In der liberalen Hochburg Horb gibt sich die Partei selbstbewusster. Kreis-FDP hat nicht "nachgeklebt".
Horb - 21 Prozent der Zweitstimmen in Horb, in Empfingen und Waldachtal noch mehr: Bei der Bundestagswahl 2009 festigte die FDP ihre liberale Hochburg. Doch kann sie dieses Ergebnis in ähnlicher Form trotz negativem Bundestrend wiederholen? Eine der spannendsten Fragen des Wahlabends für die Region.
"Zweitstimme FDP" steht zerknittert auf dem großen Plakat auf dem Hohenberg, das Spitzenkandidat Rainer Brüderle zeigt. Die Zweitstimmenkampagne der Liberalen ist auch in Horb angekommen. Nach der Bayern-Wahl zittern die Freien Demokraten um den Einzug in den Deutschen Bundestag. Und manche sagen, sie betteln um Stimmen bei den CDU-Wählern.
Doch betteln will man bei der FDP im Kreis Freudenstadt nicht. Der Zweitstimmen-Aufkleber auf dem Plakat komme von der Landes-FDP, erzählt Angelika Engeln, stellvertretende Kreisvorsitzende, die seit vielen Jahren für die Plakatierung vor Ort zuständig ist. Auf die kleinen Plakate habe sie nichts geklebt. "Ich verfahre doch dafür nicht Benzin und klebe die Zweitstimme doch nicht über das Gesicht des Kandidaten." Das hat die FDP in ihrer Hochburg nicht nötig. "Die Wähler im Kreis Freudenstadt wissen das von allein."
Auch im "Theurerland" wird gekämpft. Horb und Umgebung gehört zu den erfolgreichsten FDP-Festungen im Land. "Gelb-Land" titelte 2009 die Zeitschrift "Cicero" über Horb nach dem für die FDP beinahe schon galaktischen Ergebnis bei der Europawahl von 43 Prozent. Gut, dieses Ergebnis hatte viel mit der Kandidatur von Michael Theurer für das Europaparlament zu tun. Doch es scheint, als hätte der frühe Oberbürgermeister den Liberalismus in die Herzen einiger Horber gepflanzt. Die Bundestagswahl am kommenden Sonntag wird ein Gradmesser dafür sein, ob das noch immer gilt – auch wenn die FDP bundesweit angeschlagen ist.
"Die inhaltliche Diskussion wird mir zu sehr vernachlässigt"
Viel Zeit blieb dem Europaabgeordneten Theurer in den vergangenen Monaten nicht, um sich bei Festen und Veranstaltungen in seiner Heimatstadt zu zeigen. Sein Stuhl im Kreistag blieb des Öfteren leer, weil Europa rief. Doch in der heißen Wahlkampfphase ist die Schlagzahl wieder höher geworden. Und auch die Namen der politischen Gäste wurden von Woche zu Woche bekannter: Birgit Homburger, Patrick Döring, morgen noch mal schnell das liberale Urgestein Klaus Kinkel bei der Firma Handytech in Nordstetten. Endspurt.
Das liberale Selbstbewusstsein hat Theurer nicht verloren. "Bayern war für die FDP immer schwierig", sagt er. Auch er steht zur Zweitstimmenkampagne, doch mit Horber Note: "Die inhaltliche Diskussion wird mir zu sehr vernachlässigt." Die Liberalen sollten "selbstbewusst" für die Zweitstimme werben. Theurer, der nie zu den FDP-Marktradikalen gehörte, will auch nicht nur bei der CDU auf Stimmenfang gehen. Auch die SPD-Wähler sollen sich angesprochen fühlen. "Wir sind eine Partei der Mitte. Wir müssen als eigenständige Partei auftreten."
Im Wahlkampf habe man den einen oder anderen Unzufriedenen gehört, gibt Theurer zu. Doch insgesamt sei er zufrieden, vor Ort hätten die Liberalen bei den Themen wie Hochbrücke und Nationalpark eine gute Figur abgegeben, findet er.
Auch Timm Kern sieht Horb und Umgebung nicht im Bundestrend. Zur Zweitstimmenkampagne hat er eine ähnliche Meinung wie Theurer: "Sie richtet sich an alle Wähler."
Die FDP in Panik? "Nein, höchstens Ernsthaftigkeit." Im Wahlkampf auf der Straße habe er bei anderen Wahlen schon kritischere Stimmen gehört als in den vergangenen Wochen. "Ich rechne wieder mit einem starken Ergebnis, weil es im Landkreis Freudenstadt viele liberale Wähler gibt, die den Liberalismus im Herz haben."
Auch Kern wird in den wenigen Tagen bis zur Wahl noch kräftig die Werbetrommel rühren. Und wenn es doch nichts mit dem Spitzen-Ergebnis wird? Das sei jetzt kein Thema, lautet die Antwort. Allerhöchstens am Wahlabend.
Dann sollen auch schon viele FDP-Wahlplakate verschwunden sein. "Ich habe einigen gesagt, dass sie gleich auf den Weg zur Wahlparty Plakate abhängen können", erzählt Angelika Engeln. Dann hat sie gleich doppelt Benzin gespart.