Das Vorstandstrio des Musikvereins Obertalheim, Thomas Jungwirth, Knut Peter und Eugen Joachim, ehrte Jochen Keppler (von links) für 40-jährige Treue zum Verein. Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder Bote

Vereine: Musikverein Obertalheim blickt auf ein Jahr mit gelungenen Auftritten und viel Publikum zurück

Die Mitglieder des Musikvereins Obertalheim (MVO) trafen sich im Gasthof Kaiser zu ihrer Hauptversammlung. Das Jahr war wieder erfolgreich – doch bei der Finanzierung könnte sich in den nächsten Jahren ein Problem anbahnen.

Horb-Talheim. Vorsitzender Knut Peter durfte rund 55 Besucher aller Altersgruppen, darunter auch einige Ehrenmitglieder sowie seinen Vorstandskollegen vom Untertalheimer Musikverein Fortuna, Anton Ade, begrüßen. Dieser nahm aber in seiner Funktion als Ortsvorsteher an der Sitzung teil. Direkt nach der Totenehrung, zu der einige Blechbläser das Lied vom guten Kameraden intonierten, verlas Peter seinen Rechenschaftsbericht.

Als musikalische Jahreshöhepunkte wertete er das jährlich stattfindende Osterkonzert sowie das Konzert, das man bei den Nachbarn in Altheim anlässlich des Bockbierfestes gespielt hatte. "In fast voller Besetzung im Nachbarort im vollen Zelt zu spielen, ist schon ein tolles Gefühl", freute sich der Vorsitzende.

Aber das Jahr besteht nicht nur aus besonderen Anlässen. Peter musste mit Blick auf die Mitgliederzahlen feststellen, dass der rückläufige Trend auch 2019 anhielt. Das Dilemma, in dem MVO – aber auch viele andere Vereine – steckt, ist recht deutlich. "Unsere älteren Mitglieder sterben weg, jüngere Mitglieder treten aus, weil sie sich dem Verein nicht mehr zugehörig fühlen, und neue kommen nicht nach", so seine Istaufnahme. Der MVO klagt hier jedoch auf relativ hohem Niveau. 65 aktive Musiker in der Stammkapelle sowie 39 Nachwuchsmusiker in den beiden Jugendkapellen sprechen eine andere Sprache. Peter betonte, dass sowohl das Jugendteam im vergangenen Jahr wieder hervorragende Arbeit geleistet habe und auch die Philharmoniker mit ihrem Dirigenten Martin Stöckel hätten es an der vergangenen Fasnet wieder eindrucksvoll verstanden, bei ihren Auftritten die Zuhörer zu begeistern. "Sie machen eine klasse Werbung für Talheim und für den Musikverein", so das Fazit des Vorsitzenden.

In ihrem letzten Schriftführerinnenbericht ließ Cornelia Aisenbrey das gesamte Vereinsjahr nochmals ausführlich Revue passieren. Sie erinnerte an lieb gewonnene Traditionen, listete auf, wo die "Philharmoniker" überall auftraten und wusste, dass man auch im vergangenen Jahr wieder viele Auftritte hatte. Mehrere Ständle über das Jahr verteilt und viel Geselligkeit bei diversen Ausflügen gehörten ebenso wie die Proben zum weiteren Jahresprogramm. Nicht ganz zufrieden war man mit dem Besucherzahl bei der Herbstveranstaltung. "Der Verein hat mit deutlich mehr Besuchern gerechnet", so die Schriftführerin. Gerade dieses Veranstaltungsformat gilt es zu überdenken, lautete daher der allgemeine Tenor, denn wenn kaum Talheimer die Veranstaltung besuchen, dann würde irgendwas nicht stimmen. Hier möchte man vonseiten der Verantwortlichen gegensteuern. Zufrieden war man jedoch mit dem Besuch beider Auftritte im alten Freibad beim "Musikcocktail".

