Es gab humorvolle Bekundungen beim Mini-Rock, aber ging dieses Schild an einem privaten Zelt vielleicht zu weit? Foto: Hopp

Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung auf Festival. Unübliche Häufung im Vergleich zu Vorjahren.

Horb - Jetzt hat die Polizei ihre Auswertung des Mini-Rock-Festivals vorgelegt. Insgesamt sei es ein friedliches Fest gewesen. Aber es hat auch "fünf Straftaten mit sexuellem Hintergrund" gegeben.

Was genau dahintersteckt, erläutert ein Polizeisprecher: "Wir haben insgesamt fünf Strafanzeigen. In einer geht es um einen sexuellen Übergriff. Ein Betrunkener hat offenbar eine Frau begrapscht. Dazu kommen zwei Anzeigen wegen sexueller Belästigung. Dann eine Anzeige wegen Vergewaltigung. Dort soll der Sex zunächst einvernehmlich begonnen haben. Doch als sie nein gesagt hat, soll er sich nicht daran gehalten haben. Dann soll es noch eine exhibitionistische Handlung gegeben haben. Dahinter steckt, dass ein Mann offenbar sein Geschlechtsteil gezeigt hat."

Die Kripo ermittelt

Die Kripo ermittelt jetzt. Die Betroffenen, so heißt es, müssen noch näher vernommen werden.

In den Polizeibilanzen der Vorjahre hatte es solch eine Häufung von Straftaten mit sexuellem Hintergrund beim Mini-Rock nicht gegeben. Einmal wurde eine vorgetäuschte Vergewaltigung gemeldet. Gab es also einen Anstieg dieser Straftaten? Oder gab es sie schon früher, wurden aber nun eher angezeigt, weil die Sensibilität für solche Themen gestiegen ist?

Für Martin Raible ist diese Nachricht Wasser auf die Mühlen. Der Mann von der ULH hatte das Mini-Rock wegen der Plakate mit küssenden homo- und heterosexuellen Paaren unter dem Motto "Horb macht Liebe" mit einem Swinger Club verglichen. Und auch von "Rudelbumsen" gesprochen. Damit wurde das Mini-Rock Thema im SWR-Fernsehen bei "Zur Sache, Baden-Württemberg" (wir berichteten).

Das führte bei den Mini-Rock-Besuchern zu zahlreichen Gegenreaktionen. Ironische Papp-Schilder wie "Best Swinger Party ever". Aber auch Schilder wie "geile Eier" und "nackt und unrasiert". Ein Schild an einem privaten Zelt führte zu kontroversen Diskussionen bei Festival-Teilnehmern. Dort war zu lesen: "Wir haben die Besten. 1 Fick 5 Euro, 2 Fick 9,99 Euro." Dazu noch der Hinweis "Angebot nur für Frauen".

Martin Raible: "Durch die jetzt gemeldeten fünf Straftaten mit sexuellem Hintergrund fühle ich mich in meiner Kritik bestätigt. Ich frage mich auch, wie hoch die Dunkelziffer der nicht angezeigten Sexualdelikte auf dem Mini-Rock sein mag." Er sei nicht aufs Festival gegangen, weil er die Musik nicht mag: "Da kriegen mich keine zehn Pferde hin." Allerdings, so erzählt Raible, sei er zu Fuß am Festival vorbei gegangen.

Polizei zieht insgesamt positives Fazit

Und was sagt der Veranstalter? Benjamin Breitmaier, Sprecher des Mini Rock Festivals: "Was dort wirklich passiert ist, muss die Kripo jetzt ermitteln. Man darf auch nicht vergessen, dass die Polizei geschrieben hat, dass es insgesamt ein schönes und freundliches Festival war. Wir werden unser Awareness-Programm (englisch für Bewusstsein, Achtsamkeit) weiter vertiefen." Die Polizei zieht insgesamt trotzdem ein positives Fazit: "Das Festival und der damit verbundene Polizeieinsatz verliefen überwiegend ruhig." Neben den fünf Sexualstraftaten habe es noch spezifische Vorkommnisse eines Festivals, wie Diebstahlsdelikte, Einsätze als Folge von übermäßigem Alkohol- und Drogenkonsum, Besitz von Betäubungsmitteln und Streitigkeiten gegeben.

Zweiter, großer Daueraufreger: Der Müll. Leser Adam B. aus Empfingen: "Rund um das Festivalgelände sieht es schlimm aus. Überall Müll. Und Glasscherben. Radfahrer haben sich schon Platten gefahren!"

Der Schwarzwälder Bote trifft am Montag Nachmittag vor Ort einen Bauhof-Mitarbeiter, der am Weg von der Dualen Hochschule mit der Greifzange den Müll aufhebt. Bei der Wasseranlage die Eiswürfelbeutel wegräumt und den Ablauf wieder frei macht. Er sagt: "Das ist schon viel. Aber das lassen die Mini-Rocker noch wegmachen."

Auf der Wiese zwischen Festplatz und Neckar sieht es dagegen schon besser aus: Es ist schon fast alles sauber bis auf ein paar Plastikschnipsel. Vor den Dixies liegen noch Klopapierrollen, doch die Müllcontainer sind gerade voll. Ein mutiger Radfahrer fährt direkt an den Dixies vorbei Richtung Festgelände.

Mini-Rock Sprecher Breitmaier: "6000 Menschen haben dort drei Tage lang gefeiert. Das hinterlässt Spuren. Um die endgültig zu beseitigen, muss man uns noch ein bis zwei Tage Luft lassen. Ich war aber vorhin draußen –­ da wurde schon unheimlich viel von unseren freiwilligen Helfern und den Entsorgern geleistet!"