehmütig: "Wir wollten Euch Narren persönlich vor Ort begrüßen und des mit so manchem Sekt begießen, all meine Mädels sind nicht da, wenn ich zum zweiten mal bin Gräfin Ita. So stehn wir hier fast ganz allein. Und ihr am Bildschirm, weit weg, daheim."

Wer genau hinschaut: Die beiden sind im alten Grafengewand: "Wir waren uns einig – ja in der Tat. Wir machen das mit – aber im alten Ornat. Wir wollen uns erinnern an alte Zeiten, die uns noch nach wie vor begleiten. Denkt man zurück. wies damals war als wir waren s’Grafenpaar." Sie schwelgen in Erinnerungen, zeigen sich dennoch optimistisch. Die Gräfin: "Mit dieser Erfahrung und der Fasnet im Bluat übernehmen wir das Amt und es tut uns auch guat zu wissen, dass alle Narren hinter uns stehen, so werden wir den Weg gemeinsam gehen. Auch wenn ihr tut uns nur virtuell begleiten, wird auch diese Fasnet in Erinnerung bleiben."

Bei der Proklamation macht der Hofmarschall klar, dass das alte und neue Grafenpaar keine lange Gewöhnungszeit brauchen werden: "Der Graf und die Gräfin die kennet sich jo aus. Waret scho 1997 im gleicha Rothaus. Verändert hot sich seit domols et viel. von den Räumlichkeiten halt, dem alten Stil. Auch die Probleme von damals kann man direkt übernehmen, Brücke, Stau und den Einzelhandel beleben. War auch damals schon das große Problem. Heut etwas andersch, aber genau so extrem."

Das Grafenpaar fordert OB Peter Rosenberger zur Übergabe des Schlüssels voraus. Und der leistet nicht lange Widerstand. "Liebe Horber Närrinnen und Narren, heute steht ihr nicht hier am Platze, ihr liegt Zuhaus auf Couch und Matratze. Gleich ohne Schlüssel bleib auch ich daheim, will auch ohne Amt ein Vorbild sein", begrüßt er das närrische Volk. Auch der OB würde die kommenden Tage als Horber Hexe feiern. "Normal würd ich als Hexe durch die Gassen geh’n, daheim wird mich meine Hex’ mit Hausarbeit versehen."

Dann blickt "Hexe Rosi" selbstironisch auf die Kommunalpolitik der vergangenen Monate zurück und rät den neuen Regenten: "Und entwickelt jaaa kein Gewerbegebiet, sonst bekommt ihr vom Gemeinderat nen Hieb. Selbst meine CDU brillierte in diesem Theaterstück, sie will endlich die Rückwärtsentwicklung von Horb zurück." Dann nimmt sich der OB noch ein paar nachdenkliche Worte: "Auf die Horber Fasnet, auf alle, die Angst um ihre Existenz haben müssen, auf alle, die leiden und auch trauern. Halten wir bitte gemeinsam durch. Unsere Fasnet kann uns dabei helfen. Darauf drei kräftige ›Narri, Narro und Horrido‹…"

Der Zunftmeister hat das letzte Wort: "Digital – das Zauberwort. Lässt die Fasnet an jedem Ort, wirklich und lebendig werden, insgesamt und hier auf Erden, zuhause auf dem Sofa sitzend, oder in der Sauna schwitzend." Und dann appelliert er: "Bleibt zuhause eben, gut geschützt, was allen zudem wirklich nützt, feiert ausgelassen und recht munter und stürzt dazu ein Sektchen runter."