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Horb a. N. Gäubahn: Zoff um Neigetechnik

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ICE-T auf der Gäubahn. Foto: Dedert

Horb - Das Land will sie auf jeden Fall, die Bahn auf keinen Fall, der Bund inzwischen auch nicht mehr: Neigetechnik auf der Gäubahn. Jetzt verschärfen zwei baden-württembergische Minister den Druck – und drohen mit einer unkonventionellen Lösung.

Die Fahrtzeit mit dem Zug zwischen Stuttgart und Zürich merklich senken – das ist erklärtes Ziel des Vertrags von Lugano, den Deutschland und die Schweiz 1996 geschlossen haben. Doch während die Eidgenossen ihre Hausaufgaben – unter anderem mit dem 155 Millionen Franken (133 Millionen Euro) teuren Schienenausbau zwischen Bülach und Schaffhausen – bereits 2014 erledigt hatten, geht es auf deutscher Seite nur schleppend voran.

Das Problem: Südlich von Horb (Kreis Freudenstadt) ist die Gäubahn häufig einspurig. Diese Engstellen sollen beseitigt werden, um die Fahrtzeit zwischen Stuttgart und Zürich zu senken. Das Land Baden-Württemberg setzt dann auf den Einsatz von schnelleren Zügen mit Neigetechnik. Die Deutsche Bahn (DB) allerdings nicht, denn ihr Einsatz verursacht höhere Betriebskosten und bringt damit weniger Rendite.

Inzwischen hat sich auch der Bund auf die Seite der DB geschlagen. Noch vor wenigen Monaten sah das anders aus. Da sagte der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU): "Die Nutzung der Gäubahn-Strecke mit Neigetechnik ist erklärter Bestandteil des Ausbau-Konzepts." Sein Nachfolger An­dreas Scheuer (CSU) vollzog jedoch die 180-Grad-Wende. In einem Schreiben vom 4. Juli teilte der neue Bundesverkehrsminister seinem baden-württembergischen Amtskollegen Winfried Hermann (Grüne) mit, dass die Abkehr von der Neigetechnik nun eine Voraussetzung sei.

Zusammen mit Justizminister Guido Wolf (CDU), der zugleich Vorsitzender des Interessenverbandes Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn ist, hat Hermann nun eine Antwort an Scheuer verfasst, die unserer Zeitung vorliegt. In dem Brief äußern die beiden Minister ihren Unmut über die Kehrtwende in Berlin und verdeutlichen, dass man in Stuttgart an der Neigetechnik festhalte. Wörtlich heißt es: "Für den Fall, dass sich nach Fertigstellung der Ausbaus der Gäubahn kein Betreiber findet, der dort eigenwirtschaftlich mit Neigezugtechniken Fernverkehr fährt, beabsichtigt Baden-Württemberg, eine Lösung für den Einsatz von Neigetechnikzügen zu finden. Dies könnte im Wege einer Nahverkehrsausschreibung oder eines Tarifausgleichs erfolgen."

Baden-Württemberg hofft auf die "Kraft der Argumente"

Ein ähnliches Spiel treibt das Land schon jetzt auf der Gäubahn, um nach dem ICE-Aus auch den Komplett-Abzug des Intercitys zu verhindern: Seit Dezember 2017 verkehrt der sogenannte Intercity 2 zwischen Stuttgart und Singen – eine Mischung aus Intercity und Regionalzug, in dem sowohl der Fern- als auch der Nahverkehrstarif gelten. Ein ähnliches Modell stellt sich das Land für die Neigetechnik vor. Falls die DB nicht mitspielt, wolle man einen anderen Anbieter mit einem speziellen Tarif-Konzept ins Boot holen. Das könnten die Schweizer Bundesbahnen sein, die bereits pro Tag acht direkte Intercity-Verbindungen zwischen Stuttgart und Zürich auf der Gäubahn betreiben, oder ein deutscher DB-Konkurrent.

Eine Notlösung. Edgar Neumann, Pressesprecher des baden-württembergischen Verkehrsministeriums, verdeutlicht: "Das ist nicht das, was wir uns wünschen. Es ist Aufgabe des Bundes, Fernverkehr anzubieten." Doch das von der CSU geführte Ministerium bewege sich nicht mehr – obwohl die Zahlen klar für das Land sprechen. Bei einem Spitzentreffen zwischen Bund, Land und Bahn wurden vergangene Woche Pläne zum Gäubahn-Ausbau ohne Neigetechnik vorgestellt. Kosten: eine Milliarde Euro. Fahrzeitgewinn auf der Strecke Stuttgart – Zürich: sechs Minuten. "Weit von dem entfernt, was im Vertrag von Lugano steht", sagt Neumann. Dagegen koste der Ausbau mit Neigetechnik nur rund 300 Millionen Euro und spare etwa 20 Minuten Fahrtzeit ein. Neumann: "Wir hoffen daher auf die Kraft der Argumente."

Übrigens: Die Schweiz setzt weiter auf Neigetechnik. Scheuers eidgenössischer Amtskollege Peter Füglistaler unterstreicht: "Für die Schweiz ist eine weitere Fahrzeitverkürzung auf Basis des Bundesverkehrswegeplanes und mit Neigetechnik das mittelfristige Ziel."

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