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Horb a. N. Horb tanzt langsam den Corona-Blues weg

Von

Corona-Auflagen, Abstand, Angst. Doch das erste "Mikro-Stadtfest" mit dem Brückenabend am Freitag und den Konzerten am Sonntag war ein voller Erfolg. Zeigen die beiden Tage doch: Die Menschen fangen langsam an, die Corona-Angst wegzutanzen.

Horb. Die Vorzeichen waren schwierig. Kompliziert für das City-Management und das Stadtmarketing, den richtigen Spagat zwischen Vorsicht und Event zu bieten.

Doch wer am Freitag Abend gegen 19 Uhr vor dem Biergarten des Goldenen Adlers hinschaut, bekommt ein großes Lächeln auf die Lippen: Zum Nina Mouskouri-Klassiker "La Provence – du blühendes Land" – performt brilliant von Briliant – fängt das erste Pärchen an zu tanzen. Im Publikum auf den Stühlen wird mitgesungen – leise natürlich. Wegen der Aerosole.

Und bei Soulprint geht es gleich doppelt ab: Freitag Abend wird vor dem Gleis Süd am Rand abgetanzt, am Sonntag vor dem La Dolce Vita. Erst zeigt die ältere Lady, wie man zu "Walk this Way" abgehen kann, dann kommt eine junge Frau dazu – und mit Corona-Sicherheitsabstand wird barfuß auf dem Asphalt getanzt!

Gitarrist Eugen Aniskewitz: "Voll gut. Da könnten noch ein paar mehr tanzen!"

Es geht also wieder was in der Stadt. Auch auffällig: Am Sonntagnachmittag zum "Beatmaen"-Gig im alten Freibad waren Stühle und Bänke so voll wie sonst beim Fest der Kulturen. Natürlich: Ohne Stände konnten das Publikum corona-sicher die Beatles-Songs genießen. Unter den Gästen nicht nur Radfahrer, die ihre Bikes mit rein schieben durften, sondern auch einige Hochbetagte, die einfach das herrliche Wetter genießen wollten.

Und wie ist der lange Freitags-Einkaufsabend angekommen? Felicia Zikeli, Filialleiterin von TexxDeal in der Neckarstraße: "Es waren vielen Kunden da."

Hinter vorgehaltener Hand ist aber von so manchem Geschäftsmann zu hören, dass die Resonanz in den Geschäten – angesichts des Programms – eher verhalten war. Ein Händler: "Klar ist: Wenn ein großes Rundum-Programm die Leute lockt und nicht nur ein abgespecktes Angebot, kommen natürlich mehr Kunden. Und wenn man sieht, dass die ersten Horber sich jetzt die Corona-Angst wegtanzen, sollte man sich wirklich genau überlegen, ob man die lange Nacht der Lichter genauso abgespeckt macht oder vom Programm noch richtig etwas drauflegt!"

Auch gut: Obwohl die Leute sich wieder trauen, auf der Straße zu tanzen und zu singen – es war definitiv keine Corona-Party. Als Soulprint-Basser Alex einen Geburtstagssong vor dem Gleis-Süd für seinen Dad anstimmt, singen beim Refrain "Wenn das so ist, dann Prost" alle mit. Aber ganz, ganz leise – ohne Aerosol-Dusche für die Nachbarn.

Stadtmarketing-Chef Martin Scherer sorgt höchstpersönlich am Alten Freibad für das Corona-sichere Eintreten: Kulis, Kontaktdaten, Platznummern. Scherer: "Toll, wie vorsichtig die Menschen noch sind. Und gleichzeitig ist es schön zu sehen, wie viele Freude diese Veranstaltung ihnen trotzdem macht!"

Beste Stimmung also. Und Diakon Klaus Konrad predigt passend im ökumenischen Gottesdienst noch vom Weinstock und den Reben, von Hildegard von Bingen und den Heilwirkungen des gegorenen Traubensafts. Konrad: "Helfen und teilen, gut sein und trösten – das können wir nur mit Gott allein!"

Dann treffen wir Olli – den Tesla-Fahrer, der extra aus Oldenburg angerollt ist. Er sagt: "Ich bin mit ein paar Mitstreitern aus Trotz gekommen – weil das E-Mobil-Treffen abgesagt wurde. Wir haben im Kleinen mit Jerome geplant, wie wir jetzt weiter vorgehen, um die E-Mobilität voranzutreiben!" Sie kommen also wieder, die E-Autos.

Unvergessliche Momente haben die "Leinslions" aus dem Künstlerhaus im Kleintierzuchtverein geboten. Klaus E. Dietl bringt mit seinem Notion-Synthie eine Base-Line hin, die vom Sound her an Kraftwerks Autobahn von 1974 erinnert. Statt Strings vom Sampler winden sich die Obertöne dere "singenden Säge" von Mimosa Pale um die Bässe vom Synthie. Mimosa und Steffi Müller bringen dazu noch den zweistimmigen perfekt sitzenden Gesangsakkord um die absurden Texte von Helena Hartmann. Sie singt "Fish Feeding – I like it!" Statt Percussions gibts den Sound von zerreißendem Stoff oder Scherengeklapper. Der Topfdeckel wird zur Snare-Drum!

Und um die vier Hühner mit den phallischen Köpfen in der Lende stolziert auch noch der Hahn ­–­ es ist Justyna Koeke, die die genialen Kostüme genäht hat. Das erinnert an einen der skurrilen Songs aus den Filmen der britschen Kult-Komiker von Monty Pythons.

Dann kommt endlich die Ode auf den "Riesenrammler" vom Kleintierzuchtverein. Helena singt: "Talking bout the Midnight Rambler – Hoppla, hoppla!"

Steffi Müller hinterher: "Wir haben vorhin den Rammler gesucht. Er war nicht mehr da. Hoffentlich ist er nicht auf der Schlachtplatte."

Silke Wüstholz, Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins, lacht: "Keine Angst. Er hat ein neues Revier gefunden – mit jeder Menge Damen!"

Das gilt auch für Vocalmania-Leiter Rolf Wiechert. Die Damen – sie singen. Mit seiner Band "Dimensions" bezaubern sie die Gäste des Morgenlands in der Bußgasse. Hier haben die Syrer alle Hände voll zu tun – genauso die Bedienungen von Geburtstagskind Daniela Stockburger (Gleis Süd), Lilo Fradella (Porto Neckar) und Koray Yildiz (Dolce Vita): "Hier platzt es aus allen Nähten." Und Markus Bantleon von der Neckarterrasse lässt "Salmans Soul Band" noch ein Extra-Set spielen...

Da capo!

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