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Horb a. N. Für Kunst muss man nicht nach Stuttgart fahren

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Fast alle Gründungsmitglieder waren anwesend (von links): Götz Arndt, Albrecht A. Bopp. Josef Nadj, Kurt Renz, Peter Rosenberger, Ursel Bähr, Ursula Kärcher, Norbert Stockhus und Wolfgang Hehl. Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Peter Morlok

Horb. "Ich bin mir nicht ganz sicher, zu was ich gratulieren soll – zu 20 Jahren Kunstverein Oberer Neckar oder zur 334. Ausstellung, die Sie heute eröffnen", gab sich Oberbürgermeister Peter Rosenberger in seinem kurzen Grußwort zur Vernissage "Ursprünge" bewusst ratlos.

Die gut 150 Besucher, darunter viele Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft sowie die Mehrzahl der Horber Künstlerschaft inklusive dem Künstlerhaus-Trio, die Kunstvereins-Chefin Ursel Bähr und ihr Stellvertreter Benno Müller am Freitagabend begrüßen durfte, feierten einfach den Verein und die Kunst in seiner Gesamtheit. Sie genossen die optischen Werke in Form der Bilder, Plastiken und Skulpturen, die von den neun Gründungsmitgliedern, von denen sieben den Weg ins Kloster und hoch in die Galerie des Kunstvereins fanden, zur Verfügung gestellt wurden ebenso wie die Klänge der Band "Quarter Pounder", deren mehr als hörenswerter Beitrag ein Geschenk des international bekannten Blechbläsers Mike Svoboda zum Jubiläum war, oder das, was die Kunstkritikerin des ART-Magazins und der Stuttgarter Zeitung, Adrienne Braun, zur Kunst im Allgemeinen zu sagen hatte. Ihr Beitrag war das "Geburtstagsgeschenk", das sich der Kunstverein selbst machte.

Ein Geschenk, das nicht schön verpackt in buntem Glanzpapier daherkam, sondern sich recht kritisch mit dem musealen geprägten und monetär regierten Kunstbetrieb auseinandersetzte und so zum tatsächlichen Höhepunkt dieser ganz außergewöhnlichen Vernissage wurde.

Braun erzeugte mit ihren Betrachtungen Reibung und Spannung. Sie zeigte dorthin, wo ihrer Ansicht nach die Kunst in den Vordergrund gerückt wird, die nur von ein paar ganz tollen Kunstexperten begriffen wird. Von denen, die "des Kaisers neue Kleider" sehen und dazu begeistert "Hurz" rufen.

Sie ging mit dem Begriff Kunst recht kritisch um, und man konnte aus ihren Ausführungen heraushören, dass nicht alles, was in einem Rahmen an der Wand hängt, automatisch Kunst ist. Sie prangerte die Vergewaltigung des Sehens durch Frontalpräsentation bei Führungen in den Museen ebenso an wie die Verkaufstaktik mancher Galeristen, die die Qualität eines Werkes marktschreierisch vor sich herzutragen und dies selbst dann noch, wenn sie überhaupt nicht davon überzeugt sind.

In ihrem bemerkenswerten Essay hielt sie unter anderem fest: "Kunstvereine sind, der Name sagt es schon, Vereine. Sie werden von einer breiten Basis getragen. Häufig werden Entscheidungen im Kollektiv getroffen, selbst wenn lange, quälende Diskussionen vorausgehen, die doch so wichtig und wertvoll sind. Das heißt im Umkehrschluss, dass auch hier die Bevölkerung partizipieren kann – und zwar ohne akademische Vorbildung, ohne Diplom. Das ist ganz wichtig, dass die Kunst eben nicht nur Sache der Kunsthistoriker ist". Somit führen gerade die kleinen, selbstverwalteten Kunstvereine einen elementar wichtigen Kampf, indem sie die Kunst von der Deutungshoheit der Kunsthistoriker und Institutionen entreißen und klar markieren, dass jeder in der Lage sein kann, sich mit Kunst auseinanderzusetzen und über Kunst zu reden, erklärte sie und fragte leicht provokant: "Warum denn auch nicht"?

Für sie sind Kunstvereine nicht einfach nur ein weiteres Forum für Kunst, sondern unterscheiden sich strukturell von allen anderen Häusern und Einrichtungen. "Einen Vorzug der Kunstvereine können Sie am eigenen Leib spüren. Um zeitgenössische Kunst sehen zu können, müssen Sie nicht nach Stuttgart oder Karlsruhe fahren, sondern haben sie direkt vor Ihrer Tür", stellte sie noch fest, bevor sie die Vernissage-Gäste mit der Gewalt ihrer Worte allein ließ.

Sie hatte recht, zeitgenössische Kunst gab es genug zu sehen. Detailverliebte strahlende Stockhus-Steinkugeln, im Rausch der Farben schwelgende Hehl-Arbeiten, bolzengerade Bopps und Arndts, uneindeutige Dinge aus der Renz-Werkstatt, frühe Arbeiten von Walz und Monumente aus den Ateliers von Appenzeller, Kärcher und Nadj.

Mit ihrer begründet distanzierten Sichtweise traf Adrienne Braun genau den Nerv, der damals zur Gründung des Kunstvereins führte, wie Albrecht A. Bopp anerkennend einräumte. "Wir wollten damals einen ›Bürger-Kunstverein‹ gründen und Kunst verständlich begreifbar machen", seine Erinnerungen an die ersten kreativen Zusammenkünfte im "Schiff". Ein Anspruch, der den Machern des Vereins all die Jahre hinweg als wichtigster Antrieb diente und der hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

Weitere Informationen: Die Ausstellung "Ursprünge" ist noch bis zum 22. Dezember zu sehen. Die Öffnungszeiten: Samstag 17 Uhr bis 19 Uhr, Sonntag 15 Uhr bis 18 Uhr.

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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