Auch nicht wirklich gute Kunde hatte Kassierer Hans-Dieter Wehle zu vermelden. 2019 konnte er nicht mit schwarzen Zahlen das Jahr abschließen. "Wir haben ein Minus aus der Jahresbilanz 2019", so Wehle. Er analysierte sehr klar, dass die rückläufigen Einnahmen nicht als einmaliger Ausrutscher zu sehen sind, sondern sich als Tendenz fortsetzen werden. Rückläufige Mitgliederzahlen auf der einen Seite, kaum bezahlte Auftrittsmöglichkeiten und Veranstaltungen, die nicht wirklich Plus in die Kasse bringen, entwickeln sich zu einer Abwärtsspirale. Wehle, und später auch Peter, appellierten daher an die Loyalität der Vereinsmitglieder im Hinblick auf den Besuch der Veranstaltungen. Eine direkte Reklamation ging auch an die Ortsverwaltung und an die Stadt. Der Kassierer fand es nicht gerecht, dass man für die Jugendveranstaltung, bei der der Verein sowieso ordentlich Geld drauflegt, auch noch 300 Euro an Hallennutzung zahlen musste. Ortsvorsteher Anton Ade, der später auch die Entlastung der gesamten Vorstandschaft beantragte, versprach, sich darum zu kümmern. Wehle dankte auch dem Ehrenvorsitzenden Richard Straub für sein Engagement in Bezug auf die Betreuung der Jubilare, denn viele Spenden werden aus den Reihen der Altvorderen generiert, wenn man ihnen zu den besonderen Geburtstagen ein Ständle spielt.

Chefdirigent Thomas Teufel packte wieder Zuckerbrot und Peitsche aus. Er lobte seine Musiker für die fantastischen Leistungen bei den beiden wichtigsten Konzerten, kritisierte aber, wie immer, die Bereitschaft der aktiven Musiker, an den Proben teilzunehmen. Er forderte ultimativ, dass das besser werden müsse, denn er habe für 2020 vor, wieder einmal an einem Wertungsspiel teilzunehmen. "Wir werden dort in Stufe Drei – also Mittelstufe – antreten, stellte er klar. Auch habe er für das Osterkonzert nicht mehr so anspruchsvolle Literatur ausgesucht, wie für das Konzert im Vorjahr. "Da spielten wir an unserer absoluten Leistungsgrenze." Sein abschließender Dank galt seinen Vizedirigenten. Teufel lobte auch die Arbeit des Jugendteams um Denis Hamm. 29 Kinder spielen in der Jugendkapelle und zehn im Juniororchester. Insgesamt hatte man in 2019 sechs Auftritte, konnte der Jugendleiter berichten.

Ade nannte den MVO in seinem Grußwort einen guten Botschafter für den Ort, der viel zur musikalischen Kultur beiträgt, und sagte: "Talheim kann stolz auf euch sein." Er hob auch die hervorragende Qualität hervor, die der Verein bei seinen Konzerten abliefert und überbrachte den ausdrücklichen Dank der Gemeinde.

Zum Abschluss der Hauptversammlung folgte ein kurzer Ausblick auf das Jahr 2020.

  Wahlen

Bei den turnusmäßigen Wahlen gab es kein Vertun. Die Vorstandschaft des MVO agiert weiterhin als Dreierteam, das sich aus Knut Peter, Eugen Joachim und Thomas Jungwirt zusammensetzt.

Nach zehn Jahren als Schriftführerin gab Cornelia Aisenbrey ihr Amt an Manuela Randecker ab. "Wenn alle Vereinsmitglieder zehn Jahre ein Amt ausüben würden, dann hätten wir überhaupt nie Probleme, ein Amt zu besetzten", betonte Hans-Dieter Wehle, der die Wahlen leitete. Die scheidende Schriftführerin wird jedoch dem Verein treu bleiben. Als aktive Musikerin und gemeinsam mit Antonie Nafz als Verantwortliche für die Uniformen. Auch im Amt des aktiven Ausschussmitglieds gab es eine Veränderung. Carina Joachim gab ihr Amt an Cornelia Götz weiter, ihre Kollegin Anja Ade stellte sich dagegen für weitere zwei Jahre im Amt zur Verfügung.

Auch bei den passiven Ausschussmitgliedern gab es eine Veränderung. Für Sonja Günter kam Kornelia Joachim ins Team.

  Ehrungen

Danach standen die Ehrungen auf dem Programm. Neben den internen Auszeichnungen für Proben- und Konzertbesuch durfte Knut Peter ein Mitglied für 40 Jahre Treue zum MVO ehren. Jochen Keppler, der früher als Trompeter im Verein spielte und jetzt Passivmitglied ist, erhielt die Ehrenurkunde und die entsprechende Ehrennadel überreicht. Dies mit der Bitte, doch wieder die Trompeter vom berühmten Nagel zu holen und wieder als Aktiver beim MVO mitzuspielen.