Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Horb a. N. Fußballer werden bei Brand zu Lebensrettern

Von
Die Fußballspieler erblickten Flammen aus dem Obergeschoss - und reagierten schnell. Foto: Schreider

Horb-Dettingen - Schlimmeres verhindert haben mehrere Helfer beim Brand in der Obdachlosenunterkunft in Dettingen mit ihrem Einsatz. Was sich dort abspielte, haben sie unserer Zeitung geschildert.

Das Ausmaß des Brandes vom Montagabend im Obdachlosenheim, das direkt an den Dettinger Sportplatz angrenzt, wird erst am nächsten Morgen deutlich. Die Fassade des Gebäudes ist schwarz durch die Flammen, die im Obergeschoss wüteten. Vor dem Gebäude liegen verbrannte Kleidungsstücke, ein Koffer und angebrannte Teile der Isolierung. Die Fenster sind zersprungen. Polizisten mit weißen Schutzhelmen sind im Gebäude zu erkennen. Auch der Bauhof der Stadt ist vor Ort, wo sich am Montagabend dramatische Szenen abgespielt hatten.

Das Feuer war gegen 20.30 Uhr im Obergeschoss der Unterkunft ausgebrochen. Die Fußballspieler der SGM ASV Rexingen/TSV Dettingen, die auf dem Sportplatz neben dem Gebäude trainierten, bemerkten die Flammen. Der 19-jährige Marius Tittjung aus Dettingen ist einer der Fußballer. Er schildert, was sich zugetragen hat: "Unser Trainer bemerkte den Rauch und Feuer am Gebäude. Er machte uns darauf aufmerksam. Einige rannten ins Sportheim, um die Feuerwehr zu rufen, andere direkt zum Gebäude." Vor dem Haus hätten brennende Gegenstände gelegen.

Die Sportler klingelten an beiden Haushälften. "Die Bewohner im Haus rechts sind sofort raus, nur die im linken Teil, dort wo es brannte, die sind nicht alle raus", erzählt Tittjung. Zwei seiner Mannschaftkollegen rannten in das Gebäude. "Ein Bewohner wollte nicht raus, der hat weiterhin versucht zu löschen. Erst haben die zwei Mitspieler, die ins Haus sind, versucht ihm zu helfen, aber da war schon alles zu spät." Kurz nachdem dann alle das Gebäude verlassen hätten, habe es einen lauten Schlag gegeben. "Dann ging es erst richtig los und die Flammen sind aus dem Fenster geschlagen", sagt der 19-Jährige. "Die ganze Situation war sehr chaotisch", trotzdem sei für alle klar gewesen, dass sie den Bewohnern helfen mussten. "Da haben wir nicht lange darüber nachgedacht", bestätigt auch Trainer Leonid Klein.

Wie Trainer Leonid Klein den Abend erlebt hat? Mehr dazu im Video:

Ein 19-jähriger Helfer wurde "durch Rauchgasinhalation leicht verletzt", teilt die Polizei mit. "Ich habe ihn zum DRK begleitet, er hat gemeint, dass seine Lungen brennen würden wie Feuer", berichtet Tittjung.

"Im Nachhinein muss man sagen, war das schon gefährlich", sind sich Tittjung und Klein einig. "Da muss man schon von Glück reden, dass nichts passiert ist." Geschockt sind alle jedoch trotzdem von den Ereignissen am Montagabend.

Ähnlich geht es auch Julien M., der im Obdachlosenheim gewohnt hat. "Ich war dabei, mir etwas zu Essen zu kochen, plötzlich hat alles nach Rauch gerochen", erzählt der 38-jährige Schweizer, der seit Herbst in der Unterkunft lebt. Julien M. schaute daraufhin bei seinem 54-jährigen Zimmernachbarn nach dem Rechten. "Der lag im Bett und hat geschlafen. Um ihn rum sind schon Kleider in Flammen gestanden." Er habe den 54-Jährigen in das Treppenhaus gezerrt, da dieser sich nicht mehr selbstständig retten konnte. Julien M. versuchte den Brand zu löschen, dabei zieht er sich eine Brandwunde am Arm zu, wie er zeigt. "Ich habe die brennenden Sachen aus dem Fenster geworfen", schildert der 38-Jährige. Es sei jedoch schon zu spät gewesen. Er glaubt, dass der Brand von einem Raclettegrill ausgegangen ist. "Den hat mein Nachbar immer angemacht, wenn es ihm zu kalt war." Schon mehrmals habe der 54-jährige Brandalarm ausgelöst, das bestätigen auch andere Dettinger. "Der hat zuvor im Ortskern gewohnt und da musste auch schon die Feuerwehr anrücken, weil er eine Pizza in den Ofen geschoben hatte und eingeschlafen war", schildert ein Anwohner.

"Alles, was noch von meinem Leben übrig war, ist jetzt verbrannt", erklärt der Obdachlose Julien M., der nun bei Bekannten untergekommen ist. Die städtische Obdachlosenunterkunft ist derzeit unbewohnbar. Am Dienstagmorgen machten sich an der Brandstelle die technischen Betriebe und der Fachbereich Recht und Ordnung ein Bild von der Situation. Die rechte Haushälfte, die als Asylunterkunft dient, sei nutzbar, teilt Stadt- und Feuerwehrsprecher Christian Volk mit. Wie es mit dem linken Teil weiter gehe, müsse sich zeigen.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.